1914/1918 – Ehre für das Vaterland? Projekt am Oberschulzentrum Sand in Taufers

Was wäre mit uns passiert, wären wir vor mehr als 100 Jahren zur Welt gekommen? Die Mädchen würden wahrscheinlich am Hof Männerarbeit leisten oder Socken stricken müssen für die Soldaten an der Front. Die Burschen würden entweder in Galizien oder irgendwo in den Dolomiten tagtäglich ums Überleben kämpfen müssen oder in italienische oder russische Kriegsgefangenschaft geraten.

Diese und ähnliche Fragen haben sich die Schülerinnen und Schüler der 4 Gb des Oberschulzentrums von Sand in Taufers im Laufe des heurigen Schuljahres gestellt. Dabei beschäftigten sie sich intensiv mit verschiedenen Quellen, unter anderem mit dem Kriegstagebuch von Karl Außerhofer aus Luttach/Weißenbach, dessen Schicksal den Schülern sehr nahe gegangen ist.

Im Herbst hatten sich mehrere Klassen der Schule auf Exkursion zum Monte Piano begeben, um den widrigen Bedingungen der Soldaten nachzuspüren. Ein Erlebnis der besonderen Art stellte sicherlich eine von der Europaregion Tirol, Südtirol, Trentino ins Leben gerufene Initiative „Zug nach Galizien“ dar. Besonders motivierte Schülerinnen und Schüler des OSZ Sand in Taufers haben sich für diese Reise mittels eines eigenen Projektantrages qualifiziert.

Was kann es also Besseres geben, als Geschichte hautnah mitzuerleben, an jene Plätze zu reisen wie etwa Tarnow oder Przemysl nahe der ukrainischen Grenze, um der eigenen Vorfahren bzw. der Opfer aller sinnlosen Kriege zu gedenken und gleichzeitig Europa als Friedensprojekt in den Mittelpunkt zu stellen und schätzen zu lernen.

Nach Hause zurückgekehrt galt es schließlich die gewonnenen Erlebnisse und Erfahrungen in einem Kunstprojekt aufzuarbeiten. Alle Schülerinnen und Schüler hatten sich im Vorfeld mit Kriegsdenkmälern beschäftigt und eines ausgewählt, das sie persönlich berührt hat. Im Laufe der Projektwoche ließen sie sich unter Anleitung der Künstlerin Heidi Unterberger von den Originalen inspirieren und gestalteten in Anlehnung daran unterschiedlichste Objekte.

Parallel dazu wurden Originalquellen zum Ersten Weltkrieg mit einem sehr lokalen Bezug – nämlich zum Ahrntal - gesichtet und analysiert: Gedenktafeln der „gefallenen Helden“ aus den verschiedenen Dörfern des Ahrntales, Ehrenbücher des Landesmuseums Tirol, Sterbebilder (eine besondere Art von Denkmal in bildlicher und schriftlicher Form), Familienchroniken, persönliche Briefe, Gedichte, Auszüge aus Kriegstagebüchern und Sekundärliteratur, die unmittelbar die Zeit des Ersten Weltkriegs im Tauferer-Ahrntal berühren, der Heimat eines Teils der Schülerinnen und Schüler. Mit tatkräftiger Unterstützung der Projektleiter Siglinde Hofer, Toni Pescosta und Christian Brugger wurden diese Quellen und „Denkmäler“ von den Schülern kritisch hinterfragt. Texte mit einem starken persönlichen Bezug wurden verfasst und schließlich eine gute Mischung von Quellen, literarischen und persönlichen Texten gestaltet.

Das Ergebnis stellte die Klasse 4 Gb schließlich am Tag zur „Politischen Bildung“ im Rahmen eines Wettbewerbes in Bozen einer fachkundigen Jury und einem zahlreichen Publikum vor. Dabei konnte die 4 Gb überzeugen und heimste eine hohe Punktezahl ein. Den Schülern als Gewinner der Kategorie 4. und 5. Klassen Oberschule war ein Lob von Schulamtsleiter Dr. Höllrigl und Schullandesrat Philipp Achammer gewiss.

Zum Abschluss des 100-Jahre-Gedenkens an den 1. Weltkrieg wird am Oberschulzentrum Sand noch eine Ausstellung der Kunstobjekte in Kombination mit einer Performance im Laufe des Monats Dezember 2014 bzw. im Jänner 2015 organisiert.

Text: Siglinde Hofer

 

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Homepage - OSZ Sand in Taufers

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