Tagebuch Euregio Summer Camp 2015

Das gemeinsame Büro der Europaregion begleitet Tag für Tag die 3. Auflage des Euregio Summer Camp, das vom 19. bis 26. Juli 2015 im Rainerum (Bozen) stattfindet.

Text: Mattia Frizzera (Begleiter)

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Sonntag, 26. Juli 2015

Die Teilnahmebestätigungen werden ebenso ausgeteilt wie das Euregio-Geschichtebuch, ein gemeinsames Gruppenfoto auf den Stufen des Rainerums wird geschossen und Abschiedsgrüße ausgeteilt. Dem ein oder anderen Teilnehmenden des Euregio Jugendfestivals 2015 entwischt eine Träne. Das Jugendfestival 2015 schließt nun seine Pforten und die Jugendlichen kehren mit vielen neuen Eindrücken beladen zurück nach Hause, um ihre Batterien für das kommende Schuljahr aufzuladen oder um vorher noch zu neuen Ferienabenteuern aufzubrechen. Auch glückliche Elterngesichter sieht man überall. Sie sind froh ihre Kinder gut gelaunt anzutreffen und schätzen auch das Online-Tagebuch als Informationsquelle.

Bevor die Jugendlichen abreisen füllen sie noch einen Fragebogen aus, der in den kommenden Tagen ausgewertet wird. Die Zufriedenheit mit der Struktur, der Betreuung, dem Essen und den Aktivitäten wird darin abgefragt. Viele Trentiner Eltern denken bereits jetzt an die nächstjährige Auflage des Euregio Summer Camps nach. Auch ein Jugendlicher der kommendes Jahr das Alterslimit von 14 Jahren überschreiten wird, möchte trotzdem wieder mitmachen.

Das Konzept “Feriencamp für die Euregio-Jugend” funktioniert offensichtlich auch im dritten Jahr des Bestehens gut (3. Auflage des Euregio Sommer Camps und 2. Auflage des Euregio Sport Camps) und ist gut ausgereift. Die Trentiner sind die frenetischsten Anhänger des Camps. Es hat sich mittlerweile auch herumgesprochen, dass mehr Nachfrage als Kapazität vorhanden ist. Es scheint so, also ob an der Trentiner Mittelschule Comenius di Cognola und im Umkreis von Predaia das Epizentrum des Interesses liegt. Schon bereits einige Tage nach Anmeldestart gingen von dort 10 Anmeldungen ein.

In Südtirol hätte man prinzipiell 24 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche die Möglichkeit sich sprachgruppenübergreifend auszutauschen, aber wie Landesrat Philipp Achammer bei seinem Besuch am Rainerum gemeint hat, seien es oft Abgrenzungen und Grenzen in den Köpfen, die es zu überwinden gelte.

Bei den Jugendlichen aus dem Bundesland Tirol ist das Engagement unterschiedlich ausgeprägt: Während das Interesse am Euregio Sport Camp überwältigend ausfiel, bräuchte es beim Summer Camp noch ein Quäntchen mehr Interesse und Anmeldungen aus dem nördlichsten Gebiet der Europaregion. Vielleicht sind es ja die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des ESC 2015, die die Keimzellen dafür sind, dass das Interesse in Nord- und Osttirol noch stärker aufblüht.

Wenn ich mir das Interesse, die in den Treffen erarbeiteten Ideen sowie die Begeisterung gegenüber dem Projekt vor Augen führe, so wäre mein Wunschtraum – vorausgesetzt es gäbe die finanziellen Möglichkeiten hierfür – die Ausrichtung von mehreren einwöchigen Camps, in der Zeit von Mitte Juli (zu diesem Zeitpunkt brechen die Ferien auch in Nord- und Osttirol an) und Ferragosto (15. August). Wenn man die Vorschläge der Jugendlichen aufgreifen möchte, könnte man ein Camp mit einem künstlerischen Schwerpunkt organisieren oder ein Camp für Fortgeschrittene, für die Altersgruppe der 14-16 Jährigen.

In der diesjährigen Ausgabe des Euregio Summer Camps konnte auch der sprachdidaktische Aspekt aufgewertet werden: die Theateraufführung und das Vokabelheft eigneten sich gut dafür. Insgesamt erachte ich das Camp als interessantes sprachwissenschaftliches Experimentierfeld, das auch für die Landesschulverwaltungen der Länder die ein oder andere Anleihe geben könnte.

Neben dem Euregio Summer Camp konnte das Euregio Sport Camp Dank seinem vielfältigen Aktivitätsangebot auf engstem Raum und der Möglichkeit mit Profis aus dem Sportbereich (Sportmediziner, Trainer und Techniker) sich austauschen zu können punkten.

Neben den sprachlichen und sportlichen Aspekten hat der soziale Faktor natürlich den höchsten Stellenwert bei den Jugendlichen. Gewiss werden sie auch nach dem Camp miteinander in Kontakt bleiben, zumindest über die sozialen Netzwerke, Mundpropaganda betreiben und von all den schönen Momenten berichten, die sie eine Woche lang zusammen erleben durften.

Samstag, 25. Juli 2015

Vergangenen Sonntag scherzte ein Südtiroler Bub deutscher Muttersprache am Vorplatz zum Rainerum: “Eh Walsche”. Sechs Tage später, nach viel gemeinsamem Gelächter und Witzen, „verwünscht“ er uns Betreuer zusammen mit einem Gleichaltrigen aus dem Trentiner Nonstal. Einem „Walschen“ also. Es ungefähr Ein Uhr nachts, das Abschlussfest im Don Bosco Saal des Rainerum ging soeben zu Ende (mit Gabriele Tenaglia als DJ). Das ist das stärkste Bild, das uns Betreuungspersonen des Euregio Summer Camps 2015 im Kopf hängen geblieben ist. Ein Streifbild der Realität, die wir in den vergangenen Tagen durchlebten. Es genügen also ein paar gemeinsame Tage um Vorurteile und Gewohnheiten über den Haufen zu werfen.

Die Jugendlichen wollen zusammen etwas erleben und Spaß haben, da stellt die Sprache keine Barriere dar. Der gestrige Samstag bestach nicht durch Schabernack, nein viel bedeutsamer war der sprachliche Fortschritt. Es war der Tag der Theateraufführung. In fünf Kleingruppen, unter Anführung der Betreuungspersonen präsentierten die Jugendlichen ihr Schauspiel: Die Italienischsprachigen sprachen Deutsch, angeleitet von Katharina Ceolan, Severin Schick, Lukas Foraboschi und Merle Speck. Die Deutschsprachigen parlierten auf Italienisch, angeleitet von Mattia Frizzera und Tobia Maio sowie von Cristina Casale und Ina Zoto.

Bis Samstagmittag dauerten die intensiven Vorbereitungsarbeiten für die Dialoge und Sketchs. Am Nachmittag fand der große Autritt statt: Die unter der Anleitung der Betreuer erarbeiteten und mit Nadia Mazzardis besprochenen Stücke wurden aufgeführt. Katharina und ihre Gruppe der Trentiner Youngsters stellte eine Geschichte mit Bezug zu Videospielen vor, die damit endete, dass Sebastiano der Konsole entspringt.

Merle mit ihrer Gruppe der älteren Trentiner Jugendlichen entführte uns im Anschluss in den Nebel eines Waldes. Sie punkteten unter anderem durch ihre aufwändige Szenographie und durch die kunstvollen Kostüme und führten einen kurzen Performancetanz auf, zusammen mit Margherita und unter musikalischer Anleitung durch Carolina.

Severin und Lukas erarbeiteten eine Geschichte über das Leben eines Pianisten, der auf der Suche nach seinem „perfekten“ Finale ist. Ein Finale das im Zeichen eines selbstkreierten Feuerwerks stand.

Auch Cristina und Ina wagten sich mit den Südtiroler Jugendlichen in den Schauspielnebel. Ihr Drehbuch endet im Jahr 2035, und zeigt erwachsen gewordene Jugendliche, die ihre Ziele erreicht haben.

Tobia und ich brachten mit unserer Tiroler Gruppe die Klassische Musik zurück auf die Bühne: In unserem Spiel zeigten wir wie Lea und Lena, zwei musikliebende Zwillingsschwestern, die Übersiedelung von einer deutschen in eine italienischen Schule bewerkstelligen.

Für die gezeigte Performance gebührt den Jugendlichen ein großes Lob, insbesondere für die erbrachte Gruppenleistung! Auch wenn einige nur mit wenigen Wörtern beitragen konnten, so war es doch ein wirkungsvolles und vergnügsames Highlight! Vor dem nachmittäglichen Gewitter vergnügen sich die Jugendlichen noch beim Fußball, Volleyball und Basketball auf den Talfer Wiesen. Der Diskoabend beginnt dann mit dem Spiel „Reise nach Jerusalem“ und zieht sich bis 23.30 Uhr hin, dank einer Selektion aktuell populärerHousemusik, die die Jugendlichen zum eklektischen Tanzen animiert.

Am 8. Tag, wiederum ein Sonntag, ist Schluss: Zeit nach Hause zurückzukehren. Eifrig werden noch die letzten Gadgets und Erinnerungsstücke vom ESC 2015 ineingepackt. Noch liegt ein langer und erlebnisreicher Sommer vor den Jugendlichen: gemeinsame Familienurlaube, weitere Feriencamps, gemeinsame Zeit mit Eltern und Familie sowie Auslandssprachaufenthalte stehen den Jugendlichen bevor. Morgen wird auch das Online-Tagebuch wieder geschlossen. Bevor es zugeklappt wird, melde ich mich noch mit einigen Schlussbetrachtungen. Vorab möchte ich mich schon einmal bei allen Beteiligten bedanken, für ihre Arbeit und Hingabe: den Betreuerinnen und Betreuern, allen Verantwortlichen des Rainerums, von Juvenes, dem gemeinsamen Büro der Europaregion und nicht zuletzt allen teilnehmenden Jugendlichen. Ich bin mir sicher, dass euch diese Woche noch ein Leben lang in Erinnerung bleiben wird!

 

Freitag, 24. Juli 2015

Ein aufregender Freitag liegt hinter allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern des Euregio Summer Camps. Um 16.00 Uhr unterbrach ein Sommergewitter die Action im Hochseilgarten von Terlan. Das Gewitter war eine erfrischende Abkühlung nach einer sehr heißen Woche. Am Freitagmorgen besuchte uns Südtirols Landesrat Philipp Achammer. In seinem Kompetenzbereich liegt die Deutsche Kultur und Bildung. Im Zuge des Treffens entfaltet sich ein sehr interessanter Austausch mit den Jugendlichen, im Zuge dessen die Jugendlichen über die Idee der Europaregion diskutieren, ein paar vorbereitete Sätze in der Zweitsprache vortragen und neue Ideen und Anregungen Landesrat Achammer mitgeben.

Landesrat Achammer vergleicht die Teilnehmerinnen und Teilnehmer eingangs als "Pioniere der Europaregion" und betont, dass sie daran arbeiteten die Grenzen zu überwinden. Landesrat Achammers Vorschlag eines gemeinsamen Tagebuchs, zugänglich für alle Schülerinnen und Schüler aus Tirol, Südtirol, Trentino fand großen Anklang.

Verstärkter Austausch zwischen Schülerinnen und Schülern aus allen Teilen der Europaregion ab der Mittelschule ist ein großes Thema und Anliegen der Jugendlichen. Das ist eine Bestätigung für die Durchführung vonmehrsprachiger Austauschcamps, wie dem Euregio Sport Camp, wenn man so will

Die Jugendlichen haben also keine Angst davor andere Sprachen zu lernen – ganz im Gegenteil: Sie beteiligen sich mit Herzblut und Interesse daran und sehen in der Mehrsprachigkeit einen persönlichen Vorteil. Damit der Kontakt zwischen den Jugendlichen während des Jahres nicht ganz abreißt, möchten sich die Jugendlichen gerne über Soziale Netzwerke wie Facebook laufend austauschen.

Weitere Gesprächspunkte des Zusammentreffens mit Landesrat Achammer: Eine Jugendliche erkundigt sich bei Landesrat Philipp Achammer wie er die Möglichkeiten in der schulischen Ausbildung von Flüchtlingskindern bewertet. Landesrat Philipp Achammer stellt in weiterer Folge auch noch zentrale Eckpunkte seiner Schulreform vor: Mehr Musik- und Sportunterricht, mehr Praxisbezug und mehr Anknüpfungspunkte zwischen Schul- und Arbeitswelt.

Im Rahmen der Diskussion kommt auch die didaktische Methode des CLIL (Content and Language Integrated Learning) zur Sprache, mit der vor allem die Trentiner Teilnehmerinnen und Teilnehmer bereits bestens vertraut sind, auch dank der ausführlichen Berichterstattung der dortigen Lokalmedien. Eines kristallisiert sich dabei heraus: Die Trentiner Jugendlichen möchten nicht mehr in der zweiten Klasse Oberstufe die Wahl treffen müssen, ob sie den Deutschunterricht unterbrechen oder weiterverfolgen möchten. Den Jugendlichen liegt anscheinend am Herzen, dass man in der Schule stärker die verbale Sprachkompetenz fördert, im Verhältnis zur schriftlichen. Birgit Oberkofler, Südtiroler Vertreterin im Generalsekretariat des gemeinsamen Büro der Europaregion informiert, dass es neben der sehr gut funktionierenden Zusammenarbeit innerhalb der Europaregion Tirol-Südtirol-Trentino noch weitere Europaregionen mit Italienischer Beteiligung gibt: zwischen Sardinien und Korsika beispielsweise und mit Einbindung Siziliens.

Im Laufe der rund einstündigen, intensiven Diskussion betonte Landesrat Philipp Achammer die Beteutung der gemeinsamen Geschichte und würde die Errichtung eines Museums über die Geschichte der Europaregion, möglicherweise am Standort Franzensfeste, begrüßen. In einem abschließenden Appell fordert Landesrat Philipp Achammer die Jugendlichen nun ihrerseits auf zu Botschafterinnen und Botschaftern der Europaregion zu werden und zu vermitteln, dass die Europaregion wichtig ist und es eine stärkere länderübergreifende Zusammenarbeit zu fördern gelte.

Eines der Schlagwörter des Euregio Summer Camps ist “vermischen”. Dies gilt im Kulturbereich genauso wie im Schulbereich: Landesrat Achammer möchte beispielsweise einen stärkeren Austausch zwischen den Kulturvereinen der Europaregion fördern, da sie seiner Ansicht nach wichtige Multiplikatoren für die Europaregion sind. Das Verb „vermischen“ treffe aber auch auf den Schulbereich in Südtirol zu, da sich die deutschen Schulen nicht mit den italienischen träfen.  Bald werde eine Jugend-Sinfonie entstehen und eine im Don Bosco Saal geborene Idee regt die Erarbeitung einer gemeinsamen Initiative hinsichtlich künstlerischer Ausdrucksformen an, die für Jugendliche bis 16 Jahren ausgerichtet sein soll.

Das gemeinsame Ideen-Brainstorming bringt noch weitere Ideen hervor: Vorgeschlagen wird beispielsweise ein Online-Lab,  im Rahmen dessen Interessierte Euregio-Ideen einbringen können, Euregio-Fernsehspots zur Stärkung der Wahrnehmung und ein gemeinsames Nachrichten-App. Ein weiterer Nachbericht zum Treffen mit Landesrat Achammer ist nachfolgend aufrufbar: http://www.provinz.bz.it/news/de/news.asp?news_action=4&news_article_id=507454

Nach dem Treffen mit Landesrat Achammer sind die Jugendlichen mit dem Zug nach Terlan gefahren. Nach einem intensiven Vormittag steht nun ein Mittagessen auf dem Programm. Danach kurzes Relaxen im Park und schließlich besuchen die Jugendlichen den Xsund – Adventure Parcour, bevor der Platzregen über uns hereinbricht.

Nachdem wir uns mit Handtüchern notdürftig abgetrocknet haben, um uns nicht zu erkälten, geht’s wieder zurück zum Bahnhof. Dort erfahren wir, dass der nächste SAD-Zug ausfällt. Somit vertrieben wir uns die Wartezeit mit Gequatsche am Bahnhof. Nach einer dreiviertel Stunde ist es dann soweit: Ein Zug in Weiß und Weinrot mit dem weithin sichtbaren Logo einer Bärenklaue fährt am Bahnhof Terlan ein und bringt uns nach Bozen zurück. Es ist ein Trentiner FLIRT-Zug. Die Euregio-Kooperation funktioniert also offensichtlich auch auf der Schiene. Den Abend haben die Jugendlichen zu ihrer freien Verfügung. Während einer freiwilligen Filmvorführung nützen wir Betreuerinnen und Betreuer die kurze Auszeit zur Reflexion: Wir analysierend das bisher erhaltene Feedback und suchen nach Verbesserungsmöglichkeiten.

 

Donnerstag, 23. Juli 2015

Wie bei den letzten beiden Ausgaben des Euregio Summer Camps, war es auch diesmal wieder an der Zeit: der eintägige Ausflug ins Brixner Acquarena. Nach dem Wachrütteln der Muskeln durch die Tänze im Innenhof des Rainerum mit den Jungs und Mädels von „I giorni del sole (Die Tage der Sonne)“, ging es im Zug nach Brixen. Die diesjährigen Temperaturen eignen sich hervorragend, um einen Tag im Wasser zu verbringen. Die Handtücher auf dem Boden ausgebreitet und los geht es in die beliebten Becken des Brixner Schwimmbades: Trampolin und Sprungbrett, Wasserstrudel, gelbe Rutsche und natürlich auch die blaue, Salzbecken mit 34 Grad warmen Wasser. Die Acquarena ist sehr beliebt bei den einheimischen Familien. Wir treffen sogar so Manchen, der auch letzte Woche beim Euregio Sport Camp dabei war.

Ein Moment der Entspannung und des Vergnügens der den komplexeren Aufgaben des Abends vorausgeht. Nach dem Abendessen der klassische „Ckeck Point“ mit den Seiten des Sprachenheftes, das nach und nach ausgefüllt wird. Die Motiviertesten arbeiten ganz im Sinne der Euregio: Jungen und Mädchen mit verschiedener Muttersprache helfen sich gegenseitig und füllen gemeinsam die Liste mit den neuen Vokabeln aus, die meist dazu dienen, die gelebten Aktivitäten des Tages zu umschreiben. Es gibt sogar schon so Manchen, der die 100 Punkte überschritten hat, andere haben aber auch schon die 50 Punkte-Marke erreicht. Am Ende zählt hier Konkurrenz wenig, es geht mehr um eine gegenseitige Unterstützung im Lernen der Sprachen, Deutsch und Italienisch, und zwischendurch auch Englisch.

In Bozen ist der Abend heiß, sowohl wetter- als auch verwaltungstechnisch: Der Gemeinderat stimmt über das Projekt Benko ab. Am Rathausplatz gibt es ein großes Polizeiaufgebot. Zur selben Zeit wird jedoch das Stadtzentrum viel effektiver auf jeden Winkel untersucht, als dass die Polizeikräfte vorhaben. Das Abendspiel des Euregio Summer Camps nennt sich „Das Spiel der Feuerwehr“. Gestandene 500 handgeschrieben Kärtchen wurden in schwer erreichbaren Positionen angebracht. Das Ziel ist es in 45 Minuten so viele wie möglich davon einzusammeln. Den Sieg hat die violette Mannschaft davon getragen, gefolgt von Rot, Blau und Grün.

Es bleibt jedoch noch zwei Tage Zeit, um die gesamte Rangliste noch einmal kräftig auf den Kopf zu stellen: es warten noch Spiele, Begegnungen und eine Endpräsentation in der Fremdsprache auf die Teilnehmer des Eureigo Summer Camps.

Mittwoch, 22. Juli 2015


Das Vokabelheft der Jugendlichen füllt sich stetig. Diejenigen die bereits besonders viele Vokabel sammeln konnten, werden von anderen Jugendlichen umschwirrt, gerne wird der Wortschatz miteinander geteilt. So lernen die Jugendlichen voneinander, ganz im Sinne des Erfinders.

Am heutigen Mittwoch besuchten uns Fernsehteams: Die RAI Regionalnachrichten und der Sender Video 33 gestalteten einen Bericht über das ESC 2015 in italienischer Sprache und der Sender Sdf hat einen Bericht in deutscher Sprache über das ESC und die vom Verein Juvenes gestalteten Aktivitäten veröffentlicht.Einige Jugendliche schnupperten erste Interviewerfahrung und vermittelten den Zuschauern die Atmosphäre des ESC 2015.

 

 

Der Mittwochvormittag war auch mit Sprachmomenten reich gefüllt: Die Jugendlichen bereiten zusammen mit den Betreuern Geschichten für ein selbst gestaltetes Theaterstück vor, das am Samstag aufgeführt wird. Jede Gruppe führt so Theaterszenen in der jeweils „anderen“ Sprache auf. Der Ablauf: Das Theaterstück wird Szene für Szene von den fünf nach Sprachniveau unterteilten Gruppen gestaltet werden, mit selbst kreierten Dialogen und Handlungen. Es hat sich auch jemand gefunden der ein Lied gestaltet.

Am frühen Nachmittag fahren wir mit dem Bus zum erfrischenden Montiggler See. Drei Förster aus Kaltern erwarten uns dort und erklären uns die dortige Flora und Fauna. Eingeteilt in drei Gruppen, eine in deutscher Sprache und zwei in italienischer Sprache, spielen wir ein Spiel, das wir „Baumstamm-Champion“ getauft haben. Der Clou dabei: Bestimme das Alter eines Baums.

Die Gruppe unter der Leitung von Gerda Heiss bestimmt das Alter einer Fichte auf über 40 Jahre, indem sie eine Kernbuchung durchführt. Die Jugendlichen hatten viele interessante Fragen für die Förster auf Lager: über den Tagesverlauf im Leben eines Försters, über seine Hauptaufgaben und wie die Auswahl der zu fällenden Bäume durchgeführt wird. Die Jugendlichen zeigen sich gut vorbereitet und sind sehr an den natürlichen Abläufen des Waldes interessiert. Im Hintergrund beobachten sie die akrobatischen Künste einiger Badebesucher.

Nach einem Eis am Seeufer geht es schließlich wieder in das Rainerum zurück. Der Ablauf des täglichen Vokabel-Checks ist klar durchdacht, denn schließlich steigt auch das Sprachniveau der Vokabel. Die Leistung der Jugendlichen fällt überraschend positiv aus: Diejenigen die im Verlauf der vergangenen Tage weniger Punkte sammeln konnten packt der Ehrgeiz, sie wollen aufschließen. Ziel der Übung ist jedoch nicht eine Rangliste zu erstellen und die besonders Erfolgreichen zu prämieren. Vielmehr steht die Steigerung des Einzelinteresses und des Potentials Aller im Vordergrund der Übung.

Nach dem Abendessen das nächste gemeinsame Spiel: Im Turnsaal des Rainerum wird barfüßig Völkerball gespielt, ein Klassiker des Gruppenspiels das über die Jahre nichts an seiner Unterhaltsamkeit verloren hat. Die Teams Rot und Blau behalten schlussendlich die Oberhand über Grün und Violett und das „Gefängnis“ hinter den beiden Spielfeldhälften ist jederzeit gut gefüllt.

Am Vormittag hat sich auch eine Gruppe Jugendlicher zusammengetan, um Fragen für den Besuch des Südtiroler Landesrats Philipp Achammer vorzubereiten. Er besucht die Jugendlichen am Freitag um 9.30 Uhr. Die Fragen sind alles andere als trivial: „Wie kann adäquater Schulunterricht für Asylwerber organisiert werden?“, ist eine der Fragen. Vor dem Highlight des Zusammentreffens mit Landesrat Philipp Achammer, verspricht aber bereits das morgige viel Freue und Unterhaltung für die Jugendlichen.

Dienstag, 21. Juli 2015

Der heutige Tag am Euregio Summer Camp ist den Bienen gewidmet. Wir besuchen den Plattner Bienenhof am Ritten und erleben den dort installierten Bienenlehrpfad. Es ist ein toller Ausflug! Mit der Seilbahn fahren wir zunächst von Bozen Richtung Ritten und lassen die Stadt unter uns. An der Bergstation angekommen, fahren wir mit dem Zug bis Wolfsgruben weiter.

Der krönender Abschluss ist die Honig-Degustation. Während der Fahrt notieren sich die Jugendlichen eifrig neues Vokabular in ihr Vokabelheft, insbesondere die Mädchen. So macht Lernen Freude!

Am Nachmittag geht es dann wieder mit dem Zug zurück nach Klobenstein. Dort ist Erholung und Planschen im Schwimmbad angesagt. Eine Wohltat bei über 35 Grad Hitze in Bozen. Am Abend erwartet die Jugendlichen wieder der tägliche Vokabel-Check, ein Spiel im Freien und eine didaktische Gesangseinheit.

Am morgigen Mittwoch besucht die RAI mit einem Videoteam das Euregio Summer Camp. Liebe Eltern mit RAI-Empfang: Schaltet Rai 3 um 14.00 und 19.30 ein! Auch der Bozner Sender Video 33 wird vom ESC 2015 berichten!

 

Montag, 20. Juli 2015

Der erste Tag mit ganztägigem Programm beginnt für die Jugendlichen des Euregio Summer Camps 2015 (ESC 2015) mit einer Gruppeneinteilung. Die 56 Jugendlichen werden in die Mannschaften Rot, Grün, Violett und Blau eingeteilt. Die Jugendlichen aus Tirol, Südtirol, Trentino, leicht erkennbar an ihren gelben T-Shirts, treffen heute auf eine weitere im Rainerum beherbergte Gruppe mit dem Namen „Die Tage der Sonne“, leicht erkennbar in ihren orangen T-Shirts.

Ein interessanter Aspekt des diesjährigen ESC ist, dass es sich nicht nur einzig und allein um die italienische und deutsche Kultur dreht, sondern dass eine internationale Dimension hinzugekommen ist. Obwohl die Jugendlichen erst zwischen 12 und 14 Jahre alt sind, haben einige von ihnen eine internationale Lebensgeschichte vorzuweisen: Familienbindungen nach Portugal beispielsweise, Geburtsort China, Geburtsort Spanien sowie wohnhaft in Innsbruck, als „Hispano-Tiroler“ sozusagen, oder Mutter aus Südtirol und Vater aus Ägypten, um ein paar Beispiele zu nennen.

Nach einer temperaturmäßig heißen Nacht, begann der Vormittag mit Spracheinheiten, die von den Betreuerinnen und Betreuern gestaltet wurden. In fünf Gruppen (3 Italienischgruppen, 2 Deutschgruppen), nach Sprachniveau eingeteilt, wird zielgruppengerecht Zweitsprachenkompetenz in der „Sprache des Anderen“ vermittelt. Das bedeutet, dass die Trentiner ihre Deutschkenntnisse verbessern und die Nord- und Osttiroler ihren Italienischwortschatz.

Italienisch wird auch nördlich des Brenners seit Jahren als Fremdsprache unterrichtet, aber der Schritt vom Frontalunterricht hin zur Sprachanwendung ist oftmals schwierig. Im Vorteil sind diejenigen Jugendlichen, dies bestätigte sich auch beim Euregio Sport Camp 2015, welche mit CLIL (Content and Language Integrated Learning) vertraut sind, wie beispielsweise die Teilnehmerinnen und Teilnehmer, welche die Trentiner Mittelschule Comenius besuchen. Dort wird CLIL (Content an Language Integrated Learning) als Unterrichtsmethodik eingesetzt, das heißt Fachunterricht findet in der Zweitsprache statt. Beispielsweise Sachunterricht in Italienischer Sprache. Es scheint, als ob dadurch die Sprache mehr gelebt werden kann, was sich in einem besseren Ausdrucksvermögen manifestiert.

Beim ESC 2015 bekamen die Jugendlichen ein Vokabelheft zur Verfügung gestellt, in dem sie die während der Tageseinheiten neu gelernten Wörter festhalten. Am Abend wird ein Vokabel-Check von den Betreuungspersonen vorgenommen. Zwischen 4 und 27 Wörter hat der Großteil der Jugendlichen aufgeschrieben. Ein Teilnehmer hat sich sogar 67 Wörter notiert. Weiter so, liebe Jungs und Mädels des ESC 2015, werft euch ohne Angst ins Sprachgetümmel!

In den in Kleingruppen organisierten Spracheinheiten berichten die Jugendlichen über ihre Hobbys und zumindest in der von mir betreuten Kleingruppe werden kürzere zusammenhängende Sätze auf Italienisch gebildet. Pablo hat am meisten Glück: Neben Deutsch und Englisch wird in seiner Familie auch Spanisch gesprochen und so tut er sich auch mit der italienischen Sprache leichter als seine Kollegen.

Im Laufe des Tages unternehmen die Jugendlichen einen Ausflug an die Europäische Akademie Bozen (EURAC). Dort befindet sich auch der Sitz des Gemeinsamen Büros der Europaregion. EVTZ-Generalsekretär Matthias Fink präsentiert kurz und prägnant die Aktivitäten des EVTZ „Europaregion Tirol-Südtirol-Trentino“, für die jährlich insgesamt 1,9 Millionen Euro zur Verfügung stehen. Das Geld wird hauptsächlich in die Zukunft investiert: in die Jugend und in die Forschung.

Die Botschaft ist klar: Die Europaregion ist eine persönliche Wachstums- und Entfaltungschance. Generalsekretär Matthias Fink betont in seinem Vortrag, dass seitdem die Europaregion verstärkt in den Fokus der politischen Agenda gerückt ist, auch vermehrt unabhängige Einrichtungen ihr Engagement in der euroregionalen Zusammenarbeit intensiviert haben und nennt die immer stärker werdende Zusammenarbeit der Wirtschafts- und Handelskammern in der Europaregion als Beispiel.

Im Innenhof der EURAC versammeln wir uns noch kurz zum Gruppenfoto, dann geht es zurück in das Rainerum. Am ersten Nachmittag steht die geführte Stadtbesichtigung auf dem Programm, bei heißen 35 Grad. Die Temperatur ist eine erste Bewährungsprobe für die Jugendlichen, welche der Hitze trotzen und mit Interesse den Ausführungen zu den Details des Bozner Doms oder der Entstehung der Lauben folgen.

Die Stadtführung ist ein nützlicher Ausflug für die Jugendlichen, angesichts der Schnitzeljagd die in weiterer Folge bevorsteht und welche die Jugendlichen zu einigen der bedeutsamsten Orte von Bozen führt: Vom Hauptsitz der Uni Bozen zum Dom, vom Museion hin zu den Brücken über die Talfer in EURAC-Nähe, vom Marktplatz zurück zum Rainerum.

Der „Vokabel-Checkpoint“ ist ein weiteres Spiel, das mit großer Freude von den Jugendlichen aufgenommen wird. Zu den Klängen von Michael Jacksons „Thriller“ tanzen die Jugendlichen in den Abend.

Morgen Dienstag, 21. Juli, führt uns ein Ausflug ins Museum „Plattner Bienenhof“ auf den Ritten, für Mittwochnachmittag ist ein Ausflug an den Montiggler See geplant. Donnerstag werden wir die Aquarena Brixen besuchen und am Freitag schließlich werden wir Landesrat Philipp Achammer (Deutsche Bildung und Kultur) treffen und am Nachmittag einen Ausflug nach Terlan unternehmen.

Sonntag, 19. Juli 2015

Der Sonntag war An- und Abreisetag meiner Euregio-Sommer Tour: Von Kühtai ging es nach Bozen ins von den Salesianern geleiteten Rainerum. Vom Euregio Sport Camp volley zum Euregio Summer Camp. Temperaturmäßig fühlt sich das wie ein Jahreszeitenwechsel an: von den angenehm kühlen 20 Grad des Nordtiroler Sommerfrischeortes hin zu heißen 35 Grad im Bozner „Heizkessel“.

Nach dem Abschlussfest am Samstag und entsprechend wenig Schlaf heißt es nun die Koffer packen: Einen Anstecker des Euregio Sport Camps, eine Landkarte der Europaregion und ein Euregio T-Shirt packe ich mir noch ein, dann geht es weiter.

Vor der Abreise treffe ich noch auf zahlreiche glückliche Eltern. Sind sie etwa glücklich, weil sie Online-Tagebuch sei Dank, immer auf dem Laufenden gehalten wurden? Wahrscheinlich hauptsächlich deswegen, weil ihre Kinder die vergangene Woche sichtlich genossen haben. Vor der Abfahrt darf eine Nachbesprechung mit Julia, der Hausherrin des Konradin und mit Andreas Brix, Vor-Ort Organisator des Euregio-Sport Camps nicht fehlen. Dann heißt es für mich Abschied nehmen: Zuerst das Sellraintal wieder hinunter, dann über das Inntal weiter, über den Brenner drüber, kurz auf der A22 im Stau stehen und schließlich im Rainerum in Bozen ankommen.

Die Betreuungspersonen der Salesianer fallen wegen ihrer gelben T-Shirts schon von Weitem ins Auge. Sie werden angeführt von Salvatore Cutrì und Merle Speck. Nachdem die letzten Vorbereitungen getroffen wurden, kommen bereits die ersten Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Euregio Summer Camps begleitet von ihren Eltern am Parkplatz des Rainerum an. Ein Teilnehmer ist „Wiederkehrer“ beim Euregio Summer Camp. Unglaublich wie schnell die Kinder in dem Alter wachsen – ich erkenne ihn kaum wieder!

Auch dieses Jahr werden wir über den Lauf der kommenden Woche wieder zahlreiche Aktivitäten unternehmen, der Spaßfaktor ist also garantiert. Auch deshalb, weil sich einige bereits kennen, wie die relativ starke Gruppe der Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus dem Trentiner Nonstal. Zum Beginn erhalten alle gleich ein Geschenk: Auch die Jugendlichen des Euregio Summer Camp erhalten zur Begrüßung ein gelbes T-Shirt. Im Anschluss wird bereits ein erstes Spiel zum Aufwärmen auf den Zimmern durchgeführt. Apropos Zimmer: von denen gibt es kleinere und größere, wie beispielsweise das Zimmer im fünften Stock mit Ausblick auf den Garten.

Jede und jeder Teilnehmer erhält nun ein Säckchen mit Puzzleteilen. Zusammengesetzt lässt sich daraus entweder eine Karte oder ein bekanntes Wahrzeichen aus der Europaregion nachbauen. Solchermaßen spielend finden sich die Gruppen für die Spieleinheiten zusammen: Die Teams Rot, Grün, Blau, Violett werden gebildet und die Zimmereinteilung fixiert. So finde ich mich mit Christian Uez, Mattia Gadotti in einer Gruppe wieder, unser Puzzle ist ein Abbild der Festung Kufstein.

Die Betreuerinnen und Betreuer des Euregio Summer Camps haben sich bereits in den Wochen vorher einige Male getroffen um sich vorzubereiten und um die Woche organisatorisch durchzuplanen. So existiert bereits eine Vorabeinteilung nach Sprachkompetenz. Mit Tobia kümmere ich mich um die Italienisch-Anfängergruppe, Christina und Ina übernehmen die Fortgeschrittenengruppe. Katharina, Merle, Severin und Lukas wiederum gestalten den Deutschunterricht mit ihren Kleingruppen.

Beim Abendessen in der Mensa hängen die Jugendlichen wie die Kletten an den Getränkeautomaten. Kann es denn noch heißer werden!? Nach dem Abendessen nehmen die Jugendlichen den Innenhof der Salesianer in Beschlag: Fußball, Basketball, Volleyball aber auch Tischfußball und Tischtennis stehen zur Auswahl.

Danach stehen gemeinsame Spiele auf dem Programm: „Guerra carioca“ ist eines davon: Die Jugendlichen müssen einen Zettel in eine mit der Teamfarbe gekennzeichnete Urne einwerfen, ohne dass sie dabei von den Betreuern auf frischer Tat ertappt werden. Es gewinnt Team Rot, das einen spontanen Siegestanz aufführt.

Danach geht’s ab in die Haia. Ein mit Aktivitäten prall gefüllter Montag erwartet die Jugendlichen im Laufe des morgigen Tages: Erste Spracheinheiten stehen genauso auf dem Programm wie ein Besuch des Gemeinsamen Büros der Europaregion in der Drususallee oder eine Schnitzeljagd durch die Straßen von Bozen am Nachmittag.


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