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112: Eine Nummer für alle Fälle

Seit heute (17. Oktober) gilt die in ganz Europa geltende Einheitliche Notrufnummer 112 auch in Südtirol.

In 39 Sprachen können die Anrufe entgegengenommen werden, da ein Simultanübersetzungsdienst verfügbar ist; links im Bild der Koordinator der Landesnotrufzentrale Paolo Berenzi. Foto: LPA/Maja Clara
Zoomansicht In 39 Sprachen können die Anrufe entgegengenommen werden, da ein Simultanübersetzungsdienst verfügbar ist; links im Bild der Koordinator der Landesnotrufzentrale Paolo Berenzi. Foto: LPA/Maja Clara

Als "enormen Qualitätssprung und eine autonomiepolitische Errungenschaft" bezeichnete Landeshauptmann Arno Kompatscher heute die neue Einheitliche Notrufzentrale bei der Vorstellung am Hubschrauberlandeplatz des Bevölkerungsschutzzentrums an der Drususallee in Bozen: Für das Trentino und Südtirol wurde eine Ausnahmeregelung erreicht, der Dienst konnte in diesem Fall in einem Einzugsgebiet mit nur einer Million Einwohnern aufgebaut werden. Zudem können die beiden Länder Südtirol und das Trentino den Aufbau und die Organisation des Dienstes selbst regeln.

Die Bearbeitungszeiten der Anrufe, hob der Trentiner Bevölkerungsschutzlandesrat Tiziano Mellarini hervor, seien seit der Einführung der Einheitlichen Notrufzentrale im Trentino am 6. Juni verkürzt worden, die Einsätze präziser planbar. Die Anzahl der missbräuchlichen Notrufe ist in diesen Wochen deutlich zurückgegangen.

Regierungskommissar Vito Cusumano lobte die Synergie, die durch diesen neuen Dienst ermöglicht wird. Mit zahlreichen Vertretern der Einsatzorganisationen wie Freiwillige Feuerwehr, Berufsfeuerwehr, Bergrettung, Weißes und Rotes Kreuz, Wasserrettung, Bergrettung und italienische Berg- und Höhlenrettung sowie der Ordnungskräfte nahmen auch Bevölkerungsschutzlandesrat Arnold Schuler und Gesundheitslandesrätin Martha Stocker an der offiziellen Zeremonie zum Start der neuen Einheitlichen Notrufzentrale teil. Dabei waren auch die Firmen, die an der Einrichtung der Einheitlichen Notrufnummer beteiligt waren.

"Notruf – Emergenza": 15 neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nehmen als Call Taker (Telefonisten) den Notruf entgegen und sehen gleichzeitig dessen Herkunft auf einem ihrer Bildschirme. Ihre Schreibtische im Turm des Bevölkerungsschutzzentrums in der Drususallee 116 in Bozen sind rund um die Uhr besetzt. "Was ist passiert? Gibt es Verletzte?" Die Call Taker (Telefonisten) füllen ein Formular mit den Erstangaben aus und übermitteln es je nach Bedarf den Disponenten des Rettungsdienstes oder der Feuerwehrzentrale im Nebenraum. Diese fragen nach weiteren Details – "Sind die Verletzten ansprechbar?" - und schicken die Einsatzfahrzeuge auf den Weg.

Zu den Mehrwerten des neuen Dienstes zählt neben der Möglichkeit der Lokalisierung des Anrufes auch eine Simultanübersetzung in 37 Sprachen. Und: Der Notruf 112 kann auch dann kostenlos abgesetzt werden, wenn der eigene Betreiber kein Signal hat, wohl aber ein anderer Betreiber.

Einheitliche Notrufzentrale mit  Standorten Bozen und Trient 

In einer ersten Phase nehmen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Einheitlichen Notrufzentrale alle Anrufe entgegen, die unter den Notrufnummern 118 (Rettungsnotfälle), 115 (feuerwehreinsätze), 113 (Polizei) und 112 (Carabinieri) eingehen. Nach einiger Zeit soll nur noch die einheitliche Europäische Notrufnummer 112 aktiv sein.

Für Südtirol und das Trentino wurde eine Einheitliche Notrufzentrale mit den zwei Standorten Bozen und Trient geschaffen. Beide Zentralen funktionieren im Normalfall als eigenständige technische Einheit. Im Falle eines Ausfalles bzw. einer momentanen Überlastung kann eine Zentrale die andere unterstützen oder auch ersetzen.

Die Einheitliche Notrufzentrale wird personalmäßig vom Sanitätsbetrieb geführt und technisch von der Agentur für Bevölkerungsschutz betrieben. Im Sitz der Agentur für Bevölkerungsschutz ist sie auch untergebracht, und zwar in unmittelbarer Nähe der bereits bestehenden Landesnotrufzentrale. Sie verfügt aus diesem Grund über dieselben Sicherheitsstandards und über eine unterbrechungsfreie Stromversorgung auch über Notstromaggregate. Zutrittskontrolle, Videoüberwachung und auch ein ständiger technischer Bereitschaftsdienst garantieren Sicherheit und Kontinuität.

Die Landesnotrufzentrale mit der Notrufnummer 118 für den Rettungs- und Bergrettungsdienst in Südtirol ist seit November 1993 aktiv. Seit dem Jahr 2003 sind die Notrufnummern 118 und 115 nach dem Vorbild der nordeuropäischen Länder in einer einzigen integrierten Leitstelle, der Landesnotrufzentrale, zusammengefasst. Seither werden von dieser alle Anrufe betreffend Sanitätsnotfälle, Feuerwehr-, Bergrettungs- und Wasserrettungseinsätze entgegengenommen, die jeweiligen Rettungskräfte alarmiert bzw. koordiniert. Zur Verfügung steht ein engmaschiges Netz an Einsatzorganisationen: 306 freiwillige Feuerwehren, 56 Bergrettungsstellen des nationalen Verbandes und des Alpenvereins Südtirol sowie 37 Sektionen des Weißen und Roten Kreuzes. In Bozen leistet zudem die Berufsfeuerwehr ihren Dienst. Insgesamt müssen landesweit 18.000 freiwillige Helfer und Beschäftigte koordiniert werden.

Vorteile und Neuigkeiten 

Mit dem Notruf werden die Lokalisierungsdaten mitgeschickt. In der Einheitlichen Notrufzentrale ist von Anfang an bekannt, von welchem Festnetzanschluss (Fixtelefon) der Anruf kommt bzw. in welcher Handyzelle ist das Mobiltelefon eingebucht. Durch die Handyzelle ist somit am Berg der Notrufende bereits ungefähr lokalisiert (der Disponent in der Einheitlichen Notrufzentrale kennt seine ungefähre Lage). Das ist derzeit nicht so: Der Disponent in der derzeitigen Landesnotrufzentrale muss erst genau ermitteln, wo sich der Anrufer befindet; das Telefonat dauert also länger derzeit, wegen der Ermittlung der Position.

Notrufe, die keine Notrufe sind, werden nicht an die operativen Zentralen (Feuerwehr, Rettung, Polizei und Carabinieri) weitergeleitet. Somit werden diese Zentralen entlastet und können sich auf die Einsätze konzentrieren. Keine Notrufe sind: Anrufe, die Kinder beim Spielen mit dem Handy generieren, "Spaß"-Anrufe, Anrufe, um Telefonkarten aufzuladen; dies kann Personen, die aus dem Ausland kommen, passieren, da diese ausländischen Servicenummern oft die italienische Notrufnummer enthalten.

Bei Einsätzen, wo viele Personen anrufen, können die Folgeanrufe abgeblockt werden, da das Ereignis schon bekannt ist. Somit werden die operativen Zentralen entlastet.

Durch die Einführung der Einheitlichen Notrufzentrale 112 wird auch die App "Where are u" aktiviert. Mit dieser können Notrufe abgesetzt werden, und dabei wird dann die GPS-Koordinate des Anrufenden mitgeschickt. Somit ist in der Einheitlichen Notrufzentrale die exakte Position des Anrufenden bekannt.

Mit der Einführung der Einheitlichen Notrufzentrale wurde auch ein Übersetzungsdienst beauftragt, um bei Notrufen durch ausländische Personen auch in deren Muttersprache kommunizieren zu können. Zusätzlich zu Deutsch und Italienisch können Notrufe in weiteren 37 Sprachen entgegengenommen werden.

Durch das gemeinsame Vorgehen und durch das gemeinsame Projekt mit Trient wurde eine identische Technik in Bozen und Trient installiert; damit ist es möglich, dass die Zentrale in Trient als Ausfallzentrale für Bozen bereitsteht und umgekehrt, die Zentrale in Bozen ist Ausfallebene der Zentrale von Trient. Somit kann im Bereich der Notrufannahme eine extrem hohe Ausfallsicherheit gewährleistet werden.

Nach Monaten der Vorbereitung hat heute die Einheitliche Notrufzentrale ihren Dienst aufgenommen: das Video

Video-Dateien zur heutigen Pressekonferenz zum Downloaden:

Einführung Einheitliche Notrufzentrale

Interview LH Kompatscher

Interview Landesrat Schuler

Interview Landesrätin Stocker

Interview stv. Direktor Agentur Bevölkerungsschutz Günther Walcher

Interview geschäftsführender Primar Landesnotrufzentrale Ernst Fop

Audio-Datei:

Interviews LH Kompatscher LR Schuler LRin Stocker LR Mellarini st. Dir. Walcher Primar Fop

(mac)


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