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Thüringens Ministerpräsident Ramelow besucht Südtirols LH Kompatscher

Voneinander lernen können beide Länder – dies der Tenor des Austausches zwischen Thüringens MP Bodo Ramelow und LH Arno Kompatscher.

MP Ramelow: "Viel lernen kann Thüringen von Südtirols arbeitsmarktnaher Bildung." Foto LPA/mgp MP Bodo Ramelow und LH Arno Kompatscher vor den Fahnen Thüringens und Südtirols.
Zoomansicht MP Ramelow: "Viel lernen kann Thüringen von Südtirols arbeitsmarktnaher Bildung." Foto LPA/mgp MP Bodo Ramelow und LH Arno Kompatscher vor den Fahnen Thüringens und Südtirols.

Exzellent begleitet und außerordentlich herzlich aufgenommen worden sei er in Südtirol – dafür bedankte sich Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow gleich zu Beginn des heutigen Empfangs im Palais Widmann  bei Landeshauptmann Arno Kompatscher. „Es ist ein Gefühl, als sei ich zuhause“, sagte Ramelow anerkennend.

Landeshauptmann unterstrich, wie sehr die Unternehmen Dr. Schär, Finstral und Alupress ihre Betreuung in Thüringen geschätzt hätten, als sie jeweils ihre Produktionsstätten in Apolda, Greiz und Hildburghausen eröffneten. „Ich bin froh, wenn es Südtirols Unternehmen andernorts leicht gemacht wird, sich anzusiedeln, um ihre Internationalisierung voranzubringen, denn das bedeutet schließlich, dass sie für die Zukunft stärker aufgestellt sind“, sagte der Landeshauptmann. „In diesem Fall ist es zudem so, dass diese beiden Unternehmen auch in ihre Südtiroler Standorte weiter investieren – beide Wirtschaftsstandorte ergänzen sich also.“

„Es zählt tatsächlich zu unserer Strategie, Betriebsansiedelungen schnell und unbürokratisch abzuwickeln. Es ist aber auch absolut verständlich, wenn Sie in Südtirol, wo nur 6 Prozent der Fläche bebaubar sind, nicht beliebig viel Industrie ansiedeln können“, sagte Ramelow. „In unseren Industriegebieten steht noch jede Menge Raum zur Verfügung. Dr. Schär hat beispielsweise aus einem Betrieb, der stark in Krise war, ein gut gehendes Unternehmen gemacht.“ Zudem gelte Thüringen als eine Brücke zum russischen Markt, so wie Südtirol zum italienischen.

Von Südtirol viel lernen könne hingegen Thüringen in Puncto arbeitsplatznaher Bildung. „Diesbezüglich sind wir in Thüringen zu schwerfällig“, sagte Ramelow. „Dasselbe gilt für den Tourismus, wo unsere Leute von euch eure Weltoffenheit gepaart mit Herzlichkeit erlernen sollten – ganz abgesehen von all dem, was Ihr schönes Land sowieso zu bieten hat“, sagte der Ministerpräsident zum Landeshauptmann.

Eine Gemeinsamkeit zwischen den beiden Ländern bestehe zudem darin, dass sie auf einen Ausbau der Eisenbahnstrecken bauen. Erfurt liege an der Schnellgeschwindigkeitsstrecke zwischen Frankfurt und Berlin und möchte die Chancen, die sich daraus ergeben, gut ausschöpfen. „Auch Südtirols Anbindung, beispielsweise an München, wird mit dem BBT und seinen Zulaufstrecken maßgeblich verbessert. Die Auswirkungen des Individualverkehrs sind nämlich für unser Land mittelfristig schädlich“, gab der Landeshauptmann zu bedenken.

Doppelt so groß wie Südtirol, viermal so viele Einwohner
Der Freistaat Thüringen ist mit seinen 16.000 Quadratkilometern etwa doppelt so groß wie Südtirol und zählt zu den kleineren deutschen Bundesländern. Seine Hauptstadt ist Erfurt. Das Bundesland mit seinen 2,2, Millionen Einwohnern grenzt im Süden an Bayern, im Westen an Hessen und im Osten an Sachsen. Thüringen verfügt über eine hohe Dichte an Kulturstätten von nationalem und internationalem Rang. Zum UNESCO-Welterbe gehören das „Klassische Weimar“, das Bauhaus in Weimar und die Wartburg bei Eisenach. Bodo Ramelow ist der einzige Ministerpräsident Deutschlands, der der deutschen Partei Die Linke angehört – er lenkt Thüringen seit 2014.

Seit der Wiedervereinigung litt Thüringen zunächst unter einer hohen Abwanderung, die das Land mittlerweile aufhalten konnte. Der Wanderungssaldo war 2013 erstmals seit 1996 wieder positiv. Ramelow sieht die Einwanderung auch als Chance. „Die 21.500 Einwanderer, die sich bei uns niedergelassen haben, sind alle in Maßnahmen zugunsten ihrer Inklusion involviert. Das war auch schon so, noch bevor ihr Asylverfahren abgeschlossen war“, sagte er. Sein Land habe jedenfalls die Flexibilität gelernt, die es braucht, um mit Einwanderung bei Routineabläufen gut umzugehen. Die Integrationskosten seien zwar von 25 Millionen Euro auf 479 Millionen geklettert, aber aus der Notwendigkeit, neue Unterkünfte zu schaffen, sei letztlich ein Sonderkonjunkturprogramm für die lokalen Handwerksbetriebe geworden.

Ramelow begrüßte nicht zuletzt den europäischen Geist, der in Südtirol herrsche. „Ich freue mich, an Südtirol ein Partnerland gefunden zu haben, das Populismus nicht zulässt – und sich damit auch Europa nicht kaputt reden lässt!“

mgp


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