Schutz von Pflanzenarten

In der Europaregion Tirol-Südtirol-Trentino hat die Natur einen hohen Stellenwert. Die Natur bildet die Grundlage für unser zukünftiges Fortbestehen und gibt uns Kraft und Lebensmut. Daher gilt es sie zu erhalten und zu schützen.

Die Euregio-Rechtsfrage des Monats ist zu Gast bei Dr. Thomas Wilhalm, Konservator für Botanik im Naturmuseum Südtirol.

 

 

Weitere Informationen zum Thema der Euregio-Rechtsfrage des Monats

  • Herr Dr. Wilhalm, wie ist der Schutz von Pflanzenarten in unserer Europaregion geregelt?

"Der Artenschutz stützt sich im wesentlichen auf 2 Säulen. Eine Säule ist die Landesgesetzgebung. In Südtirol regelt das sogenannte „Naturschutzgesetz“ den Artenschutz, das seit 2010 in einer neuen Version vorliegt. In Tirol ist es die „Tiroler Naturschutzverordnung 2006“ und in der Provinz Trient die „Legge Provinciale sulle foreste e sulla protezione della natura“ aus dem Jahre 2007.Die zweite Säule bildet die EU-Richtlinie 92/43/EWG zur Erhaltung der natürlichen Lebensräume sowie der wildlebenden Tiere und Pflanzen (die sogenannte Flora-Fauna-Habitatrichtlinie). Sie verpflichtet alle Mitgliedsstaaten der EU zum gesetzlichen Arten- und Lebensraumschutz."

  • Das heißt, es gibt eine Reihe von Vorschriften in diesem Bereich. Wie werden diese umgesetzt?

"Das Naturschutzgesetz des Landes – das gilt für alle drei Länder – regelt den Artenschutz über Verordnungen und Sanktionen, i.d.R. Geldstrafen. Solche Verordnungen sind z.B. dass man in Schutzgebieten generell keine Pflanzen sammeln darf. Ein wichtiges Hilfsmittel sind Listen mit konkret zu schützenden Pflanzenarten. Schutz heißt, dass man diese Arten gar nicht oder nur in bestimmter Zahl pflücken darf, aber auch dass man ihren Lebensraum nicht zerstören darf.Die Flora-Fauna-Habitat-Richtlinien, kurz FFH-Richtlinien, verpflichten jeden Staat und letztlich jede Provinz Lebensräume und Arten von gemeinschaftlichem Interesse, die in Anhängen aufgelistet sind, konkret zu schützen. Handelt es sich um sogenannte prioritäre Lebensräume und Arten, müssen eigene Schutzgebiete ausgewiesen werden, sogenannte Natura2000-Gebiete."

  • Was sind Natura2000-Flächen und wie groß ist der Anteil von diesen Flächen in den einzelnen Ländern der Europaregion Tirol-Südtirol-Trentino?

"Natura2000 ist ein europaweites Netzwerk, das sich aus sogenannten Natura2000-Gebieten zusammensetzt. Diese enthalten Lebensräume und Arten, die nach den FFH-Richtlinien oder nach der europäischen Vogelschutzrichtlinie zu schützen sind. Der Schutz wird hier durch sogenannte Managementpläne gesteuert. Mindestziel ist, dass sich die Situation des Lebensraumes oder der speziellen Art nicht verschlechtert.In Südtirol sind 57 Natura2000-Gebiete ausgewiesen, die rund 20 Prozent der Landesfläche einnehmen. In Nordtirol sind es 13 mit knapp 15% der Landesfläche und in der Provinz Trient 142 mit 28% der Landesfläche. Aus dem Zahlenvergleich erkennt man die unterschiedliche Umsetzung von Natura2000 in den einzelnen Ländern. In Tirol sind es wenige große Flächen, im Trentino viele kleine. Südtirol liegt dazwischen mit einigen großen Flächen wie die Kernbereiche der Naturparke und des Nationalparkes und mehreren kleinen Flächen."

  • Was sind die größten Schwierigkeiten bei der Umsetzung des Artenschutzes?

"Schwierigkeiten ergeben sich einmal aus der Datenlage. Weiß man zu wenig über Verbreitung und Gefährdung von Pflanzenarten und der Lebensräume, in denen sie bevorzugt vorkommen, können schwer Schutzmaßnahmen formuliert werden. Ein klassischer Konflikt ergibt sich aus dem Spannungsfeld Biodiversität und Raumordnung oder Biodiversität und Landwirtschaft. Gerade die Intensivierung im Berggebiet stellt in Südtirol ein fast unlösbares Problem dar, weil sich die Ziele des Naturschutzes kaum mit den Zielen einer intensiven Landwirtschaft vereinen lassen. Schwierig wird Artenschutz zudem, wenn wirksame Kontrollmechanismen fehlen. Beispiel Bagatelleingriffe. Bei diesem Schnellverfahren der Projektgenehmigung wird der Arten- und Lebensraumschutz vielfach übergangen."

  • Was kann die Gesellschaft dazu beitragen, den Auftrag zum Artenschutz bzw. zum Erhalt der Biodiversität umzusetzen?

"Bei allen Projekten, die Natur- und Kulturlandschaft betreffen, ist der Aspekt der Biodiversität stärker einzubinden. Ein Appell an die Landesverwaltung: Wir benötigen dringendst ein Lebensrauminventar als wichtige Entscheidungsgrundlage der Raumordnung."

 

Mehr Informationen über den Schutz der Biodiversität in EUROPA und interessantes Material zum Weiterlesen unter

>> European Commission Press Release Database

 

Naturmuseum Südtirol
Dr. Thomas Wilhalm
Bindergasse 1
39100 Bozen
Tel. 0039 0471 41 29 60
Fax 0039 0471 41 29 79
E-Mail: info@naturmuseum.it

www.naturmuseum.it

 

Downloads:

> Interview Dr. Thomas Wilhalm 1 [DE]

> Interview Dr. Thomas Wilhalm 2 [DE]

> Interview Dr. Thomas Wilhalm 3 [DE]


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