Tagebuch Euregio-Jugendfestival 2014

Vom 9.-12. April 2014 fand die dritte Auflage des Euregio-Jugendfestivals in Lienz, Bruneck und Innsbruck statt. Im Online-Tagebuch finden Sie regelmäßig Einblicke in das vielfältige Programm und die Erfahrungen der 90 Jugendlichen aus Tirol, Südtirol und dem Trentino.

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Samstag, 12.4.2014, 11:15

Nach einer stärkenden Kaffeepause findet eine Podiumsdiskussion mit Jens Woelk (Rechtwissenschaften, Universität Trient), Paolo Ghezzi (Journalist und Verlagsgründer),Christina Eberle (Public Relations APT Valsugana), Licia Berlof (Erzieherin bei der Cooperativa Arianna) und Stefania Bazzanella (Freiwilligendienst bei der Cooperativa Arianna). Die Experten berichten über ihre Erfahrungen und rufen die Jugendlichen auf, im Ausland Erfahrungen zu sammeln.

Die Experten am Panel

Moderator Mattia Frizzera, Mitbegründer der Internetplattform LaValsugana.it, führte durch die Diskussion des zweisprachigen Panels. Die Jugendlichen zeigten besonderes Interesse an den Fragen zu Studienwahl und zur Anerkennung von Studien und Prüfungen, die im Ausland gemacht werden. Auf Unverständnis stieß zum Beispiel, dass es in Italien noch keine Fachhochschulen gibt. Hier informierten die Experten, dass in Italien die „laurea breve“ direkt an den Universitäten angesiedelt ist.

Zum Abschluss des Euregio-Jugendfestivals füllten die Jugendlichen die Evaluierungsbögen aus und bekamen selbst jeweils eine Teilnahmebestätigung. Beim Mittagsbuffet bleibt noch Zeit für letzte Gespräche. Auch die eine oder andere Abschiedsträne wird gesichtet, bevor pünktlich die Busse zur Rückfahrt ansetzten.

Samstag, 12.4.2014, 8:30

Der letzte Abend ist steckt noch in den Knochen, die letzten hetzen zum Bus. Weiter geht die Fahrt zum Liceo scientifico Leonardo da Vinci im Stadtzentrum von Trient. Dort erwarten der Trentiner Landeshauptmann Ugo Rossi und Direktor Alberto Tomasi die Gruppe und begleiten sie in die neue Aula Magna, dem wunderbaren Veranstaltungsraum unter der historischen Dachkonstruktion.

Die Jugendlichen präsentieren Landeshauptmann Ugo Rossi die Ergebnisse des Vortages. Ihre Aufgabe war es innerhalb kürzester Zeit eine Idee für einen Verein aus dem Boden zu stampfen und allem was dazugehört: Logo, Funktionsteilung der Organe und einem Leitbild. Die Ideen der Jugendlichen reichen von visionär und abstrakt hin zu sehr greifbar und konkret.

Ugo Rossi und die Jugendlichen

Die erste Gruppe präsentiert ihre Vision einer Siedlungsmission hinaus in den Weiten des Weltraums, um dem Ressourcenschwund unserer Erde entgehen zu können. Bei diesem Gedankenexperiment berichten die Jugendlichen, taten sich eine Vielzahl an Problematiken sozialer, politischer und technischer Dimension auf, die es zu erörtern galt.

Mit beiden Beinen auf Mutter Erde bleiben die Jugendlichen des Vereins „Sport-Unità“. Sie wollen gemeinsame Eventcamps für Jugendliche der Euregio organisieren, um die Jugendlichen zusammenzuführen. Verbindendes soll herausgestellt, die Sprachkenntnisse gestärkt werden.

Der Verein „Tutti Frutti“ soll Jugendlichen mit Migrationshintergrund helfen sich möglichst schnell in der neuen Realität, der neuen Heimat, zurechtzufinden. Unter dem Motto „Schüler helfen Schülern“ sollen die Hausaufgaben gemeinsam gemacht und gemeinsame Feste organisiert werden. Der originelle Name beziehe sich darauf, dass es auf der Welt ebenso viele vielseitige Identitäten wie Fruchtsorten gäbe, schlussendlich aber jedoch alle gleich „Mensch“ seien. So wie Äpfel nicht gleich Birnen seien, gelte dies auch für die unterschiedlichen kulturellen Identitäten. Am Ende des Tages jedoch wären alle einfach nur „Mensch“, so wie am Ende des Tages ein Apfel und eine Birne auch einfach nur Früchte seien, erklären die Jugendlichen ihre Namenswahl.

Mit „Quelp“ präsentiert die nächste Gruppe einen Verein, der es sich zum Ziel gesetzt hat Familien und vor allem deren Kindern rasch in Notlagen zu helfen. Deshalb der Name, der sich aus den Wörtern „Quick“ und „Help“ zusammensetzt. Der Verein solle durch ehrenamtliche Mitarbeit funktionieren und notleidenden Familien in prekären Lagen dabei helfen eine vorübergehendes Dach über dem Kopf zu finden, die Kinder mit Essen zu versorgen und finanzielle Notlagen zu überbrücken.

Landeshauptmann Rossi zeigte sich sehr interessiert von den Ergebnissen der Arbeiten, die die Jugendlichen am Vortag in Brixen gemacht haben. Rossi appellierte an die Jugendlichen, dass sie die Stimme der Zukunft in der Europaregion sind. Er erinnerte daran, dass die Europaregion auf der gemeinsamen Geschichte aufbaue und die drei Länder auch in der Gegenwart große Aufgaben gemeinsam zu bewältigen haben, zum Beispiel den Verkehr und die Berglandwirtschaft. Landeshauptmann Rossi bestärkte die Jugendlichen, Botschafter der europäischen Idee zu sein, für ein Europa das selbstverständlich von seinen Bürgern gelebt wird.

Abschließend wünschte sich LH Rossi von den Jugendlichen, dass sie einen „Tweet“ an ihn richten. Das Thema und die Formulierung werden in der Gruppe abgestimmt, an der Einhaltung des Zeichenlimits von 140 Anschlägen gemeinsam gefeilt. Herausgekommen ist folgende Nachricht: „@UgoGma: Festival della gioventù: i giovani propongono un abbonamento x i mezzi di trasporto pubblico valido per l'intera #Euregio“ (@UgoGma: Euregio-Jugendfestival: die Jugendlichen schlagen ein Ticket für die öffentlichen Verkehrsmittel vor, das in der gesamten #Europaregion gilt“).

Im Anschluss informiert Rolanda Tschugguel, Direktorin des Südtiroler Amts für Ausbildungs- und Berufsberatung, über die konkreten Möglichkeiten, sich über das Studienangebot und die Möglichkeiten beim Berufseinstieg zu informieren. Geschockt zeigen sich die Jugendlichen über die aktuellen Zahlen zur Jugendarbeitslosigkeit, die in Italien unvorstellbare 40% beträgt. Auffällig ist, dass es im Bereich der Jugendarbeitslosigkeit doch große Unterschiede in der Europaregion gibt - Trentino 23,4%, Südtirol 12,2% und Tirol ca. 6%.

Rolanda Tschugguel stellt in ihrer Präsentation auch den Mix an persönlicher Einstellung und fachlichen, organisatorischen und sozialen Fähigkeiten vor, die in Berufswelt gefragt sind. Eine Umfrage unter Unternehmern hat gezeigt, dass die Wirtschaft vor allem selbständiges Arbeiten und Flexibilität schätzt. Die Studien- und Berufswahl ist ein lebenslanger Prozess. Jeder Jugendliche soll sich ein eigenes Bild verschaffen und die Vorstellungen über ein Studium oder einen Beruf überprüfen. Bereits während der Ausbildung können Jugendliche Erfahrungen sammeln, bei Praktika, Sommerjobs und im Ehrenamt. All dies ist auch ein Hineinschnuppern in die Arbeitswelt von heute.

Freitag, 11.4.2014, 20:30

Hotel Adige bei Trient: Letztmals werden die Zimmer bezogen, wird gemeinsam zu Abend gegessen. Die Pünktlichkeit ist nicht mehr jedermanns Stärke. Mit etwas Verspätung geht’s weiter zum letzten Teil des Kulturprogramms. Heute steht die Besichtigung des nagelneuen naturwissenschaftlichen Museums des Trentino, des MUSE auf dem Programm.

MUSE

Modern, offen und einladend, das sind die ersten Eindrücke in dem von Stararchitekt Renzo Piano geplanten Museum, das sich wie eine Bergsilhouette erhebt. Die Jugendlichen erwartet eine Führung in vier Gruppen, die einen Einblick von der Entstehung der Dolomiten über die Artenvielfalt in der tropischen Flora bis hin zu den Auswirkungen des Klimawandels auf die Alpen bietet. Auf fünf Stockwerken können die Jugendlichen gleichermaßen spektakuläre Ausstellungsobjekte wie das Skelett eines jungen Wals bewundern als auch bei zahlreichen Stationen selbst experimentieren.

Um 22:30 ging es zurück ins Hotel, wo bereits ganz im Zeichen des nahenden Abschieds noch das eine oder andere Lied gesungen wird.

Freitag, 12.4.2014, 14:00

Der Nachmittag ist dem Sport gewidmet. Das WFO Bruneck bietet den Jugendlichen eine große Halle, die in mehrere Bereiche aufgeteilt wurde. Hier kann man zwischen mehrerer Sportarten wählen. Da gibt es die traditionellen Sportarten wie Fußball, Leichtathletik oder Triathlon. Doch auch Tischtennis und Tanz ist bei den Jugendlichen sehr beliebt. Der Renner ist die Trendsportart Slacklinen, die unter freiem Himmel stattfindet und auch ein paar Jugendliche schon allein auf Grund des sonnigen Wetters anzieht. Chillen mit Gitarrenklängen ist angesagt.

Spielenachmittag in Bruneck

Auch für Personen, die lieber den Geist als den Körper bewegen ist gesorgt. Beim Schach rauchen die Köpfe. Die Schüler können ganz frei von einer Station zur nächsten wechseln und somit alles einmal ausprobieren. Es ist jedoch schwierig sie von einigen Sportarten wie Tischtennis wegzubringen. Ein aktiver Nachmittag neigt sich dem Ende zu. Danke an Daniela Oberhollenzer vom Jugenddienst Bruneck für die Organisation des gleichermaßen abwechslungsreichen wie entspannenden Nachmittags im Schulzentrum Bruneck.

Freitag, 12.4.2014, 08:30

In Bruneck geht es am zweiten Tage im Michael Pacher Haus mit den thematischen Inhalten weiter. Der Tag ist dem Freiwilligendienst und dem Ehrenamt gewidmet. Nach Grußworten der Direktorin des Südtiroler Ressort für Bildungsförderung, Deutsche Kultur und Integration, Vera Nicolussi-Leck, die Grüße vom Südtiroler Landesrat Philipp Achammer überbringt, übernimmt der Südtiroler Jugendring die Gestaltung des Morgens. Durch eine sogenannte „Bewegungsanalyse“ werden auch die letzten Morgenmuffel wach geküsst. Die Jugendlichen dürfen ihre Gedanken zu verschiedenen Fragestellungen auf Pinnwänden aufschreiben. So kommen auf die Frage, an was heute Morgen auf dem Hinweg gedacht wurde, die verschiedensten Antworten. Auch lustig sind die Schüler eingestellt: So reicht die Palette der Antworten von banalen Dingen wie „Krapfen“ bis zu ernsteren wie „Zusammenwachsen der Europaregion“. Was man sich für diesen Vormittag hingegen nicht wünscht, sind Dinge wie „einschlafen“ und „schlechtes Wetter“. Des Weiteren sollen die jungen Menschen beantworten, in welchen Bereichen sie sich bereits in ihrer Freizeit engagierten. Die Mehrzahl der Teilnehmerinnen und Teilnehmer ist in einem Verein aktiv. Viele sind jedoch auch in einer kirchlichen Gruppe oder in einer Jugendorganisation vertreten. Wichtig beim Ehrenamt ist den Jugendlichen vor allem der Spaß, aber auch die Möglichkeit, etwas für das Leben zu lernen und die eigenen Fähigkeiten einzubringen und zu entwickeln, steht im Vordergrund.

Das Ehrenamt, so erklären Martina de Zordo und Kevin Hofer vom Südtiroler Jugendring, verhilft zur Entwicklung der persönlichen Potenziale: Es entwickelt hohes soziales Engagement, lehrt Dinge und Fähigkeiten, die man in der Familie und im sonstigen Umfeld nicht in dieser Form erlernen kann. Auch das Wertebewusstsein wird durch den freiwillig durchgeführten Dienst an der Gesellschaft ausgebaut. Fairness, Sparsamkeit und politisches Engagement werden gestärkt. Der Dienst in der Freizeit trägt zur Berufsvorbereitung und zur Entwicklung des ganz persönlichen Lebensstils bei. Soziale, technische, organisatorische, künstlerische und viele andere Kompetenzen bilden sich dabei aus und helfen auf dem Weg in die Zukunft.

Freiwilligenamt-Bruneck-Gruppenfoto-Jugenfestival-2014

Nach der Kaffeepause findet ein weiterer Workshop statt. Die Schülerinnen und Schüler finden sich wieder in acht Minigruppen ein. Jede Gruppe soll einen Verein gründen, Themen auswählen, in denen dieser Verein aktiv ist, ein Logo entwerfen und um Mitglieder werden. Nach mehr als einer Stunde intensiver Arbeit, stellen die ersten Gruppen ihre Ergebnisse vor. So wird zum Beispiel der Verein „NJW“ Ladinisch für „Wir Jugendlichen der Welt“ entworfen, der sich damit beschäftigt, Abenteuerreisen für Jugendliche zu organisieren. Ähnlich wurde „Rainbow Travels“ entworfen. Dieser Verein soll mehrere Sitze in verschiedenen europäischen Städten gründen und dort den kulturellen Austausch und Sprachkurse organisieren. „Robin Hood“ hingegen ist ein Verein, der sich mit sozialer Gerechtigkeit und Integration beschäftigen will. Der Verein bietet Dienstleistungen und Unterstützung für Immigranten und sozial schwachen Personen. Hier sollen Einwanderer in die Gesellschaft integriert und Verpflegungsdienste für Obdachlose organisiert werden.

Gruppenarbeit in Bruneck

Donnerstag, 11.4.2014, 18:00

Und auf geht es nach Bruneck. Die kurvige Pustertalstraße erlaubt nur begrenzt die Befriedigung des Erholungsbedürfnisses. Doch im Hotel Post in Bruneck Zentrum angelangt, können sich die Jugendlichen etwas ausruhen, bevor es dann zum Brunecker Jugendzentrum UFO weitergeht. Hier wartet ein besonderer kultureller Programmpunkt auf die Teilnehmerinnen und Teilnehmer: das Konzert der Südtiroler Jugend-Bigband der Jazzakademie Meran. Die Musiker sind zum Teil sehr jung, zum Teil im Alter der Teilnehmer des Jugendfestivals selbst. Eine tolle Abwechslung zum Arbeitsprogramm des Jugendfestivals.

Südtiroler Jugend-Bigband Jazz Akademie Meran

Donnerstag, 11.04.2014, 14:00

Nach dem ausgiebigen Mittagessen geht es zu Fuß in Richtung Bahnhofsgelände, wo das „Heizhaus“ steht. Martin Kofler, vom Tiroler Photoarchiv, und Klaus Ladinig, von den Eisenbahnfreuden Lienz, begrüßen die jungen Menschen. Das Heizhaus ist zur Zeit unter Restaurierung, wird aber extra für das Jugendfestival geöffnet. Das Gebäude wird mittlerweile nicht mehr für den regulären Bahnbetrieb genutzt. Die Lienzer Eisenbahnfreunde haben mit europäischen Mitteln aus dem Gebäude ein Museum gemacht, in dem historische Lokomotiven und Wagone untergebracht sind.

Im Heizhaus wurden früher, als die Dampflokomotiven noch auf der Pustertalbahn unterwegs waren, die Zugmaschinen aufgeheizt. So eine Lokomotive musste bereits vor Benutzung die ganze Nacht hindurch mit brennenden Kohlen vorgeheizt werden, damit im Wasserkessel genug Dampf und somit genug Druck entstand, bevor die Lokomotive am nächsten Tag starten konnte. Die Eisenbahnfreude Lienz erklären den Jugendlichen die verschiedenen in der Halle ausgestellten Lokomotiven. Hier steht zum Beispiel eine Dampflokomotive des Zweiten Weltkrieges von 1944. In der Zeit des Krieges wurden sie in Rekordtempo gebaut: 250 Stück am Tag. Heutzutage gibt es nur noch wenige funktionsfähige Locks. Die Schüler dürfen sogar ins Fahrerhaus steigen und nachvollziehen, wie Lockführer und Heizer auf engsten Raum zusammenarbeiteten. Rund 6.000 kg Kohle schippte der Heizer insgesamt in so einer meist zehn Stunden dauernden Arbeitsschicht in den Heizofen. Der Führer hatte hingegen unter anderem auf die Reibung und damit den Grip der Lock zu achten. Er konnte Sand auf den Gleisen verteilen, damit sich die Lock auch auf Eis und bei Steigung sicher fortbewegte. Von einem anderen Eisenbahnfreund werden die Bahnsignale in Echtzeit eingestellt und erklärt: hier gibt es Vor- und Hauptsignal in Halte- und Fahrsignalstellung.

Durch die sich im Haus befindliche Fotoausstellung des Tiroler Photoarchivs kann man den Bau der Pustertalbahn in den 80er-Jahren des 19. Jahrhunderts nachvollziehen. Martin Kofler bringt die Schülerinnen und Schüler zurück in die Vergangenheit. Gemeinsam entdecken die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Jugendfestivals wie der Bau organisiert wurde. Die Pustertalbahn war nötig, weil 1866 Venezien an Italien fiel und damals in Österreich zwischen der Brennerachse und den Bahnverbindungen des Ostens nach Wien keine Verbindung mehr bestand. Die Pustertalbahn brachte den Regionen, durch die sie verlief, einen enormen wirtschaftlichen Aufschwung, der durch die Fotos gut dokumentier ist. Abschließend sehen die Jugendlichen einen Film des Tiroler Photoarchivs über die historische Entwicklung von Lienz und der angrenzenden Ortschaften.

Heizhaus Lienz

Donnerstag, 11.4.2014, 8:30

Das für 7 Uhr anberaumte deftige Frühstück hat auch den größten Langschläfern einigermaßen pünktlich aus den Federn verholfen. Pünktlich geht es also weiter zur BG-BRG,Bundesgymnasium / Bundesrealgymnasium Lienz.

Matthias Fink berichtet zunächst von der Europaregion. Was ist das überhaupt und was, bitte, ist ein EVTZ? Diese Zweifel werden ausgeräumt und die Schüler lernen, um was es sich beim Gemeinsamen Büro der Europaregion handelt, welches die Aufgaben der Körperschaft nach öffentlichem Recht sind und was für Potentiale sich dadurch eröffnen.

Danach geht es schnurstracks mit den ersten themenbezogenen Vorträgen weiter. Die Schulpsychologen Stephan Oppitz und Sabine Baumgartner verleiten die Jugendlichen zum „Tanzen“ im Sitzen. Im Rhythmus zur Musik werden imaginäre Torten hergestellt und die Bewegungen wie Rühren, Kneten und Eier schlagen im Sitzen nachgespielt. Das Gesellschaftsspiel sorgt für eine Mordsgaudi und hebt die allgemeine Stimmung für den nächsten Vortrag, der von Gina Streit vom Regionalmanagement Osttirol professionell übersetzt wird. Herr Oppitz und Frau Baumgartner gehen im Nachhinein stärker auf die Situation der Jugendlichen ein. Schwierigkeiten, mit denen sich die Jugendlichen bei der Berufswahl konfrontiert sehen können, werden diskutiert und mögliche Lösungswege aufgezeigt. So sollen sie auf ihre Gefühle hören und diese akzeptieren. Negative Gefühle nicht ignorieren. Im eigenen Umfeld, der Familie oder der Schule können die Jugendlichen nach Unterstützung suchen. Wichtig ist dabei das Zuhören lassen und können. Die Schülerinnen und Schüler sollten darauf achten, dass der Zuhörer auch genug Zeit und Muße hat ihnen zuzuhören und nicht durch soeben erlebte Geschehnisse abgelenkt ist.

Stefan Oppitz mit den Jugendlichen

Download:

Nach der Pause geht es gleich tatkräftig weiter. Diesmal sind die Jugendlichen direkt am Zug. Es gilt acht buntgemischte mehrsprachige Minigruppen mit Teilnehmern aus Tirol, Südtirol und Trentino zu bilden. Die Gruppen suchen sich eine der folgenden drei Aufgaben aus: Entdeckung eines unbekannten Volkes, Auffinden einer seltenen Schlange, um deren Serum zu gewinnen, oder das Suchen eines Diamanten. Dabei schlüpft jedes Gruppenmitglied in verschiedene Berufsrollen wie Expeditionsleiter, Spurensuche oder Zuständiger für die Erste-Hilfe. Danach erzählen die Schüler und Schülerinnen, wie es ihnen ergangen ist. Resümee: Die Gruppen haben betreut vom grenzüberschreitenden Schulpsychologenteam Paule Dusseldorf, Bernadette Moser und Martine Rossi sich sehr gut untereinander verständigt, auch mit Hilfe der Übersetzung von zweisprachigen Schülern, man hat diskutiert, gemeinsam gelacht, aber auch konstruktiv gearbeitet. Wichtig, so die Jugendlichen selbst, ist es, dass man sich nicht entmutigen lässt von eventuellen Fehlern. Fehler machen sei Teil des Wachtumsprozesses. Das erste Kennenlernen ist geschafft und schon bedauert man, dass es nur noch drei Tage dauern wird, das Festival.

Mittwoch, 9. April 2014, 18:00

Empfangen von der Bürgermeisterin von Lienz und Landtagsabgeordneten, Elisabeth Blanik, und dem Hausherren Richard Piock, Verwaltungsratsvorsitzender der Durst AG, finden sich die Schülerinnen und Schüler in der Empfangshalle des Betriebes ein. In Funktion des Generalsekretärs der Europaregion Tirol-Südtirol-Trentino - gemeinsam mit den Schulämtern der Euregio Organisator des Jugendfestivals - gibt Matthias Fink den Auftakt für die Veranstaltung und begrüßt die Schüler, die allen drei vorherrschenden Sprachgruppen der Europaregion angehören: nicht nur italienisch und deutsche Muttersprachler, sondern natürlich auch Ladiner sind beim Jugendfestival vertreten.

Frau Blanik tritt ans Pult und drückt ihre Freude über die zahlreiche Teilnahme am Euregio-Jugendfestival aus. Die Vielzahl an engagierten Jugendlichen, meist bereits aktiv in der Schülervertretung oder in anderen gesellschaftlich wertvollen Vereinigungen, ist ein ganz besonderes Gut unserer Europaregion. Um die Zukunft macht sie sich keine Sorgen, wenn es diese Jugendlichen sind, die bald die Zügel der Europaregion in der Hand halten. Das Jugendfestival trägt dazu bei, die Wurzeln der eigenen Herkunft zu stärken und den Jugendlichen einen sicheren Hafen für die bevorstehenden Entdeckungsreisen inner- und außerhalb der Europaregion zu bieten.

Als nächstes ergreift Richard Piock das Wort und berichtet von der Durst AG. Vom erfolgreichen Unternehmer, der mit zwei Standorten in der Europaregion, in Lienz und Brixen, aus grenzüberschreitend tätig ist, können die Jugendlichen viel lernen. Nicht der Tipp, dass es wichtig ist, die eigene Geschichte und Herkunft zu pflegen, sondern auch der Hinweis, dass man als moderner Unternehmer auf dem Markt nur bestehen kann, wenn man innovativ und dynamisch bleibt und sich ständig weiterentwickelt, sind wertvolle Schlussfolgerungen, die er den Jugendlichen für ihren beruflichen Werdegang mitgibt.

Richard Piock führt durch die Durst-Produktionsanalgen

Auch Sigi Grabner spricht von Dynamik. Als Snowboard-Profi und Unternehmensgründer der Snowboard-Marke SG Snowboards hat er sein Hobby sozusagen doppelt zum Beruf gemacht. Ein erstes Mal als junger Mensch, indem er seine Leidenschaft, das Snowboardfahren, auch agonistisch betrieb und ein zweites Mal, indem er bereits während seiner sportlichen Karriere an das Nachher gedacht und seine eigene Firma gegründet hat. Talent, Freude an dem, was man macht, sind sicherlich wichtige Voraussetzungen für die eigene Berufswahl, doch auch, wenn man das Glück hat, sein Hobby zum beruflichen Alltag zu machen, ist harte Arbeit notwendig, so Sigi Grabner. Immer am Ball bleiben und sich nicht von Rückschlägen entmutigen lassen, das hat die Jugendlichen an Sigi Grabner beeindruckt.

Sigi Grabner im Gespräch mit den Jugendlichen

Nach dieser ersten Einführung in die Thematik des Jugendfestivals 2014, bei dem es um das Studium und den Beruf, aber auch um die Interaktion mit der Gesellschaft und vor allem um die Potenziale eines jeden der teilnehmenden Jugendlichen geht, dürfen sich die Schülerinnen und Schüler erst einmal an einem Buffet mit typischen Osttiroler Spezialitäten laben. Ja, auch das ist das Jugendfestival: das Kennerlernen der Traditionen, Kultur und Gepflogenheiten der Mitschüler von nebenan.

Beeindruckt sind die Schüler auch von der innovativen Technik, während des Rundgangs durch die Hallen des Betriebes. Die Schüler können für mehr als eine Stunden nicht nur in die Welt der Techniker und Maschinenbauer, sondern auch in jene der Wissenschaftler eintauchen. Wie die Oberflächenspannung von Tropfen gemessen werden kann, sodass sie sich perfekt mit der zu bedruckenden Oberfläche vereinen. Wie fallende Tintentropfen gefilmt werden, um ihre Qualität zu testen. Wie die Welt durch ein Elektronenmikroskop aussieht. Wie Druckköpfe entwickelt und hergestellt werden. All das können die Schüler und Schülerinnen erleben. Dabei nutzen sie bereits die Gelegenheit, sich bei den Mitarbeitern über ihre Berufswahl und die Berufsbedingungen zu informieren.

So geht der erste Tag des Jugendfestivals sehr konstruktiv dem Ende zu.

Mittwoch, 9. April 2014, 17:45
Der Bus aus Innsbruck ist schon lange da, damit geht sich für die Nordtiroler Teilnehmer noch locker ein erster Stadtspaziergang aus, der unweigerlich an einer der vielen Eissalons vorbeiführt. Nun trifft auch der Bus aus Trient ein. Ein wenig Verwirrung bei der Abfahrt, vier Haltestellen in Südtirol haben ihren Tribut gefordert. Damit bleibt nur eine Viertelstunde zum Beziehen der Zimmer im Hotel Sonne, weiter geht’s zum Eröffnungsabend bei der Fa. Durst Phototechnik AG im Industriegebiet Lienz-Peggetz.

Eis in Lienz

Bildergalerie zum Euregio-Jugendfestival 2014


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