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Die Wirtschaft der Autonomen Provinzen Trient und Bozen

Der jährliche Bericht der “Banca d’Italia” mit dem Namen “Die Wirtschaft der Autonomen Provinzen Trient und Bozen” ist online verfügbar. Der Bericht bezieht sich auf das Jahr 2012 und wurde am 18. Juni in Bozen vorgestellt. Jener Bericht Nr. 5 vom Juni 2013 wurde innerhalb der Reihe “Die Wirtschaft der Regionen” veröffentlicht. Die Reihe setzt es sich zum Ziel Studien und Dokumentationen über gebietsbezogene Aspekte der italienischen Wirtschaft zu präsentieren. Der Bericht berichtet auch über den EVTZ Europaregion Tirol-Südtirol-Trentino.

 Hier im Anschluss führen wir den Originaltext der Seiten 10 und 11 des Berichtes an, in dem der EVTZ Europaregion Tirol-Südtirol-Trentino beschrieben wird:

 

DER EUROPÄISCHE VERBUND FÜR TERRITORIALE ZUSAMMENARBEIT "EUROPAREGION TIROL - SÜDTIROL - TRENTINO"

 

Um die gegenseitige Zusammenarbeit zu erleichtern und zu fördern, gründeten 2011 die autonomen Provinzen Trient und Bozen sowie das österreichische Bundesland Tirol den Europäischen Verbund für territoriale Zusammenarbeit (EVTZ) "Europaregion Tirol - Südtirol - Trentino", eine Einrichtung des öffentlichen Rechts mit eigener Rechtspersönlichkeit.

Geregelt ist die Gründung eines EVTZ durch die Verordnung (EG) Nr. 1082/2006 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 5. Juli 2006, mit der die grenzüberschreitende Zusammenarbeit zwischen den EU-Mitgliedsstaaten gefördert werden soll, die bis dahin bilateralen Abkommen überlassen war. An der Bildung eines EVTZ können sich Mitgliedsstaaten, regionale Behörden (auch die autonomen Provinzen Trient und Bozen), Lokalkörperschaften und Organismen des öffentlichen Rechts beteiligen, unter der Voraussetzung, dass die Gründer mindestens zwei Mitgliedsstaaten angehören. Jeder EVTZ hat eine eigene Satzung (die Organe und Arbeitsweisen definiert) sowie eine eigene Übereinkunft (die die Zielsetzungen festlegt). Die europäische EVTZ-Liste umfasst 34 solcher Einrichtungen, darunter fünf mit italienischen Mitgliedern und drei mit Geschäftssitz in Italien.

Zielsetzung der Europaregion ist die Förderung der territorialen Entwicklung ihrer Mitglieder, wobei die Kooperationsbereiche Bildung, Kultur, Energie, nachhaltige Mobilität, Gesundheit, Forschung und Innovation, Berglandwirtschaft und -umwelt besondere Beachtung finden. Der EVTZ wird durch seine Mitglieder finanziert und kann darüber hinaus Mittel von den europäischen Strukturfonds erhalten.

Nach einer Umfrage, die 2012 von den Handelskammern Trient und Bozen sowie von der Wirtschaftskammer Tirol durchgeführt wurde, halten die befragten Unternehmen eine Stärkung der Zusammenarbeit in den Bereichen Verkehr, Wissenschaft und Forschung, Bildung und Energie für besonders wichtig, während sie den Bereichen Finanzen, Landwirtschaft und Tourismus geringeres Potential beimessen. Die Ergebnisse der Umfrage zeigen außerdem beträchtliche Unterschiede in der Intensität der bilateralen Zusammenarbeit der Länder (auch als Folge der Sprachbarriere, vor allem zwischen Trentino und Tirol) sowie die gemeinsame Erwartung, dass die Zusammenarbeit im EVTZ in der Zukunft wachsen wird.

Die historischen Bande zwischen den autonomen Provinzen und dem Land Tirol reichen weit zurück (vor 650 Jahren bildeten die drei Länder unter den Habsburgern die Grafschaft Tirol). Nach dem Zweiten Weltkrieg war ihre wirtschaftliche Entwicklung ähnlich: In allen drei Ländern verringerte sich die Beschäftigtenzahl in der Landwirtschaft, verbreiteten sich kleine und mittelständische Industriebetriebe und wuchs die Bedeutung des tertiären Sektors (insbesondere des Tourismus); Ähnlichkeiten gab es auch bei der Sozial- und Umweltpolitik.

In diesem Kontext ergriffen die drei Länder die Möglichkeit zur Investition in ihre Zusammenarbeit, schufen Gelegenheiten zur Diskussion, stellten die bestehenden Ähnlichkeiten heraus und suchten nach Lösungen für gemeinsame Probleme. Die Europaregion erstreckt sich über eine Fläche von 26.000 qkm und hat insgesamt 1,76 Millionen Einwohner. Das Gebiet ist überwiegend bergig und liegt zu mehr als 70 Prozent in einer Höhe über 1000 m; die Bevölkerungsdichte liegt weiter unter dem jeweiligen nationalen Durchschnitt und reicht von 57 Einwohner/ qkm in Tirol bis zu 86 im Trentino (100 sind es in Österreich und 202 in Italien).

Die Wirtschaftsstruktur des EVTZ. - Bei den Unternehmen der Europaregion handelt es sich überwiegend um kleine Betriebe (unter 50 Mitarbeiter); weniger als 1 Prozent haben mindestens 250 Mitarbeiter. Der Primärsektor macht noch immer einen relevanten Anteil des Mehrwerts in den autonomen Provinzen aus (4 Prozent in Südtirol und 3 Prozent im Trentino, im Jahr 2009), während sein Anteil im Bundesland Tirol unter einem Prozentpunkt liegt. Der Anteil, mit dem die Industrie zum Mehrwert beiträgt, liegt zwischen 21 Prozent in Südtirol und 28 Prozent in Tirol, der Anteil der Dienstleistungen liegt knapp unter 75 Prozent (vgl. Tab. a9).

Nach den jüngsten Eurostat-Daten (2010) übersteigt das BIP-Pro-Kopf der drei Mitgliedsländer den durchschnittlichen EU-Wert (24.500 Euro) um 51 Prozent in der Provinz Bozen, um 26 Prozent in der Provinz Trient und um 45 Prozent in Tirol. Bei hohen Erwerbs- und Beschäftigtenquoten lagen die Arbeitslosenraten 2012 deutlich unter dem europäischen Durchschnittswert (10,4 Prozent). Der Anteil der erwachsenen Bevölkerung, der über eine abgeschlossene Hochschulausbildung verfügt, liegt in den drei Mitgliedsländern weit unter dem europäischen Durchschnitt (27,7 Prozent). Die Auslandsmärkte sind für den Absatz der Unternehmen der Europaregion wichtig, auch aufgrund ihrer geographischen Lage. Die Ausfuhr geht überwiegend in EU-Länder.

Von besonderer Bedeutung sind die Exporte von den beiden autonomen Provinzen nach Österreich (11 Prozent aus Südtirol und 5 Prozent aus dem Trentino) und von Tirol nach Italien (12 Prozent); für alle drei Mitgliedsländer ist Deutschland der wichtigste Absatzmarkt, der von einem Fünftel bis zu einem Drittel der Gesamtexporte aufnimmt.

 

Die vollständige Version kann online unter folgendem Link heruntergeladen werden:

http://www.bancaditalia.it/pubblicazioni/econo/ecore/2013/analisi_s-r/1305_trentino/1305-tedesco.pdf


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