Tagebuch Euregio Summer Camp 2013

Das gemeinsame Büro der Europaregion begleitet die 1. Auflage des Euregio-Summer-Camp "Natur trifft Kultur" vom 21. bis 28. Juli 2013 im Bildungshaus Kloster Neustift in Wort, Bild und Ton.

Redaktion: Mattia Frizzera (Betreuer)
Übersetzung: Emanuel Aichner, Hannelore Leiter (EVTZ)

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Sonntag, 28. Juli

Für mich als Betreuungsperson verging das Camp wie in einem Stück. Schlaftrunken weckten mich nach einer kurzen Nacht wieder die Glocken von Neustift, zum letzten Tag des Euregio Summer Camps. Die letzte Nacht viel deutlich kürzer als die vorhergehenden Nächte aus. Die Jugendlichen kosteten die wenigen verbleibenden Stunden noch einmal so richtig aus, um miteinander Gespräche zu führen oder zu spielen. Das letzte gemeinsame Frühstück verlief ruhig. Die Jugendlichen erhielten noch ein Kochbuch als Geschenk, herausgegeben von Europe Direct Tirol gemeinsam mit Europe Direct Südtirol. Nachdem die Feedback-Fragebögen ausgefüllt wurden begannen die Abschiedsgrüße, die Zimmer wurden geputzt und geräumt. Von Vielen wurde der Wunsch geäußert wiederkommen zu wollen und sogar noch Schulfreunde und weitere Freunde zum kommenden Euregio Summer Camp einladen zu wollen.

Die Gefühlslage der meisten Jugendlichen lässt sich als eine Mischung aus Glückseligkeit und Traurigkeit beschreiben: Ersteres im Hinblick auf die noch bevorstehenden Ferientage zu Hause oder in anderen Camps. Traurigkeit hingegen wegen der zu Ende gehenden Erfahrung des Euregio Summer Camps. Aus dem Bauch heraus ist es schwierig auf eine Frage wie „Wie hat es dir gefallen?“ mit einer anderen Antwort als „Gut“ zu antworten. Erst die Zeit  wird die wahre Bedeutung dieser einmaligen Erfahrung, des ersten Euregio Camps, zu Tage bringen.

Samstagnachmittag, während der Kreativstationen, wurde ich von einigen interessierten Touristen aus Verona um ein paar Eindrücke zum Camp gebeten:  Die Idee eines mehrsprachigen Camps überzeugt, auch weitere Institutionen könnten dieses Prinzip aufgreifen, am besten Institutionen mit ähnlicher Ausrichtung und Verbreitung.

Nach einem abschließenden Gespräch mit Regina, verabschiedeten sich auch die Eltern sichtlich zufrieden von uns Betreuungspersonen. Das Arbeiten mit  Kleingruppen war für mich sehr interessant, auch aus didaktischen Gründen, weil sich so die verschiedenen Kompetenzen sprachlicher und sonstiger Natur gut entfalten konnten. Das Euregio Summer Camp, lebt nicht nur in den Erinnerungen der Teilnehmer und Teilnehmerinnen weiter, sondern vor allem online unter www.europaregion.info und auf www.facebook.com/europaregion.info.

Samstag, 27. Juli

Der letzte ganze Tag des Euregio Summer Camps war vornehmlich der Kreativität gewidmet. Am Nachmittag konnten sich die Kinder bei verschiedenen Stationen kreativ entfalten:  Giovanni und Verena bastelten Traumfänger, Lena Armreifen, Moritz malte ein großes Bild. Doris nahm vor den Klostermauern beim Body Painting teil, Lukas betätigte sich an der Töpferscheibe und Mattia bevorzugte die Stationen mit den Sportarten. Dort wurden ihm Basketball, Badminton, Beachvolleyball und Fußball geboten.

Als die Sommerhitze ihren Höhepunkt fand, erfrischten sich die Jugendlichen im Schwimmbecken des Klosters und machten sich einen Spaß daraus möglichst vielen ihrer Kollegen eine nasse Erfrischung zu bescheren.

Am Vormittag schlüpften die Jugendlichen in die Rolle von Touristenguides. Mit einfachen Ausrücken beschrieben sie ihren Kollegen die Sehenswürdigkeiten Brixens, jener Stadt die zwischen dem Eisack und der Rienz eingebettet liegt. Die Jugendlichen können nun mit dem guten Gefühl  nach Hause fahren eine komplexe Materie (Kunst und Kultur) auch in der zweiten Sprache erklären zu können. Bevor es wieder zurück ins Kloster Neustift ging, das sich vor allem auch durch das umfassendes Angebot und der Nähe zu Brixen auszeichnet (der Fußweg zurück ins Kloster dauerte weniger als eine halbe Stunde),  verspeisten die meisten Jugendlichen noch ein Eis auf dem Domplatz und beobachteten dabei ein paar Jugendliche aus Brixen beim Basketballspielen.

Der Abschluss des Euregio Summer Camps wurde mit einem abendlichen Fest auf dem Sportplatz des Klosters Neustift gebührend gefeiert. Zuerst grillte man zusammen Marshmellows am Lagerfeuer, schlussendlich verwandelte sich das Gelände zu einer Tanzfläche: Moritz, der DJ des Abends, hatte über den Lauf der Tage bereits vorsorglich die Lieblingslieder der Jugendlichen zusammengesammelt. Spät in der Nacht fand das Fest schließlich auf den Gängen des Schülerheims seinen Ausklang.

Freitag, 26. Juli 2013

Der heutige Tag stand im Zeichen großer Befestigungsanlagen, von Wegbeschreibungen, und der sportlichen Betätigung beim Yoseikan Budō. Zunächst ein paar Zahlen und Fakten unseres nachmittäglichen Besuchs der Festung Franzensfeste um euch das ganze  Ausmaß dieser gigantischen Festigungsanlagen vor Augen zu führen: 6.000 Arbeiter waren zwischen 1833 und 1838 bei der Erbauung beschäftigt (zum Vergleich: die Stadt Brixen hatte zur damaligen Zeit an die 3.000 Einwohner). Zur Errichtung wurden 25 Millionen Ziegelsteine benötigt. Die errichteten Gebäude nehmen insgesamt 65.000 Quadratmeter ein. Der gesamte Komplex besteht aus zwei Anlagen (geplant waren ursprünglich an die elf davon), welche über eine Treppe mit insgesamt 454 Stufen miteinander verbunden sind: Mit einem Höhenunterschied von 90 Metern ist es die längste durchgängige Treppe Europas.

Während Dezember 1943 und März 1944 wurden in Franzensfeste an die 127,5 Tonnen Gold aus der italienischen Staatskassa gelagert, wobei 110 Tonnen später nach Berlin oder in die Schweiz gelangten um aufgenommene Kredite abzudecken. Nimmt man den Goldpreis des heutigen Tages zu Grunde (32,20 Euro pro Gramm), entspräche dies einem Gegenwert von 4,1 Milliarden Euro. Dies ist nur wenig weniger als der gesamte Staatshaushalt Trients für das Jahres 2013. Die letzte Zahl für Heute: 45 Kinder sind  noch beim Euregio Summer Camp mit dabei.

Uwe, einer der Guides der Franzensfeste (www.oppidum.bz.it), schilderte uns die ganze Absurdität des Bauwerks, aus Zeiten denen zwei Staatsbankrotte des Österreichisch-Ungarischen Kaiserreiches einhergingen: So wurde die Festung nie ihrem ursprünglich geplanten Zweck gerecht, jetzt nagt der Zahn der Zeit beständig an ihren Mauerwerken.

Der Errichtung der Festung hingegen ist ein Beispiel gelungener Zusammenarbeit über Sprach- und Staatsgrenzen hinweg. Italiener, Polen, Deutsche, Tschechen und weitere Nationalitäten waren beim Bau der Festung mit eingebunden.

Es war ein physisch anstrengender Tag für Alle, auch im Hinblick auf den noch bevorstehenden Ausflug nach Brixen. Nach der Überwindung der 454 erklommenen Stufen waren zwar unsere Muskeln mit Milchsäure angereichert, versüßt wurden unsere Mühen allerdings mit einem eindrucksvollen Blick über das Eisacktal. In diesem Zusammenhang sind auch die falschen Eingangstüren zu nennen, die potentiellen Feinden den Eintritt in die Festung erschweren sollten.

Im Bunker „Imene“, der bis zu den 80iger Jahren vom Italienischen Heer Verwendung fand, konnten wir die mächtigen Kanonen begutachten, die im Angriffsfalle wie bei einer Seeschlacht Verwendung finden sollte: Der bedienende Soldat konnte die Flugbahn des Geschosses nicht bestimmen und war deshalb auf Anweisungen angewiesen, wie die Kanonen zu postieren hätte.

Interessant ist ebenso die Rolle Österreichs und Südtirols während der Zeit des Kalten Krieges. Nach dem Zweiten Weltkrieg stellte Franzensfeste eine strategische Verteidigungsanlage gegenüber Österreich dar, mitunter waren dort US-Raketen auf dem Gelände stationiert.

Um das Kapitel Franzensfeste abzuschließen: Ab April 2014 wird dort auch das Besucherinformationszentrum des Brenner Basistunnels zu finden sein (www.bbt-se.com).

Der Sprachunterricht des Vormittags war wahrscheinlich der bisher anspruchsvollste für die Jugendlichen. Zuerst wurden Wegbeschreibungen geübt. Dann wurden die Jugendlichen vor die Aufgabe gestellt kurze Beschreibungen wichtiger Sehenswürdigkeiten Brixens für den Ausflug am Samstag Vormittag vorzubereiten: über den Dom, die Hofburg, die Pfarrkirche zum Hl. Josef Freinademetz, und die hölzerne Figur des dreiköpfigen wilden Mannes.

Am Abend war schlussendlich Sport angesagt: Die Japanische Selbstverteidigungssportart Yoseikan Budo konnte von den Jugendlichen erprobt werden.

Langsam zogen auch die Jugendlichen ihre erste persönliche Bilanz und geben damit wichtiges Feedback für die Planung zukünftiger Ausgaben des Euregio Summer Camps: Yuri, 12 Jahre, aus Trient, hätte gerne eine Bergwanderung unternommen. Er betonte, dass es schwierig sei sich aus dem komfortablen Umfeld des vorhandenen Freundeskreises heraus zu lösen um neue Bekanntschaften zu machen. Yuri hofft, dass das Euregio Summer Camp wiederholt wird. Davide, 12 Jahre, aus Taio, schlug vor, dass man die Sprachgruppen noch mehr untereinander durchmischen könnte. Yuri stimmte Davide zu, er sieht darin die Chance sich noch besser beim gegenseitigen Sprachenlernen helfen zu können. Ein paar kleinere kulturelle Missverständnisse gab es auch, so erzählte Davide, dass ein gutgemeinter Scherz einmal etwas befremdlich von einem Zimmerkollegen aufgenommen wurde.

Andrea, 13 Jahre, aus Villazano (Trient) möchte das kommende Jahr einen Freund aus Innsbruck zum Euregio Summer Camp einladen.

Die drei Jugendlichen unterstrichen, dass eine Initiative wie das Euregio Summer Camp in den Schulen vermehrt beworben werden sollte. Auch mehr deutschsprachige Teilnehmer und Teilnehmerinnen wären Ihnen willkommen. Des Weiteren könnten auch von Seiten der drei Länder weitere Möglichkeiten des gegenseitigen Miteinanderlernens in einer mehrsprachigen Umgebung, mit dem Vorbild des Euregio Summer Camps, geschaffen werden.

Donnerstag, 25. Juli

Kuchen und „alles Gute“ für Davide Ceci, der seinen 12. Geburtstag am Jakobstag feierte. Das Euregio Summer Camp hat mit der Besteigung der Riedspitze auf dem Kronplatz seinen Höhepunkt erreicht. Die Herausforderung des Tages bestand darin, mit einem Budget von 16 € pro Teilnehmer ins Skigebiet zu kommen. Die Jugendlichen, die in Gruppen aufgeteilt waren, sind mit dem Autobus und Zug nach Reischach gefahren, von wo aus die Seilbahn die Jugendlichen auf die 2275 m hohe Bergspitze zwischen dem Puster- und Gadertal gebracht hat.

Eine Strategie, die den Zug, die außerstädtischen Busse und die Stadtbusse von Bruneck und Brixen umfasste. In Bruneck angekommen, sind einige der Jugendlichen bei schwülem Wetter zu Fuß nach Reischach gegangen. Zu acht in der Kabine war es ein schneller Aufstieg zum Kronplatz. „Ein herrlicher Ausblick“ schwärmt die vierzehnjährige Julia aus Schenna. Nach ein paar Stunden Rast, Spiel und geistigen Übungen kehren die Jugendlichen ins Tal zurück. Das Melanin ruft bei zwei Jugendlichen große Müdigkeit hervor, sie gehen nicht bis zum Hauptplatz in Bruneck. Moritz, Animateur aus Bruneck, stoßt glücklicherweise kurz nach der Endstation auf die beiden. Auf dem Hauptplatz von Bruneck sind die Vorbereitungen für das Stadtfest am Wochenende im Gange. Dank der Ersparnisse durch eine gute Auswahl der öffentlichen Verkehrsmittel konnten die Jugendlichen ein Eis essen.

Das Tagebuch wird heute mit den Gedanken von Melanie und Maria (12 Jahre) aus Rodeneck sowie von Verena und Julia (14) aus Schenna bereichert. Pustertal und Burggrafenamt.

Eine Partie Acitivity, die den Adrenalinspiegel ansteigen ließ. Marie hat den Abend mit dem Film „Oben“ („Up“) sehr genossen. Am Mittwochabend haben die Jugendlichen aufmerksam den Film angesehen, der zum Teil in Italienisch mit deutschen Untertiteln und umgekehrt im hübschen Augustinersaal des Klosters gezeigt wurde und der sich sicherlich auch für den Ball eignet: Am Freitagabend werden die Jugendlichen dort tanzen.

Melani ist froh über die vielen Räumlichkeiten in der Abtei, in denen sie dem Sport frönen können. Im Allgemeinen sind die Jugendlichen zufrieden über die organisierten Aktivitäten und den Einsatz der Animateure. Morgen erzählen weitere Teilnehmer über den Besuch in der Franzensfeste.

Mittwoch, 24. Juli

Wilde Erdbeeren, Kastanienbäume, Nussbäume und Akazien. Der Vahrner See ist ein einzigartiges Biotop, mit einer reichhaltigen Flora und unzähligen Insektenarten. Diese Vielfalt konnten die Jugendlichen bei ihrem heutigen Ausflug entdecken. Bereits vor dem Ausflug, in der Umweltwerkstatt des Klosters Neustift, informierten sie sich über die Besonderheiten und den Reichtum der Flora und Fauna des Seegebietes.

Die Liegewiesen am Vahrner See waren gedrängt voll, viele Leute suchten die belebende Erfrischung des Sees, an einem heißen und schwülen Tag, an dem bereits den ganzen Tag über ein sich schleichend ankündigender Regenschauer in der Luft lag. Nichts desto trotz fanden wir eine Ecke auf der Seewiese für uns alle. Gemeinsam spielten wir „Uno“ und ein weiteres Kartenspiel namens „Black stories“. Wir hatten auch genügend Zeit fürs Schwimmen im See, bevor der befürchtete Regenschauer uns schlussendlich einholte und den verbleibenden Ausflug ein wenig zur Wetterlotterie wurde.

Die Themengebiete des vormittäglichen Sprachkurses drehten sich vornämlich um Beschreibungen, und die Hobbys und Freizeitaktivitäten, denen die Jugendlichen in ihrer Ferienzeit nachgehen. Diese beginnt südlich des Brenners bereits alljährlich Mitte Juni, nördlich des Alpenpasses hingegen ein wenig später, mit Anfang Juli.

Die Jugendlichen haben sichtlich Spaß am Sprachenlernen: Miriam, 14 Jahre, aus Kufstein, Paulina, 14 Jahre, aus Kössen und Livia, 14 Jahre, aus Ebbs, haben schon weitere Pläne, sie wollen im kommenden Jahr gemeinsam einen Sprachaufenthalt in London verbringen. Alice, 15 Jahre alt, Schülerin des Liceo Prati di Trento, aus Besenello, verbringt ebenso eine tolle Zeit am Euregio Summer Camp und möchte die geschlossenen Freundschaften auch nach ihrer Rückkehr unbedingt aufrecht erhalten und pflegen. Vor allem mit Verena und Julia, mit denen Alice sich ein Zimmer teilt, versteht sie sich besonders gut. Die Mädchen helfen sich gegenseitig dabei verschiedene Sprachwendungen beizubringen.

Im Euregio Summer Camp sind all jene Jugendlichen gut aufgehoben die sich sprachlich weiterentwickeln wollen: Miriam, die zweisprachig aufwuchs und von ihrer Mutter, die aus Sibenik stammt, Kroatisch lernte, ebenso wie Daniel, 14 Jahre, und Fabian, 13 Jahre, aus Neustift im Stubaital. Sie sind darüber glücklich zum erste Mal Italienisch lernen zu können. Wichtig ist nur, dass die Jugendlichen frei reden können, ohne die ständige Angst des Fehlermachens. Wenn Fehler passieren, dann dürfen sie nicht den Mut verlieren!

Nach den beiden Ausflügen zum Kronplatz und nach Franzensfeste morgen und übermorgen, werden die Jugendlichen am Samstag ihre ganze Kreativität ausleben können.

Dienstag, 23. Juli

Kochen stand auf dem heutigen Programm des Euregio Summer Camps. Am Vormittag gab es zuerst eine theoretische Einführung: über die verschiedenen Frucht- und Gemüsesorten, Kochutensilien und klassische Gerichte. Am Nachmittag konnten die Kinder, zusammen mit uns Betreuern das Gelernte in die Tat umsetzen und ein kleines Menü kochen, das anschließend gemeinsam gegessen wurde: Bruschette, wahlweise belegt mit Tomaten oder Zucchini, Spinatknödel als Hauptgang und Apfelstrudel zur Nachspeise. Dieser war besonders begehrt.

Am späteren Vormittag, konnten die Kinder kreativ werden und aus Plastilin Figuren formen. In der Zwischenzeit traf in Neustift auch das Filmteam von „Europaregion heute“ ein um die Erlebnisse der Jugendlichen einzufangen; sogar ein paar Interviews wurden gedreht. Obwohl viele von ihnen zuallererst ein wenig scheu auf das Mikrofon reagierten, dauerte es nicht lang, bis sie selbstbewusst über ihre bisherigen  Erlebnisse und Erfahrungswerte sprachen.

Durch die Erfahrungen dieser ersten Tage des Euregio Summer Camps ist auch ein (höchstpersönlicher) Gedanke aufgekommen: Das parallele Aufrechterhalten von parallelen Schulsystemen, nach Sprachgruppen getrennt, erscheint mir altmodisch. Ich denke es führt dazu, dass die Sprache des Anderen nicht als Sprache des Nachbarn wahrgenommen wird, sondern als Sprache des Fremden. Vielleicht kann ich nach ein paar Teilnahmen am Euregio Sommer Camp mehr dazu sagen :-).

Für Lena, 14 Jahre alt, aus Kufstein drückt ihre Motivation klar vor der Kamera aus: Für sie ist es wichtig Italienisch zu lernen, wegen der immer zahlreich werdenden Italienischen Touristen.

Die Zeiten in denen man fürchten musste mit einer Flasche Wein oder einer Tafel Schokolade nicht den Brenner passieren zu können, wie Landeshauptmann Luis Durnwalder, Präsident der Europaregion Tirol-Südtirol-Trentino, eine typische Anekdote den Jugendlichen bei seinem heutigen Besuch schilderte, scheinen schon ferne Vergangenheit zu sein.

Durnwalder überreichte den 9 Kindern die alle Punkte im Euregio Quiz erreichten ihre Preise und erzählte den Kindern Anekdoten aus seiner Schulzeit in der Klosterschule Neustift.

Nicht alles im Leben eines Betreuers macht so viel Spaß wie das Kochen mit den Jugendlichen: Ein Kind musste kurz ins Krankenhaus nach Brixen gebracht werden, auf Grund von Magenschmerzen, wo uns schnell und freundlich geholfen werden konnte.

Für mich als Betreuer ist die Energie der Jugendlichen erstaunlich. Sie sind alle Kinder der sogenannten „Millennials“, geboren zwischen 1998 und 2002, und jede und jeder von ihnen ist einzigartig in ihrer Persönlichkeit und ihren Verhaltensweisen. Da ich als Betreuungsperson dafür verantwortlich bin, die Einhaltung der Regeln zu kontrollieren und  im Zuge dessen meine Rundgänge drehe um etwa zu kontrollieren, ob auch alle Lichter ausgeschalten wurden oder die Nachtruhe eingehalten wird, kann ich eines sagen: Aus dem Verhalten der Jugendlichen erschließt sich mir, warum die Europaregion so sehr auf die Themen Kultur, Jugend und Forschung setzt: Die Jugend verkörpert eben gerade diese Neugierde und Lebenskraft die für die Ausgestaltung der Europaregion notwendig ist.

Langsam beobachte ich eine zunehmende Vermischung der Sprachgruppen untereinander: Einige Tiroler Jugendliche setzen sich an den Tisch der Trentiner Jungs, die Tiroler Mädchen bilden mit den anderen Mädchen gemischte Volleyballteams und so weiter…

Am späten Nachmittag kam schließlich auch noch eine Journalistin des Rai-Senders Bozen auf Besuch, um ein paar Interviews zu drehen und schlussendlich konnten die Jungs und Mädels ihre wohlverdiente Freizeit genießen: im Schwimmbad, bei einem Fußballmatch oder einem Volleyballmatch. Morgen steht ein Ausflug zum Vahrner See auf dem Programm, am Donnerstag und am Freitag folgen Ausflüge auf den Kronplatz und nach Franzensfeste.

Montag, 22. Juli

Der Montag war ein erkenntnisreicher Tag für alle Jugendlichen des Euregio Summer Camps, im Kleinen wie auch im Großen: Bei einer Schnitzeljagd auf dem Gelände des Klosters Neustift entdeckten sie die zahlreichen verborgenen historischen und künstlerischen Schätze des Areals auf eigene Faust, anschließend lernten die Jugendlichen die Europaregion Tirol-Südtirol-Trentino von ihrer institutionellen Seite kennen.

Matthias Fink, vom Gemeinsamen Büro der Europaregion, reiste aus Bozen an und brachte den sehr interessierten Jugendlichen die Ideen dieses innovativen Gemeinschaftsprojektes der Länder Tirol, Südtirol und Trentino näher. Das dabei Gelernte blieb in den Köpfen der Jugendlichen hängen, dies war das Ergebnis eines kurzen Quiz, das im Anschluss an die Vorstellung der Europaregion durchgeführt wurde: Ganze 9 der 49 Jugendlichen schafften es gar alle 11 Fragen fehlerfrei zu beantworten. So lernten die Jugendlichen spielerisch interessante Fakten über die Europaregion kennen: beispielsweise, dass sie mit 1,7 Millionen Einwohnern ungefähr gleich viel Einwohner hat als die Großstadt Wien, 2 Nationalstaaten und 3 Sprachen (Ladinisch, Italienisch, Deutsch) auf ihrem Gebiet mit einschließt, bereichert durch weitere Sprachen, die durch Immigration in die Länder mit eingebracht werden.

Während den ruhigen Momenten des Tages hatten die Jugendlichen bereits Zeit gefunden auf ihren Zimmern in einem besonderen Geschenk zu schmökern: „Tirol Südtirol Trentino – Ein historischer Überblick“, so der Titel eines von der Europaregion herausgegebenen Geschichtsbuches, das die gemeinsamen kulturellen und geschichtlichen Wurzeln der Europaregion vermittelt und das alle Jugendlichen als Geschenk erhielten.

Teil des Tagesprogrammes war aber auch das gemeinsame Sprachtraining am Vormittag. Die Jugendlichen legten sich sehr ins Zeug, um in der Sprache des Anderen ihr Leben einerseits zu beschreiben als auch Interessantes aus dem Leben der anderen Jugendlichen zu erfragen. Im Zuge des gemeinsamen Sprachtrainings wurden die Jugendlichen auch vor die Aufgabe gestellt allen Staaten Europas ihre jeweiligen Flaggen zuzuordnen. Dabei erzählten sie sich gegenseitig Geschichten über persönliche Erlebnisse und Eindrucke die sie auf Reisen in europäische Staaten bis dato gesammelt haben.

Als gegen 23:00 Uhr ein Sommergewitter für Erfrischung sorgte, waren die Jugendlichen bereits auf ihren Zimmern. Morgen erwartet die Jugendlichen nämlich der nächste erlebnisreiche Tag: Der Dienstag wird im Zeichen der Kulinarik stehen, angefangen bei der Kochtheorie (Gemüse- und Früchtekunde) bis hin zur praktischen Umsetzung des Gelernten bei der gemeinsamen Zubereitung von einfachen aber geschmackvollen Speisen reicht das Tagesprogramm. Und nicht zu vergessen: Um 13:00 kommt Landeshauptmann Luis Durnwalder die Jugendlichen in Neustift besuchen!

Sonntag, 21. Juli

Es ist 10 Minuten nach Mitternacht als auch das letzte Licht im zweiten Stock des Schülerheims Neustifts erlischt. Der erste Tag des Euregio Summer Camps ist soeben zu Ende gegangen. Es war ein aufregender Tag für Viele: Unter die  Mischung aus Aufregung über erste Erlebte fernab des Elternhauses, die neu gefunden Freunde, gesellt sich aber  auch  noch ein Tropfen Heimweh.

Alle 49 Kinder, die Teilnehmer des ersten Euregio Summer Camps, trafen pünktlich zwischen 16:00 und 18:00 in Vahrn ein. Doch nicht nur den Kindern merket man die Neugier auf das Bevorstehende an, sondern auch den Eltern. Auch ihnen ist die Begeisterung anzusehen, dass ihre Kinder die Möglichkeit haben mit Gleichaltrigen eine Fremdsprache lernen zu können.

Nachdem die Kinder ihre Unterkünfte bezogen hatten, wurde zu aller erst ein gemeinsames Gruppenfoto im Innenhof geschossen, anschließend fanden erste Kennenlernspiele statt. Auf der Euregio-Landkarte, die an der Wand hängt, konnten die Kinder sehen woher ihre neuen Freunde herstammen: Viele  Kinder sind aus Trient gekommen, dies ist den Bemühungen des Vereins Agebi (www.agebi.it) zu verdanken, ein Elternverein der es sich zum Ziel gesetzt hat Zweisprachigkeit zu fördern.

Für mein Tagebuch, das auf der Website abgerufen werden kann, möchte ich euch die persönlichen Eindrücke der insgesamt 8 Kinder übermitteln, mit denen ich den heutigen Tag verbringen durfte:

Sabrina und Lena sind aus Kufstein gekommen und alle beide 14 Jahre alt. Sie zeigen sich beide glücklich über den gelungen Start des Euregio Summer Camps.

Madalena, 13 Jahre alt, wurde ursprünglich in Moldawien geboren und  lebt nun schon seit 3 Jahren in Trient. Sie berichtet, dass sie bereits mit ihren Zimmerkolleginnen Freundschaft schließen konnte und hofft, dass über den Lauf der kommenden Tage noch viele weitere Freundschaften folgen werden. Sie meint, dass Italienisch lernen nicht schwierig ist, wenn man die Chance hat Gleichaltrigen beim Sprechen ihrer Muttersprache zuhören zu können.

Elena, 13 Jahre alt, aus Cognola, verbrachte ihre ersten 8 Schuljahre in einer Schule, für die das Erlangen von  Zweisprachigkeit einen großen Stellenwert einnimmt und berichtet, dass sie jeden Sommer zwei Wochen in Marktoberdorf verbringt und dass sie mit ihren dortigen Freunden auch während des restlichen Jahres in Kontakt bleibt, um nicht den Anschluss zu verlieren.

Camilla, 13 Jahre alt, aus Trient, zeigt sich ebenso glücklich über die den unterhaltsamen Abend und die vielen neuen Bekanntschaften die sie bereits am ersten Tag schließen durfte.

Caterina, 12 Jahre, aus Trient, ist es vor allem wichtig, dass sie durch das Euregio Summer Camp die Chance hat Deutsch sprechen zu können, um mit Freunden aus dem Ausland Kontakt halten zu können.

Nach all diesen Impressionen des ersten Tages, ein Ausblick auf Morgen: Europa wird das zentrale Thema des morgigen Tages sein, daneben wird für die Kinder aber auch genügend Zeit bleiben um sich beim Fußballspielen und beim Volleyballspielen zu vergnügen.

Samstag, 20. Juli

Wie wird wohl die Verständigung und der Austausch zwischen Italienischsprachigen und Deutschsprachigen gelingen? Dies ist eine meiner brennendsten Fragen im Vorfeld des Euregio Summer Camps, das im Kloster Neustift stattfinden wird. Immerhin werden morgen Abend 32 italienischsprachige und 17 deutschsprachige Kinder im Augustiner Chorherrenstift Neustift aufeinandertreffen, 26 Jungs und 23 Mädchen, um in Begleitung mit 7 Betreuungspersonen das Zusammenleben in einer zweisprachigen Atmosphäre zu leben.

Schon bei der Ankunft in Vahrn fällt mir das erste Beispiel des gemeinsamen Miteinanders  auf: Am Rande eines Festes der Vahrner Schützen beobachte ich eine Gruppe italienischsprachiger Teilnehmer eines Malkurses. In den kommenden neun Tagen werde ich euch die Erfahrungen der Euregio-Kinder hautnah berichten können. Zu meiner Person: Ich bin 28 Jahre alt, komme aus Franken, bin Umweltingenieurin, arbeite seit einigen Jahren im Bildungshaus des Chorherrenstiftes  und werde die Gruppe Regina  als Betreuungsperson durch das intensive Programm des Summer Camps begleiten. Im Bildungshaus können wir ein vielfältiges Kulturprogramm bieten: Vom Malkurs über den Kommunikationskurs  bis hin zum Tai Chi – Kurs reicht unser Angebot.

Die folgenden Kolleginnen und Kollegen werden mich während des Euregio Summercamps unterstützen: Giovanna, 26 Jahre alt, Soziologiestudentin aus Trient; Verena, ebenso 26 Jahre alt, Juristin aus der Gemeinde Rasen – Antholz in lebt in Innsbruck; Moriz, 23 Jahre, Pädagogikstudent;  Lukas 23 Jahre, Krankenpflege-Aspirant und Lena; 20 Jahre, sie durchlebt nach der bestandenen Matura gerade eine Orientierungsphase. Moritz, Lukas und Lena sind alle drei aus Bruneck und Pfadfinder. Last but not least: Doris, 24 Jahre, Chemiestudentin aus Campill im Gadertal .

Während wir unsere Unterkünfte beziehen überlegen wir  uns sicherheitshalber schon einmal Taktiken um die Kinder „bändigen“ zu können, sollte dies notwendig werden. Im zweiten Stock des Schülerheims, neben den Lehrerzimmern hängen Bilder der unterschiedlichsten Art. Eines dieser Bilder zeigt  eine Polizeiparade. Wird dieses Bild wohl Abschreckung genug sein für die Kinder, um sie davor abzuhalten sich schlecht zu benehmen? Immerhin gilt es für die Teilnehmer ein paar wesentliche Spielregeln zu beachten: Schwimmen im Freibad nur unter Aufsicht einer volljährigen Person, Hausschuhpflicht und Abendessen pünktlich um 18:15, zusammen mit den anderen Gästen und den 12 Augustinerpatern des Stiftes.

Und dann noch die zahlreichen Termine unter der Woche: Am Montagabend steht gleich der Besuch von Matthias Fink, vom Gemeinsamen Büro der Europaregion an. Er erklärt den Kindern was die Europaregion Tirol – Südtirol – Trentino ausmacht. Dienstagnachmittag steht ein besonderer Besuch an, ein Absolvent der Klosterschule Neustift kommt zu Besuch: Luis Durnwalder, Präsident der Europaregion. Des Weiteren sind Ausflüge zum Vahrner See, zum Kronplatz und nach Franzensfeste geplant. Abends wird das Programm durch gemeinsames Kochen, Spielen und Musizieren abgerundet.

Foto Euregio-Summer-Camp 2013


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