Tagebuch Euregio Summer Camp 2014

Vom 20.-27. Juli 2014 findet im Bildungshaus Kloster Neustift die 2. Auflage des Euregio Summer Camp statt. Das Team der Europaregion begleitet die Woche mit einem Online-Tagebuch.

Redaktion: Mattia Frizzera (Begleiter)
Übersetzung: Emanuel Aichner

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Wir möchten das diesjährige Tagebuch zum Euregio-Jugendfestvial mit dem Posting des Trentiner Journalisten Francesco Marcovecchio abschließen:

"Immer höre ich von Personen eines gewissen Alters, dass die Euregio nicht existiere, dass die Politik sie zum x-ten Mal heraufbeschwöre, sie ein schwerfälliger und unkonkreter Koloss sei, etc. etc …

Heute aber habe ich 60 Jugendliche, alle zwischen 11 und 14 Jahre alt, aus Tirol, Südtirol und Trentino, gesehen, wie sie frei von irgendwelchen Zwängen, ohne Drehbuch, miteinander geredet haben und sich zuerst untereinander und etwas später auch mit Landeshauptmann Kompatscher ausgetauscht haben. Es wurde gelacht, gescherzt, Seite an Seite gearbeitet und versucht die Sprache des Anderen zu sprechen. Diese Jugendlichen kennen keine Grenzen, sie mussten am Brenner nie ihre Papiere vorzeigen, zwischen ihnen keimt kein wechselseitiges Misstrauen. Sie träumen davon frei zu reisen, Sprachen zu lernen und vielleicht haben sie ja verstanden, dass im Schließen von Freundschaften mit Gleichaltrigen aus allen Teilen unserer Euregio, mit all ihren starken Ähnlichkeiten (als auch ihren starken Kontrasten), im Herzen von Europa, ihre große Chance liegt. Genau deshalb verkörpern sie für mich die Euregio."
Euregio Summer Camp 2014

Sonntag, 27. Juli 2014

Die Woche ging wie im Flug vorbei, schon ist es Sonntagvormittag. Nur nach und nach treffen die Jugendlichen um acht Uhr Morgen zum Frühstück ein. Das Abchlussfest gestern Abend im Turnsaal mit dem “Mister und Misses-Euregio-Wettbewerb” hat sich also gelohnt.

Nach und nach treffen auch die Eltern der Jugendlichen ein. Als Erste kommen die Eltern von Emanuele in Neustift an, sie bringen seinen kleinen Bruder mit, der vor Freude strahlt Emanuele wiederzusehen. Einige teilnehmende Jugendliche sind traurig, sie würden am liebsten gar nicht mehr nach Hause fahren wollen, wegen der unzähligen schönen Erlebnisse und Eindrücke, welche sie über die ganze Woche machten und nunmehr mit dem Euregio-Summercamp in Verbindung bringen. Im direkten Vergleich zum Euregio-Summercamp 2013 zeichnet sich die diesjährige Gruppe durch ihren größeren Gruppenzusammenhalt und ihre Folgsamkeit aus.

Euregio Summer Camp 2014

Bevor es nun nach Hause geht, erhält jede und jeder von den Jugendlichen einen Evaluationsfragebogen von Regina ausgeteilt. Sicherlich, es wird den ein oder anderen kritischen Kommentar zur “Ausgangssperre” und Nachtruhe ab 22:00 Uhr geben, soviel ist sicher. Aber genügend Zeit zur Erholung und zur Ruhe ist nun mal unumgänglich bei einem solch intensiven Arbeitsprogramm. Sicherlich werden auch die ein oder anderen Kommentare zur Verpflegung im Feedback vorhanden sein, es ist ja beinahe unmöglich immer den richtigen Geschmack für alle treffen zu können, ich erlaube mir aber schon jetzt mein persönliches Urteil zu verlautbaren nämlich, dass die Küche des Chorherrenstiftes uns die ganze Woche hinweg ein abwechslungsreiches und vielseitiges Menü auf den Tisch gezaubert hat.

Wo ich heute auch hinschaue sehe ich zufriedene Eltern. Viele von ihnen lesen hier im Onlinetagebuch mit und werden durch positive Mundpropaganda zum Erfolg der kommenden Euregio-Summercamps beitragen. Mir scheint die Bewerbung des Euregio-Summercamps in Tirol ein wenig schwieriger zu sein als wie in Südtirol und Trentino, vielleicht auch deshalb weil Italienisch nach wie vor an den Tiroler Schulen als Zweitfach angesehen wird.

Es wird vieles vom politischen Willen und dem zur Verfügung gestellten Budget abhängen, ob das Euregio-Summercamp nach den Wünschen der Jugendlichen weiter ausgeweitet werden kann.

Im zweiten Stock des Bildungshauses gehen am heutigen Tag viele Kontaktdaten mit Telefonnummern und Adressen die Runde. Die Eltern sind wissbegierig auf die persönlichen Eindrücke und Erfahrungen der Jugendlichen. Viele Jugendlichen kündigen bereits jetzt an bei der Auflage des Euregio Summer Camps 2015 wieder dabei sein zu wollen.

Ich sehe aber nicht nur ausschließlich Eltern, sondern auch die ein oder anderen zufriedenen Großeltern, die nach Neustift gekommen sind um ihre Enkelkinder abholen zu kommen. Ich selbst bin ebenfalls gerührt von den Emotionen der letzten Augenblicke des diesjährigen Summercamps. Es würde mir gefallen den ein oder anderen Jugendlichen in ein paar Jahren wieder treffen zu können um zu sehen, ob die Teilnahme am Summercamp den ein oder anderen von ihnen nachhaltig geprägt hat.

Einige Familien besuchen noch gemeinsam die Heilige Messe in der Kirche des Chorherrenstiftes. Das Bildungshaus Kloster Neustift leert sich zusehends, zurück bleiben wir Betreuungspersonen. Wir treffen uns zusammen mit Regina zu einer gemeinsamen Nachbesprechung. Regina erhält, ebenso wie Landeshauptmann Arno Kompatscher, ein kleines Heftchen mit vielen kreativen Danksagungen. Das Heftchen strotzt vor Farbe, ebenso wie die Euregio-Shirts, die die Jugendlichen zusammen mit Moritz in der Umweltwerkstatt, der Kreativwerkstätte des Chorherrenstiftes Neustift, angefertigt haben.

Was könnten wir für das kommende Euregio-Summercamp verbessern? Wir würden sicherlich noch mehr Fokus auf den Sprachunterricht legen. Der paarweise Unterricht mit jeweils einem italienischsprachen und einem deutssprachen Jugendlichen funktionierte bereits sehr gut. Nun sind aber auch die Eltern gefragt, die Kinder in einem mehrsprachigen Umfeld weiter zu fördern und den Jugendlichen die Freude und die Lust am Spracherwerb weiter zu vermitteln. Durch Internet und Kabelfernsehen gibt es heutzutage genügend Möglichkeiten dafür.

Einen Dank von meiner Seite auch an die Europaregion Tirol-Südtirol-Trentino für die Möglichkeit eine solche Initiative durchführen zu können, von der ich mir sicher bin, dass sie die Basis für eine neue junge Euregio, getragen von der Jugend, legt und an Regina und das gesamte Team des Bildungshauses Kloster Neustift und last but not least den Betreuungspersonen Moritz, Lena, Giovanna, Valentina, Silvia und Michaela für ihren Einsatz, ihre Kreativität und Flexibilität!

 

Samstag, 26. Juli 2014

Martina, 13 Jahre alt, aus Brixen und Massimo, 13 Jahre alt, aus Taio sind die ersten beiden “Mister- und Misses-Euregio”. Nein, nein, wir haben keinen Schönheitswettbewerb in Neustift abgehalten, sondern am gestrigen Tanzabend ein paar Spiele veranstaltet, bei denen die beiden als Gewinner hervorgingen.

Bei einer Reihe an lustigen Spielen konnten die Jugendlichen ihren Wagemut unter Beweis stellen: etwa beim Paartanz, bei der Reise nach Jerusalem, das ist das Spiel mit den Sesseln auf die man sich stürzen muss, sobald die Musik unterbrochen wird, oder beim Flaschendrehen. Die Turnhalle wurde kurzerhand zur Diskothek. Dank dem Wireless-Internet gingen musikalische Wünsche sofort in Erfüllung.

In der Turnhalle begann auch der Samstag: Die Jugendlichen standen bei Präsentationen zu verschiedenen Themen im Vordergrund. Die Präsentationsthemen umfassten beispielsweise ihre Ferienreisedestinationen, die Jobs ihrer Eltern, Küche und Kulinarik, bekannte Stereotypen, als auch präferierte Sportarten und Hobbies. Am Nachmittag stand dann der langersehnte multikulturelle Tag auf dem Programm: Während es draußen unaufhörlich regnete, konnten die Jugendlichen drinnen T-Shirts mit Euregio-Logo anfertigen, Armreifen basteln und kleinere Keramikarbeiten herstellen. Des Weiteren spielten wir zusammen Gesellschaftsspiele und tobten uns einmal mehr im Turnsaal aus.

Euregio Summer Camp 2014

Am morgigen Sonntag wird das Erlebnis Euregio-Summercamp einen Abschluss finden. Die größte Herausforderung für die Jugendlichen wird dann wahrscheinlich darin bestehen, das Interesse an der Zweitsprache Deutsch beziehungsweise Italienisch hoch halten zu können: indem man sich beispielsweise Filme im Orginalton schaut, italienischsprachige oder deutssprachige Fernsehprogramme schaut oder sich vielleicht auch das ein oder andere Mal mit den neu gewonnen Freunden des Euregio Summercamps 2014 trifft.

 

Freitag, 25. Juli 2014

Der heutige Tag des Euregio Summercamps 2014 (ESC 2014) ist den öffentlichen Verkehrsmitteln gewidmet. Im letzten Moment gab es auch eine Programmänderung: Anstatt nach Bozen zu fahren, entschlossen wir uns Bruneck zu besuchen, auf Grund der besseren Erreichbarkeit. Als die Jugendlichen dann, aufgeteilt auf zwei Gruppen, im Laufe des Vormittages in Bruneck ankamen, erspähten einige von ihnen Daniele Padelli, den Torhüter des FC Turin, der sich in den Hauptort des Pustertals zurückgezogen hat um ein wenig Ruhe zu finden.

Für die Jugendlichen stand eine kleine “sportliche” Herausforderung auf dem Programm. Wir Betreuer stellten ihnen einige Fragen und sie mussten die richtigen Antworten auf unsere Fragen finden. Der Start- und Treffpunkt war dabei immer das Brunecker Rathaus. Die Fragen reichten über solche wie “Wie viele Einwohner hat Bruneck ?” über “Wie heißen die Fraktionen von Bruneck ?” hin zu Fragen wie “Wie heißen die drei Kirchen Brunecks?”. Des Weiteren mussten die Jugendlichen ein “Selfie” mit der Statue des Heiligen Florian, dem Schutzpatron gegen Feuerkatstrophen, vorweisen können. Schließlich stand auch noch eine Stippvisite beim Glockenspiel Bruneck auf dem Programm. Im Zuge dieses Frage und Antwortspieles bestand der sprachdidaktische Aspekt darin, dass die Jugendlichen, aufgeteilt in Kleingruppen, die Informationen von Passanten erfragen mussten. Ja, manchmal versuchten wir auch die Passanten dazu zu bringen in der “anderen Sprache” zu antworten, ansonsten wäre es eine zu leichte Übung gewesen.

Euregio Summer Camp 2014

Die Jugendlichen machten ihre Sache sehr gut, so gut sogar, dass die beiden einheimischen Betreuungspersonen Lena und Moritz sich spontan weitere Fragen und Aufgaben überlegen mussten: “Findet die Mariensäule !” ebenso wie “Wie lange dauert es bis die Fußgängerampel beim Eingang zur Altstadt auf Grün schaltet ?”.

Beim ESC wird großes Improvisationstalent von Seiten der Betreuungspersonen abverlangt. Es kann schon passieren, dass man Aktivitäten mittendrinnen oder kurz vor Beginn abändern oder situationsbezogen anpassen muss. Man kann sich jedoch sicher sein, dass die Jugendlichen in so einer Situation trotzdem nachfragen werden wie es weitergeht. Das ist vor allem ein Zeichen der Neugier und des Interesses und auch gut so. Eine Warnung an die Erwachsenen: Wenn wir immer nur darin bestrebt sind jeden Zufall ausschalten zu wollen, setzen wir unsere Kinder zusehends einer Welt der Ängstlichkeit aus. Wie sollen sie dann mit Überraschungssituationen umzugehen lernen? Der Ausflug nach Bruneck eröffnet den Jugendlichen die Möglichkeit sich Neuem zu öffnen, sich frei miteinander zu unterhalten und sich auszutauschen zu können, sei es nebeneinander im Autobus oder nebeneinander im Gras der Wiese sitzend.

Silvia und Emma wohnen in Valsugana, ebenso ich. Während er vergangen Tage hatten sie unliebsamen Kontakt mit den Stechmücken: Silvia lacht, wenn sie von ihren gezählten 16 Stichen erzählt. Emma hingegen haben die Insekten im Gesicht erwischt. Nichts dramatisches, nur dieselben für diese Jahreszeit typischen Probleme.

Silvia ist sehr motiviert, sie will viel aus dem Summercamp mitnehmen: Zusammen spielen wir ein einfaches Sprachquiz nach dem Motto: “Sag du mir ein Wort in Italienisch und ich sage dir dann die deutsche Bedeutung !”.

Zu den Zinnen des Schloss Bruneck, an dem wir am Vormittag auf unserm Spaziergang zu den Drei Seen vorbeikommen, sagt man auf Italienisch “merli”. Bei den Drei Seen rasteten wir uns ein wenig aus, lasen ein wenig in der Tageszeitung und spielten Frisbee. Einige stellten ihre akrobatischen Fähigkeiten unter Beweis und balancierten auf einer Slackline.

Viele Kinder möchten auch kommendes Jahr wieder am Erlebnis Euregio Summercamp teilhaben. Wie wir miteinander sprechen, kommt uns der Gedanke wie schön es wäre, wenn es das Euregio Summercamp auch für weitere Altersklassen gäbe: Eines für Kinder im Alter von 11 bis 13 Jahren und eines für Kinder von 14 bis 16 Jahren. Für alle über 16 Jahre gibt es ja bereits das Euregio-Jugendfestival.

Momentan können sich Kinder und Jugendliche im Alter von 11 bis 15 Jahren zum Euregio Summercamp anmelden. Dabei werden die Unterschiede zwischen den jüngeren und den älteren Teilnehmerinnen und Teilnehmern deutlich: Dies drückt sich einerseits durch die unterschiedlichen Wachstumsphasen aus, andererseits durch die altersabhängigen Sprachkenntnisse.

Pearl aus Bozen und Maria Sofia, aus Cavareno, kennen sich vom Euregio Summercamp vergangenen Jahres. Sie teilen zwei Leidenschaften physischer und geistiger Natur: die Bücher und das Laufen. Pearl macht sich bereits Gedanken darüber, welche Sommerschulen sie während ihrer Oberschulzeit besuchen könnte, während Maria Sofia ihre Zukunft im Gymnasium sieht. Filippo, 14 Jahre alt, aus Brixen, liest mit Freude Mangas, vielleicht wäre das etwas für seine Zukunft.

Über die Pustertaler Straße, auf der Höhe des Pacher Hofes, kommt man wieder nach Neustift zurück. Nach dem Abendessen erwartete die Jugendlichen ein sehr interessantes Abendprogramm. Vor allem aber möchte ich an dieser Stelle auch ein Lob an die Küche des Stiftes aussprechen: Über die ganze Woche hinweg wurden wir mit Essen höchster Qualität umsorgt. Zwar hatten einzelne Jugendlichen hin und wieder einmal ein paar “Probleme” mit dem Essen, aber Ausnahmen bestätigen bekanntlich die Regel.

Der Abend klang sportlich aus: Michaela Piok und Emanuel Kaneider brachten den Jugendlichen neben ein paar Tanzschritten auch ein paar elementare Selbstverteidigungsschritte bei.

 

Donnerstag, 24. Juli 2014

Auch heute geht’s wieder den Eisack entlang, auf unserem Lieblingswanderweg, diesmal mit dem Ziel Acquarena Brixen. Ab ins kühle Nass! Es ist eine willkommene Abwechslung für die Jugendlichen. Sie können sich entspannen, ein paar Sonnenstrahlen genießen und in die schönen, großen Schwimmbecken hüpfen.

Der Abend ist den kulinarischen Gaumenfreuden der vielfältigen Euregio-Küche gewidmet. Wie 2013 werden die Jugendlichen gemeinsam ein einfaches aber geschmackreiches Menü auftischen: Bruschetta, Knödel und Strudel. Eine gute Gelegenheit Gabel und Messer zu kreuzen, im Sinne der Euregio.

 

Mittwoch, 23. Juli 2014

Fernsehkameras, eine Seilschwebebahn, GPS-Lesegeräte – all diese Dinge hatte der Mittwoch des Euregio-Summercamps zu bieten. Das Highlight des Tages war der Besuch von Südtirols Landeshauptmann Arno Kompatscher. Medienvertreter mit Kameras, entsandt vom Regionalsender Rai3 und vom Rai Sender Bozen sowie ein Team des Südtiroler Landespresseamtes begleiteten die Kinder durch den heutigen Tag.

Vor so einem dichten Tagesprogramm, das von einem institutionellen Schwerpunkt geprägt ist, tut ein wenig Morgensport gut, um sich ein wenig aufzulockern. Basketball eignet sich gut dafür, weil es eine schnelle Sportart ist, die jedoch in unseren Breitengraden jedoch noch keine große Verbreitung gefunden hat.

EVTZ-Generalsekretär Matthias Fink beginnt den inhaltlichen Teil des Vormittages mit seinem Vortrag zur Europaregion Tirol-Südtirol-Trentino: “Wer unterhält persönliche Freundschaften mit Freunden und Bekannten aus einem anderen Land der Euregio?”, fragt er die Kinder zu Beginn seines Vortrages. Auf der Leinwand sehen die Kinder ein Bild des Zusammentreffens von Bundeskanzler Werner Faymanns mit Ministerpräsident Matteo Renzi, anlässlich der Tagung auf Schloss Prösels, am 5 Juli diesen Jahres. Würden wir 100 Jahre in die Vergangenheit reisen können, so müssten wir einen blutreichen Krieg und große Zerstörung miterleben. Heute hingegen sehen wir die Lust und die Anstrengung die unternommen werden um ein gemeinsames Europa zu bauen und fort zu entwickeln, so lautet die Botschaft des Vortrages.

Es verbindet uns die gemeinsame Geschichte, wie etwa die historischen Ereignisse unter Kaiser Maximilian I. Vordringlicher sind jedoch die gegenwärtigen und zukünftigen Herausforderungen, welche die Euregio zu unser aller Zukunftshoffnung macht. Denken wir beispielsweise an den alpenquerenden Verkehr. Denken wir auch an den gemeinsamen Bau des Brenner Basis Tunnels, einer der längsten Tunnel der Welt, mit einer Gesamtlänge von über 56 Kilometern zwischen Franzensfeste und Innsbruck.

Was teilt uns? Da kommen die zwei Staatsbürgerschaften in den Sinn, der Unterschied zwischen dem Österreichischen Föderalismus im Vergleich zum Status der Autonomie in Italien, die spezifischen Wirtschaftsstrukturen, sprachliche und kulturelle Eigenheiten, unterschiedliche gesetzliche Kompetenzspielräume und die weitgehend voneinander getrennt existierenden Kommunikationsräume.

Unzählig sind hingegen all die Aspekte die uns einen: Von der gemeinsamen Geschichte angefangen, hin zur allgemein guten Wirtschaftslage der drei Länder, hin zum starken politischen Willen der Zusammenarbeit, der Lebensqualität in einer zentralen Alpenbergregion im Herzen Europas. Nicht zuletzt: Der Wege von Tirol nach Wien erscheint gleich lang zu sein als wie der Weg von Südtirol und dem Trentino nach Rom.

Ich geb’s zu: Als Betreuungspersonen waren wir anfangs ein wenig besorgt darüber, nicht den richtigen Mittelweg zu finden, um so jungen Mitbürgerinnen und Mitbürger ein so komplexes Thema wie die Europaregion ansprechend vermitteln zu können auch im Hinblick auf das bevorstehende Treffen mit Landeshauptmann Arno Kompatscher.

Jetzt im Nachhinein kann ich feststellen, dass die Resultate die Erwartungen bei weitem übertrafen. Innerhalb kürzester Zeit gingen die Jugendlichen ans kreative Werk und erarbeiteten ihre persönliche Interpretation der Euregio in Form eines Heftchens. Einige von den Kindern bedienten sich dabei des Euregio-Adlers, andere deuten die Euregio zum Kreuzfahrtschiff um. Wir warten nun auf ein „Selfie“ von Landeshauptmann Kompatscher mit dieser Euregio-Hommage aus seinem Büro im Palais Widmann.

Die Kinder haben Landeshauptmann Kompatscher vor allem aber mit einer Fülle an Fragen zu den unterschiedlichsten Interessensgebieten „durchlöchert“, sowohl auf Deutsch als auch auf Italienisch. Fragen ob die Euregio denn einmal zu einem eigenständigen Staat werden könne mischten sich mit Fragen über das Privatleben des Herrn Landeshauptmann Kompatscher.

Unter den Klängen von Haydns Trio 19. in F trat Landeshauptmann Arno Kompatscher >>VIDEO in einen Halbkreis der besonderen Art. Er befand sich in Mitten eines durch einen Sesselhalbkreis nachgebildeten Parlamentes, umrundet von Jungparliamentariern aus der gesamten Europaregion. Der aufgeweckte Raphael bricht das Eis: “Warum wird in der Politik denn am Ende immer nur vom Geld gesprochen?”, fragt er. “Es stimmt – am Ende wird oft vom Geld gesprochen”, antwortet Landeshauptmann Kompatscher und fährt fort: “Es ist nämlich das Steuergeld eurer Eltern. Aber der Grund warum wir immer darauf zu sprechen kommen, ist immer ein Vorschlag oder eine Idee für die Verbesserung unser aller Lebensqualität.”

Dann fragen die Jugendlichen wie sich Kompatscher als Euregio-Bürger fühlt. Landeshauptmann Kompatscher beginnt seine Ausführungen mit seinen Erfahrungen während seiner Studienzeit in Innsbruck und endet mit dem millionenschweren Euregio-Wissenschaftsfonds, der soeben ins Leben gerufen wurde. Jedes Land für sich betrachtet sei verhältnismäßig klein, stellt Landeshauptmann Kompatscher fest und erklärt des Weiteren, dass die drei Länder durch Zusammenarbeit viel mehr zu erreichen vermögen, als jedes einzelne Land dazu in der Lage wäre. Würden Tirol, Südtirol und Trentino auf eigene Faust handeln, so würden sie weder in Rom, noch in Wien und schon gar nicht in Brüssel gehört werden, so Landeshauptmann Arno Kompatscher.

Pearl fragt nach ob die Euregio jemals ein richtiger Staat werden könne, mit allem was dazugehört. Arno Kompatscher antwortet ihr, dass Nationalstaaten ein Konzept des 19. Jahrhunderts seien und dass die Nationalstaaten in Zukunft weitere Kompetenzen an die Europäische Union abgeben würden und ergänzt, dass die zentrale Frage für die Regionen jene sein zu welcher Euroregion sie sich zugehörig fühlten.

Der Tagesablauf von Landeshauptmann Kompatscher beginnt früh, erfahren die Jugendlichen: Der Wecker klingelt um 5 Uhr 30, noch im Auto beginnt die Vorbereitung für die wichtigsten Termine des Tages. Er rede viel, scherzt Arno Kompatscher und sitze den ganzen Tag in Meetings. Kompatscher bekräftigt aber, dass ihm der Sonntag “heilig” sei, um Zeit mit seiner Familie verbringen zu können. Mit Freuden erinnert er sich auch an die fünf Urlaubstage am Gardasee, vergangene Woche.

Für Raphael aus Südtirol ist es wichtig über die hohen Kosten die durch die Politik verursacht werden zu sprechen. Landeshauptmann Kompatscher erinnert daran, dass sein Bruttomonatsgehalt 19.187,00 Euro beträgt (wovon er zirka die Hälfte an Steuern zahlt) und dass der letzte Wahlkampf insgesamt hunderttausend Euro gekostet hat.
Auf die Frage was Arno Kompatscher für Berufsziele als Kind hatte, antwortet Kompatscher, dass er wahrscheinlich Pilot oder Journalist werden wollte, aber nie daran gedacht hätte in die Politik zu gehen.

Der Schlussappell von Arno Kompatscher an die Jugendlichen: “Bleibt an der Euregio interessiert und ebenso an der Politik in eurer Gemeinde und auf anderen Ebenen!”

Perspektivenwechsel: Von den Fernsehkameras hin zur Seilrutsche: Der anspruchsvolle Tag endet mit einem “Adrenalinkick”. Mit einer Seilrutsche geht es über den Eisack, die Kinder erleben für ein paar Sekunden den Geschwindigkeitsrausch im Flug. Schließlich noch das gemeinsame Geocaching rund um Neustift. Mittels GPS-Gerät werden versteckte Buchstaben aufgespürt. Zusammengesetzt ergeben diese Buchstaben das zentrale Wort des Euregio-Sommercamps: S-P-R-A-C-H-E-N; L-I-N-G-U-E.

 

Dienstag, 22. Juli 2014

Heute trifft Kultur auf Natur, la cultura incontra la natura. Der Tag birgt geistige Anstrengung für alle Jugendlichen in sich: Die grauen Hirnzellen sind gefordert, denn die Kinder sollen in der Sprache des jeweils anderen eine kleine Stadtführung durch Brixen halten. Irgendjemandem ist es bald zu anstrengend, er versteht nicht viel vom Gesagten und ist entmutigt. In der Gruppe aber trägt jeder Jugendliche die paar vorgeschriebenen Sätze vor, auch wenn es dabei passieren kann, dass die italienischen Bezeichnung des Eisack, “Isacro”, kurzerhand zum biblischen Namen “Isacco”, also Isaak, umgetauft wird.

Alles was es braucht ist Geduld. Dann merkt man den Unterschied im Sprachgebrauch wie Tag und Nacht, ein Qualitätssprung wie wenn man nur Filme auf 2D kennt und zum ersten Mal einen 3D-Film schaut.

Am Vormittag teilten wir die Kinder in Mini-Gruppen zu zwei oder drei Personen ein, nach Sprachgruppen gemischt, das versteht sich natürlich von selbst. Die Aufgabenstellung war folgende: Bereitet die Präsentation zur Stadtgeschichte Brixen vor: über den Dom, die Hofburg, die Plätze, die beiden Flüsse Rienz und Eisack, die Stadttore und die Stadtmauer.

Kaum ist’s her, seitdem die Kinder die letzte Klasse Grundschule oder die erste Mittelschulklasse erfolgreich absolviert haben und jetzt türmt sich vor ihnen auf einmal eine hohe Wand aus lauter  Vergangenheitsformen und Deklinationen in Italienisch oder Deutsch auf, die es zu gemeinsam zu bezwingen gilt. Im Großen und Ganzen funktioniert’s. Eines meiner Highlights des Vormittags: Martino und Raphael haben eigentlich noch keinen so großen Vokabelschatz, aber durch ihr kommunikatives, extrovertiertes Wesen laufen die beiden zur Höchstform auf, sie schaukeln sich gegenseitig hoch. Unterstützt durch Mimik und Gestik und viel Lust, lernen sie spielerisch die jeweils andere Sprache.

Der Weg nach Brixen ist kurz, in unter einer Stunde ist man dort, aber doch lang genug, um einiges aus dem Leben der Kinder zu erfahren: Margherita ist begeistert, sie will die nächsten Jahre wieder zum Euregio-Summercamp kommen und sogar noch eine Freundin mitbringen. Als wir am Bischofssitz ankommen, erklärt uns Alessio einen der Eingänge zur Altstadt. Ein Tourist hört mit, gesellt sich zu uns und lobt unsere Initiative. Auf dem Domplatz treffen wir nun auch auf französische Touris, nachdem wir zuvor in Neustift auch auf ein paar Engländer trafen. Im Vorbeigehen fällt unser Blick auf die Schlagzeile der Dolomiten, die in großen Lettern vor einem Kiosk verheißt, dass die Region Südtirol-Trentino die von den Touristen beliebteste Region Italiens sei. Ein weiterer Grund für die Mehrsprachigkeit…

Die Kleingruppen drehen im Zentrum von Brixen ihre Runden und treffen sich zwischen den Vorträgen immer wieder. Die Jugendlichen sind neugierig auf das was sie in den kommenden Tagen noch erwartet und fragen unentwegt bei uns nach. Um auch die Neugier interessierter Eltern zufriedenzustellen: Donnerstag sind wir in der Acquaarena, am Freitag unternehmen wir einen Ausflug nach Bozen und am Samstag begehen wir unseren Multikulturellen Tag.

Zurück zum heutigen Tag: Den Abend beschließen wir mit einem Film im Augustinisaal, für das Pop Corn sorgt Regina.

Morgen Mittwoch wird hingegen unter einem “institutionellen Stern” stehen, es haben sich Landeshauptmann Arno Kompatscher und EVTZ-Generalsekretär Matthias Fink angekündigt. Ein Blick ins Pfarrblatt von Neustift hätte allerdings auch ausgereicht um das zu bemerken: Am 23. Juli gedenkt man Brigitta von Schweden, sie ist Patronin von Europa, und in der Heiligen Messe wird die Hilfe in wichtigen Entscheidungen erbeten…

 

Montag, 21. Juli 2014

Ein verregneter aber ereignisreicher Tag mit vielen gesammelten Eindrücken neigt sich dem Ende zu. Los ging der Tag mit einer Entdeckungsreise durch Europa. Europa wird von den Kindern vor allem mit der Europäischen Union und mit der Gemeinschaftswährung Euro identifiziert. Was gab es für ein Gelächter als die Kinder sich bewusst wurden, dass die meisten von ihnen im Jahr der Euro-Einführung, also im Jahr 2002, geboren wurden. Des Weiteren wurden Landesflaggen ausgeschnitten und auf eine stumme Europakarte geklebt, georeferenziert sozusagen.

Ja, Italienisch kann mitunter eine harte, mühsame Sprache sein. Dorothè, 11 Jahre, aus Wiesing in Tirol, geht auf eine Waldorfschule. Geduldig schreibt sie mit ihrer Füllfeder diverse Vokabeln in ein kleines Schulheftchen, ebenso wie Hannah, 13 Jahre, aus Kufstein. Vielen Kindern fällt es noch schwer ganze Sätze zu bilden. Vielleicht verlangen wir ihnen ein wenig zu viel ab, denke ich mir, aber irgendwann setzt die Magie ein: Die Magie die sich entfaltet, wenn die Kinder direkt von Gleichaltrigen die Aussprache, den Tonfall, den Sprachfluss erlernen. Und über den einen oder anderen Schnitzer wird mit Heiterkeit gelacht.

Möglicherweise lässt sich der Sinn grenzüberschreitender Kooperation ganz einfach und direkt auf den Punkt bringen: Jemandem dabei helfen die Sprache des Anderen zu sprechen. Aber ich selbst bin kein Lehrer. Ich möchte vielmehr ein Vermittler sein, der die Neugier weckt und dabei auf die geistige Unvoreingenommenheit dieser Altersgruppe baut. Mich erstaunt es sehr, dass ein Bub sich noch exakt an eine meiner Bemerkungen vom Summercamp 2013 erinnern konnte. Verba manent.

Zurück zum Tagesablauf, ich muss die Präsentation mit den Kindern der anderen Gruppe vorbereiten. Die Trentiner Landsleute hadern gerade mit der Geografie Österreichs und Deutschlands. Unserer Gruppe ist Polen zugeteilt worden. Ein schöner Fleck zwischen West und Ost, mit vielen angrenzenden Staaten. Man lernt viele interessente Sachen in der Vorbereitung: etwa dass die Hälfte der Polen regelmäßig die Heilige Messe besucht. Probst Georg Untergaßmair wäre stolz auf uns (tatsächlich trafen wir ihn am Nachmittag in der Bibliothek).

Ein kleines Intermezzo: Liebe Eltern, die ihr das lest, euren Töchtern und Söhnen geht’s mehr oder weniger sehr gut. Sicherlich gibt’s den ein oder anderen, der manchmal versucht die Suppe zu versalzen, in dem er oder sie sich nicht an die Regeln hält oder ein Drama vom Zaun bricht, auf Grund des Handyverbotes in den Räumlichkeiten (probiert es also gar nicht, die Handys bleiben in der Schachtel, abgesehen von der auf eine Stunde beschränkten Handynutzungszeit).Oder der ein oder andere ist ab und zu unaufmerksam. Schlussendlich fangen wir sie aber alle wieder in unserer Gemeinschaft auf. Man isst hier gut, die Kameradschaft ist gut, die Möglichkeiten vielfältig. Es regnet zwar, aber das ist nicht so tragisch.

Kommen wir also zurück zu den Geschehnissen in den Klassenräumen des ersten Stocks. Wir bestehen unsere Polen-Präsentation und lauschen nun gespannt den Trentiner Kindern, die gerade ihre Österreich- und Deutschland-Präsentation abhalten. Noch ausständig ist die Spanien-, die Frankreich- und die Irlandpräsentation. Als ich zwei Kindern davon erzähle, wie ich in ihrem Alter, wenn ich nach Innsbruck fuhr, noch den Zoll passieren musste und es dort damals noch den Schilling gab, löste sich plötzlich auch der Altersunterschied zwischen ihnen und mir mit einem Schlag in Luft auf.

Beim Kotelett mit Kartoffeln vergessen wir die Anstrengungen des Vormittags, insbesondere des Polen-Vortrages. Ebenso freut uns der Ausblick auf den gemeinsamen Nachmittag, denn dieser ist vollgepackt mit Kunst & Kultur.

Wir betreten die Neustifter Engelsburg. Von der Formgebung her erinnert sie an ihr römisches Vorbild und auch das Feeling hier ist ein mediterranes. Nicht zuletzt wegen der toskanischen Touristin, die ganz verloren wirkt, weil sie den Anschluss zu ihrer Reisegruppe verloren hat. Im Inneren der Neustifter Engelsburg, am Eingang des Augustiner Chorherrenstiftes gelegen, befinden sich zwei Sound-Installationen von Stefano Bernardi. Erstere mit dem Namen “Mobile-Immobile” befindet sich im Erdgeschoss. Mittels Seilschwingungen werden bei dieser Installation Audio-Files aktiviert und abgespielt. Bei den Jugendlichen stößt diese Installation jedoch auf wenig Interesse. Die Installation “Pneuma” im Obergeschoss finden sie hingegen genial. Mittels Fahrradpumpen kann man eine kleine Orgel ertönen lassen: ein wirklich komisch-lustiges Musikinstrument, für die ganze Gruppe. Ein feines Video von unserem Soundexperiment könnt ihr auf der Facebook-Seite der Europaregion bestaunen (VIDEO).

Danach entfliehen wir kurz dem Regen und wechseln in den Turnsaal rüber, um eine schöne Partie Völkerball zu spielen. Anschließend drehen wir eine schnelle Runde im Klostergarten, mit Regenschirm in der Hand. Die Kinder sind zwar bald durchnässt aber glücklich über die vielen Einblicke, denn sie konnten einen wahren Schatz an verschiedensten Kräutern, Blumen und Bäumen entdecken: Angefangen mit den verschiedensten Apfelbaumsorten bis hin zum mächtigen Sequoia-Baum aus dem Jahre 1870, den die Kinder umarmen.

Fliegender Wechsel: Die Kleidung wird getauscht und die nächste interessante Besichtigung steht auf dem Programm. Wir besichtigen die Bibliothek und die frei zugänglichen Innenräume der Abtei sowie die der Kirche und des Museums. Dort bestaunen wir das kleinste jemals geruckte Buch der Welt, ein Quadrat von 3,5 Millimetern Kantenlänge, in dem das „Vater Unser“ in sieben Sprachen übersetzt ist. Während die Jugendlichen den berühmten Grundsatz vom Heiligen Augustinus lesen „Wer gut singt, betet doppelt“, kommt auch Probst Untergaßmair und spricht mit den Kindern.

Der intensive Tag endet mit einem Spielabend. Es gibt solche, die sich dem Tischfußball oder dem Tischtennis widmen und andere, die sich mit Gesellschaftsspielen beschäftigen. Das Wetter erlaubt auch eine fußballerische Herausforderung und die Jugendlichen bewegen sich durch das Stift und folgen frei ihren Interessen.

Auch Linneth ist mit dabei. Sie hat das Glück ebenso Spanisch zu beherrschen. Ihr Herkunftsland ist Costa Rica, welches bei der kürzlich zu Ende gegangenen Fußballweltmeisterschafft wohl die größte Überraschung war. Sie kann Fußball spielen, wenn nur diese egozentrischen Jungs ihr hin und wieder den Ball zupassen würden. Fußball ist doch ein Mannschaftsspiel, so wie das Erlernen von Sprachen auch.

 

Sonntag, 20. Juli 2014

Sonntagnachmittag wurde die zweite Auflage des Euregio-Summercamps eröffnet. Die teilnehmenden Kinder und ihre Eltern treffen sich im Innenhof des Augustiner Chorherrenstiftes und genießen am einzigartigen Wunderbrunnen ein paar Momente des gegenseitigen Kennenlernens und plaudern miteinander. 14 Kinder sind zum zweiten Mal beim Euregio-Summercamp mit dabei, für alle anderen ist es das erste Mal, eine komplett neue Erfahrung.

Summercamp-2014-Tagebuch-2

Das Interesse am geplanten Programm und an den organisatorischen Details ist groß, ebenso das Interesse an unserem Online-Tagebuch. Die interessierten Eltern sind besonders wichtige Stützen und Förderer des Euregio-Summercamps. Dies lässt sich aus den Zahlen der teilnehmenden Kinder verdeutlichen: Insgesamt 10 Geschwisterpaare sind am Euregio-Summercamp mit dabei, darunter sogar 2 Zwillingspaare: Arianna und Elisa Frau aus Trient, als auch Jana und Lisa Hopfgartner aus Pfalzen (Südtirol). Die Familien haben gemein, dass sie stark an die sprachliche Immersion, also das Versetzen der Kinder in ein anderssprachliches Umfeld zum Zwecke des Spracherwerbs, glauben und wollen zu diesem Zwecke das Maximum für ihre Kinder aus dem Euregio-Summercamp herausholen.


“Natur trifft Kultur”, so lautet das Motto des Euregio-Summercamps. Wie unberechenbar die Natur manchmal sein kann, erfahren alle Teilnehmenden bereits am ersten Tag: Ein kurzes Sommergewitter überrascht Betreuerinnen und Betreuer, noch während sie mit den letzten Schliffen für die Planung des Wochenprogramms beschäftigt sind. Die Kinder auf der anderen Seite haben bereits ihre erste Aufgabe gefunden. Ein Vögelchen wird zum Mittelpunkt der Aufmerksamkeit: kurz zuvor in eine brenzlige Situation geraten, wird es nun von den Kinder gut umsorgt. Es ist ein erster Kontakt der Kinder mit der vielfältigen Fauna von Neustift. Danach wird die Zimmereinteilung bekannt gegeben, bei der man von Betreuerseite gut darauf achtete die Sprachgruppen möglichst bunt miteinander zu vermischen. Im Anschluss daran gibt’s bereits das Abendessen: Lasagne und Krapfen stehen auf dem Menüplan. Nach dem Abendessen finden erste gemeinsame Aktivitäten statt: nach einer kurzen Partie Basketball wird der Gleichgewichtssinn beim Slacklining geschärft.

Am ersten Tag des Summercamps stehen zunächst einmal das gegenseitige Kennenlernen und das Ablegen der noch vorhandenen Schüchternheit im Vordergrund. Deshalb erfahren die Kinder zunächst etwas über die Herkunftsorte der jeweils anderen: Der Großteil der Trentiner Kinder lebt in der Stadt Trient, ferner nehmen Kinder aus Valsugana und aus dem Nonstal am Summercamp teil. Auch die Tiroler und Südtiroler Kinder kommen überwiegend aus den größeren Orten der Euregio: aus Bozen und Umgebung, aus Brixen und aus Innsbruck.

Die Kennenlernspiele schließen damit, dass sich die Kinder kurz in den jeweiligen Sprachunterrichtsgruppen zusammenfinden. In sprachlicher Hinsicht werden sicherlich nicht nur die Kinder sondern auch die insgesamt sieben Betreuerinnen und Betreuer das ein oder andere Vokabel auf Deutsch (Mattia, Giovanni, Valentina) oder Italienisch (Moritz, Lena, Michaela, Silvia) dazulernen. Bei manchen Teilnehmenden fließen beide Sprachen bisweilen auch ineinander über: Mit Anna und Emanuele nehmen zwei bilinguale Kinder am Summercamp teil. Sie hatten das Glück in einem zweisprachigen familiären Umfeld aufwachsen zu können.

In einem ersten Eindruck gewinne ich die Einsicht, dass abgesehen von den Südtiroler Kindern, die sicherlich einen Sonderstatus in sprachlicher Hinsicht genießen, die Tiroler Kinder noch große Anstrengungen aufwenden müssen, um einfache italienische Wörter verstehen zu können. Das Wichtigste ist meiner Ansicht nach: das persönliche Interesse jedes Einzelnen hoch halten und vor allem auf die individuellen Fähigkeiten jedes Einzelnen eingehen: Raphael Morent, 11 Jahre aus Zöblen (Bezirk Reutte) könnte vom Auftreten her bereits ein kleiner Schauspieler sein, ein offenes und kommunikatives Wesen zeichnen ihn aus. Leicht möglich, dass gerade wegen ihm in den kommenden Jahren auch die ein oder anderen italienischen Touristen nach Zöblen fahren werden.

Laura Piazza kommt aus St. Christina in Gröden und weiß sich zwischen drei Sprachen hin und her zu bewegen. Nächstes Jahr möchte sie die Landesberufsschule für das Gast- und Nahrungsmittelgewerbe in Brixen besuchen, weshalb sie jetzt noch einmal ihre Deutschkenntnisse schärfen möchte. Dorothè Hautz hat erst gerade damit angefangen Italienisch zu lernen, deshalb lassen wir ihr die notwendige Zeit. Raphael Lazzeri und Hannes Jocher lernen, wie viele andere Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Summercamps, die italienische Sprache im Fremdsprachenunterricht ihrer jeweiligen Schule. Die beiden haben noch nicht die Sicherheit im Sprachgebrauch einer Anna Giacomozzi, die die ersten Mittelschuljahre in einer deutschen Schule absolvierte, bevor sie wiederum in eine italienische Schule wechselte. Hanna Stahl besucht das Gymnasium Kufstein. Wer weiß, ob sie in Neustift die Begeisterung am Italienischstudium findet.

All jene die Jugendlichen eine fremde Sprache vermitteln tragen große Verantwortung. Meine Liebe zur deutschen Sprache verdanke ich jedenfalls den tüchtigen Lehrerinnen und Lehrern meiner Schulzeit, die mir den richtigen Dreh mitgaben.

 

Samstag, 19. Juli 2014

Vivat, crescat, floreat. Es lebe, wachse, blühe! Dieses Motto prangt unter dem Wappen des Augustiner Chorherrenstiftes Neustift und es könnte genauso gut ein spezieller Willkommensgruß an die insgesamt 57 Kinder im Alter zwischen 11 und 15 Jahren sein, welche sich am heutigen Tag im Innenhof des Stiftes zur zweiten Auflage des Euregio-Summercamps eingefunden haben. Ein spezieller Willkommensgruß im Sinne dahingehend, dass das Summercamp menschliches Zusammenwachsen in einem mehrsprachigen Gebiet jedem einzelnen von ihnen ermöglichen solle und damit auch der Euregio als Organisation dazu verhelfen solle nicht mehr rein als ein Gegenstand von Sonntagsreden angesehen und reduziert zu werden ;-).

Das Euregio-Summercamp ist eine Initiative, die es sich zum Ziel gemacht hat Kinder aus Nord- und Osttirol, Südtirol und Trentino miteinander zusammen zu bringen, zu einem gegenseitigen Austausch von Sprache, Erfahrungen, Eindrücken und Momenten der Gemeinschaft und des Vergnügens. Von den 29 teilnehmenden Mädchen und den 28 teilnehmenden Buben kommen insgesamt 31 aus dem Trentino, 16 aus Südtirol und 10 aus Nord- und Osttirol.

Seit Samstagabend sind auch die 7 Betreuerinnen und Betreuer im Einsatz, die die Kinder durch die Woche begleiten werden. Wie schon bei der Erstauflage im Jahr 2013 werde ich quasi als „Insider“ mit diesem tagesaktuellen Onlinetagebuch von meinen persönlichen Eindrücken und denen der teilnehmenden Kinder berichten. Bis am morgigen Sonntag gegen Fünf Uhr Nachmittag die ersten Kinder eintreffen werden, bleibt uns Betreuern noch Zeit an den letzten Details für das Wochenprogramm zu feilen. Zum Abschluss meines ersten Tagebucheintrages ein kleiner Ausblick: Kommenden Mittwoch (23.07.) wird uns Landeshauptmann Arno Kompatscher besuchen, kurz zuvor wird auch EVTZ-Generalsekretär Matthias Fink zu Besuch da sein, um den Kindern zu erklären worum es in dieser Euregio überhaupt geht. Am meisten freuen wir uns von Betreuerseite aus aber auch auf den gemeinsamen Euregio-Kochabend, die gemeinsame Schnitzeljagd mit GPS-Gerät, den Ausflug nach Bozen und den multikulturellen Nachmittag.

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