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Neue EU-Absatzförderungspolitik: höhere Beiträge, gemeinsame Strategie

Über die Reform der Absatzförderungspolitik landwirtschaftlicher Erzeugnisse im Allgemeinen und über den europäischen Bergkäse im Besonderen hat heute (10. Oktober) EU-Referatsleiter Hans-Erwin Barth informiert; Landeshauptmann Arno Kompatscher und Landwirtschaftslandesrat Arnold Schuler haben die Tagung in der Handelskammer in Bozen eröffnet.

Haben die EU-Absatzförderung heute unter die Lupe genommen: (v.l.) LR Schuler, Hans Erwin Barth, LH Kompatscher und Handelskammer-Präsident Michl Ebner (Foto: LPA/chr)
Zoomansicht Haben die EU-Absatzförderung heute unter die Lupe genommen: (v.l.) LR Schuler, Hans Erwin Barth, LH Kompatscher und Handelskammer-Präsident Michl Ebner (Foto: LPA/chr)

Landeshauptmann Kompatscher erinnerte zunächst an die Bedeutung des Lebensmittelsektors in Südtirol, der mit einem Exportvolumen von rund 1,3 Milliarden Euro der wichtigste Sektor in Sachen Außenhandel sei. Der Erfolg fuße dabei auf der Qualitätsproduktion und in der einheitlichen Vermarktung Südtiroler Produkte über die Dach- und Qualitätsmarke. "Diese Strategien haben bereits Erfolge gezeitigt, das heißt allerdings nicht, dass wir uns auf den Lorbeeren ausruhen können", so Kompatscher. Vielmehr gelte es, sich den Herausforderungen zu stellen, die die Veränderungen auf den Märkten und bei den Ansprüchen der Konsumenten mit sich brächten: "Und ich bin sicher, dass das Setzen auf Qualität auch weiterhin der einzige Weg ist und wir diesen noch konsequenter beschreiten müssen", so der Landeshauptmann.

Das Qualitätsargument greift auch Landesrat Schuler auf, er verweist allerdings darauf, dass es in einem hart umkämpften globalen Markt wie jenem der Nahrungsmittel nicht ausreiche, qualitativ hochwertig zu produzieren. "Das ist eine notwendige, aber nicht die einzige Voraussetzung, wollen wir auf lange Sicht Erfolg haben", so Schuler. Vielmehr gelte es, die Vorzüge dieser Produkte möglichst breiten Schichten und großen Märkten vor Augen zu führen: "Absatzförderungsprogramme, die wir mit Hilfe der EU durchführen, sind dafür ein wichtiges Mittel", so Schuler.

Die Europäische Kommission unterstützt jedes Jahr Kampagnen zur Absatzförderung landwirtschaftlicher Erzeugnisse und zur Information der Verbraucher mit rund 50 Millionen Euro, so Hans-Erwin Barth, Leiter des Referats Absatzmaßnahmen in der Abteilung Multilaterale Beziehungen und Qualitätspolitik der Europäischen Kommission in Brüssel. In der Regel erhalten professionelle Erzeugerorganisationen Unterstützung, entweder für bestimmte landwirtschaftliche Erzeugnisse oder für besondere Methoden wie etwa den ökologischen Landbau. Absatzförderungskampagnen verdeutlichten Qualität, Nährwert und Sicherheit von landwirtschaftlichen Erzeugnissen aus der EU und den aus ihnen hergestellten Lebensmitteln, so Barth, der als Beispiel für länderübergreifende Absatzförderung den europäischen Bergkäse nannte.

Wie der Referent heute ausführte, könnten EU-Finanzmittel bis zur Hälfte der Kosten einer Kampagne decken, bei Maßnahmen zur Förderung des Verzehrs von Obst und Gemüse bei Schulkindern könne dieser Anteil auf bis zu 60 Prozent steigen. Das Gleiche gelte für Aktionen, die dazu anregen sollen, Alkohol verantwortungsbewusst zu konsumieren, oder dazu gedacht sind, auf die mit Alkoholkonsum verbundenen Gefahren hinzuweisen.

Zu den wesentlichen Änderungen des neuen gesetzlichen Rahmens für die Absatzförderungspolitik nach 2015 zählt Barth eine deutliche Erhöhung der Beihilfen für Informations- und Absatzförderungsmaßnahmen auf dem Binnenmarkt und in Drittländern, und zwar um 200 Millionen Euro ab 2019. Zudem werde eine europäische Absatzförderungsstrategie eingeführt, die eine bessere Ausrichtung der Aktivitäten sowie die Erhöhung der Anzahl von Programmen in Drittländern garantieren soll. Außerdem soll die Möglichkeit einer nationalen Kofinanzierung auslaufen, die zu Wettbewerbsverzerrungen aufgrund der uneinheitlichen Anwendung in den Mitgliedstaaten geführt habe, wobei das Ende dieser Kofinanzierung unter anderem durch den deutlich erhöhten EU-Anteil kompensiert werden solle. Neu sei zudem die Vereinfachung des Verfahrens mit einer Auswahl in einem Schritt auf Ebene der Kommission und die Abschaffung der Vorauswahl durch den Mitgliedstaat. Das Management der Mehrländerprogramme soll nach 2015 ausschließlich von der Kommission durchgeführt werden, um die Umsetzung zu erleichtern und deutlich mehr Programme zu fördern, die einen hohen europäischen Mehrwert haben.

mac


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