Pilzschutzverordnung

Die Rechtsfrage des Monats Juli behandelt die unterschiedlichen Pilzschutzverordnungen in der Europaregion - angesichts der aktuellen Pilzsaison ein brennendes Thema für Pilzeklauber. Das Team der Europaregion hat diesbezüglich Florian Blaas, den Direktor des Amtes für Forstverwaltung in der Landesverwaltung der Autonomen Provinz Bozen,  befragt.

Frage 1) Die Pilzsaison steht vor der Tür. Gibt es eine einheitliche europäische Pilzschutzverordnung, die damit auch für das gesamte Territorium der Europaregion gleichermaßen gilt?

Nein, ich habe keine einheitliche europäische Pilzschutzverordnung gefunden, da das Sammeln von Pilzen die Grundprinzipien des Europarechtes (z.B. freier Warenverkehr) nicht berührt; eine einheitliche Pilzschutzverordnung wäre wohl auch nicht sinnvoll, da jede Region unterschiedliche Bedürfnisse und eine eigene Geschichte hat. Regelungen werden ja immer gemacht, um konkrete Probleme zu einerm bestimmten Zeitpunkt zu lösen. Bereits in der kleinen Europaregion Trentino-Südtirol-Tirol gibt es 3 unterschiedliche Pilzschutzverordnungen: von sehr kurz und einfach (Tirol) bis sehr komplex und  kompliziert (Trentino), wobei Südtirol nicht nur geografisch in der Mitte liegt.

Frage 2) Was sieht demnach die Pilzschutzverordnung in Tirol vor?

Die geltende Bestimmung aus dem Jahr 2005 sehen vor, dass täglich zwischen 7 bis 19 h maximal 2 kg pro Person gesammelt und befördert werden können. Rechen und ähnliche Geräte sind verboten, auch organisierte Veranstaltungen zum Sammeln von Pilzen und das Beschädigen der Pilze. Bei Nichtbeachtung hat die zuständige Behörde (Bezirkshauptmannschaft) bei der Verhängung der Verwaltungsstrafen einen großen Spielraum (Strafen bis zu 30.000 €).

Frage 3) Was muss hingegen ein Pilzeklauber beachten, wenn er in Südtirol zum Pilzesammeln geht? Gibt es gänzlich gesperrte Gebiete?

Die geltende Regelung stammt aus dem Jahr 1991, sie wurde das letzte mal 2007 vielfach abgeändert, kleinere Anpassungen erfolgten zuletzt 2011. Prinzipiell sind beim Pilzesammeln 4 Punkte zu beachten: Wo - wann - wieviel - wie (beschädigen, Transport). In Südtirol gibt es 3 verschiedene Personenkategorien: 1) Der Grundeigentümer (kann täglich maximal 3 kg sammeln), 2) der Bürger in seiner Wohnsitzgemeinde (nur an geraden Tagen maximal 2 kg) und 3) der Bürger außerhalb der Wohnsitzgemeinde (nur an geraden Tagen maximal 1 kg, nach Bezahlung der Sammelgebühr von 8 € pro Tag).

Frage 4) Ist die Regelung im Trentino wiederum verschieden und wenn ja, wie?

Regelung durch Landesgesetz 2007 und Durchführungsverordnung 2009. Im Unterschied zu Südtirol gibt es keine landesweit einheitliche Regelung für die Sammelgebühr, sondern jede der über 200 Gemeinden legt den Tarif selbst fest. Daher soll sich der Pilzesammler zweckmäßigerweise an den Tourismusverein oder die Gemeinde wenden, um die geltenden Bestimmungen zu erfahren. Allgemeine Prinzipien: a) vorher muss immer eine Meldung und Zahlung an die Gemeinde erfolgen (keine Meldung und Zahlung für Ansässige und Geborene in einer Gemeinde der Provinz Trient, und noch andere Kategorien). Es gibt Einschränkungen für Naturparke und Landeswälder - auch gänzlich verbotene Zonen sind möglich, die der Eigentümer oder die Landesregierung ausweisen (Schilder). Die Verwaltungsstrafe beträgt 34 € bis 201 € pro kg in verbotenen Zonen.

b) Es gibt keine zeitliche Beschränkung am Tag. c) Täglich können maximal 2 kg pro Person gesammelt werden (Verwaltungsstrafe: 22-134 € pro überzähligem kg, 28-168 € pro kg ohne Meldung). d) Die Pilze müssen am Sammelort geputzt, es müssen durchlöcherte und belüftete Behälter verwendet, die Pilze dürfen nicht beschädigt und es dürfen keine Rechen und Ähnliches verwendet werden (Strafen von 11 - 67 €).
Alle Pilze werden eingezogen. Die Strafe wird bei Verweigerung der Einziehung verdoppelt. Verdoppelung auch, wenn das Sammeln im Wiederholungsfall ohne Meldung und in verbotenem Gebiet erfolgt.

Frage 5) Was bedeutet die Europaregion für Sie persönlich?

a) Dienstlich: es wäre für mich als Beamten keine erfreuliche Vorstellung, zusätzlich zu den eigenen Bestimmungen auch noch diejenigen der Nachbarregionen verwalten zu müssen.
b) Privat: Wenn der Globus mit jedem Tag kleiner wird, weil alle Grenzen fallen und wir mit einem Mausklick weltweit agieren können, wächst aber gleichzeitig das natürliche Bedürfnis nach Abgrenzung in diesem globalen Schmelztiegel. Um über Grenzen hinweg zusammenarbeiten zu können, wurden und werden Europaregionen gegründet. Ich bin also überzeugter Europäer, und zwar nicht eines Einheitsbreies oder der Nationalstaaten, sondern nur der regionalen Ausprägung. Europa kann nachhaltig nur ein Europa der Regionen sein.

Kontakt:

Dr. Florian Blaas

Amt für Forstverwaltung - Autonome Provinz Bozen
Landhaus 6, Brennerstraße 6
39100   Bozen
Telefon: +39 0471 41 53 10
Telefon: +39 0471 41 53 11
Fax: +39 0471 41 53 13
Website: http://www.provinz.bz.it/forst/verwaltung

Links und weiterführende Informationen:

>> Update vom 1. Juni 2017: Ratgeber Landesforstgesetz Deutschland: http://www.bussgeldkatalog.net/umweltschutzordnungswidrigkeiten/lfog/

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Lebenslauf

  • 1960 geboren in Meran, dort aufgewachsen und ansässig
  • 1979 Matura am Klassischen Lyzeum "Beda Weber" in Meran
  • 1979-1985 Studium der Forstwirtschaft an der Universität für Bodenkultur in Wien
  • 1985 Aufnahme in den Landesdienst, Amt für Forstplanung in Bozen
  • 1986 Militärdienst in Bruneck und Meran
  • 1987 zugeteilt dem Amt für Forstplanung in Bozen
  • 1988-1995 zugeteilt dem Forstinspektorat Meran 1
  • seit 1995 Direktor des Amtes für Forstverwaltung in Bozen

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