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Brenner Memorandum für schnelle Verlagerung

Die Stickoxid-Werte in Tirol sind nach wie vor zu hoch, die Messstellen Vomp und Hall liegen österreichweit auf Platz eins und drei, was die Tage mit Luftwertüberschreitungen betrifft, wie der Verkehrsclub Österreich (VCÖ) heute berichtet. Das Land Tirol setzt deshalb voll auf Lufterholung, wie LHStvin Ingrid Felipe erläutert: „Wir wissen nach der ersten Bilanz des Luft-100ers, dass Tirol auf dem besten Weg vom Luftsanierungsgebiet zum Lufterholungsgebiet ist.“ Die erste Prognose sagt im Jahresschnitt drei bis vier Mikrogramm weniger Stickoxid voraus, im Jahresschnitt sollte sich die Lufterholung durch den Luft-100er bei zwei bis drei Mikrogramm Verbesserung einpendeln. Damit ist in Kombination mit weiteren geplanten Maßnahmen die Erreichung der von der Europäischen Union vorgeschriebenen Luftqualität bis 2020 möglich.

Weitere Maßnahmen zur Beschränkung des LKW-Transits sind dazu notwendig und stehen bevor: Vor drei Wochen haben die Euregio-MobilitätslandesrätInnen der zuständigen EU-Verkehrskommissarin Violeta Bulc das „Brenner Memorandum" übergeben, das konkrete Maßnahmen zur Verlagerung des Schwerverkehrs von der Straße auf die Schiene benennt. „Von der Straße auf die Schiene liegt der Schlüssel dazu, dass wir im Lufterholungsgebiet weitere Verbesserungen schaffen", sagt Ingrid Felipe. Das Memorandum verweist auf die Beschlüsse zur „Alpentransitbörse" und „Grenzüberschreitende Strategie zur Verkehrsverlagerung" des Südtiroler, Tiroler und Trentiner Landtages. Komplettiert wird die Maßnahmensammlung durch den Tagungsband der Verkehrswoche 2014. Ziel ist, so steht es im Memorandum, die erkennbare schrittweise Verlagerung des Straßengüterfernverkehrs auf die Schiene, die letztendlich die hohen Infrastrukturinvestitionen und die Aufrechterhaltung der Lebensqualität für die Bevölkerung und den Erholungsraum für die TouristInnen entlang des Brenner Korridors sichert.

Vorbild ist dabei laut Ingrid Felipe die Schweiz, die bereits einen Schienenanteil von zwei Drittel erreicht, die Anzahl der Lastwagenfahrten sinkt dank hoher Mauten und wird nächstes Jahr voraussichtlich erstmals weniger als eine Million betragen. In Tirol ist der Anteil der Schiene am Brennerkorridor zwischen 2010 und 2013 von 36 auf 29 Prozent gesunken. Verantwortlich dafür ist hauptsächlich, dass der Europäische Gerichtshof das sektorale Fahrverbot gekippt hat, das den Transport bahnaffiner Güter auf der Schiene vorschreibt. „Die heute publik gewordenen Zahlen der Luftwertüberschreitungen machen deutlich, dass die Einführung des sektoralen Fahrverbots für die Tiroler Lufterholung höchste Priorität hat, deswegen arbeiten wir daran auch mit Hochdruck", betont Ingrid Felipe. Das sektorale Fahrverbot soll noch dieses Jahr kommen.

Was das Land Tirol noch für die Lufterholung unternimmt:

* Erstmals investiert das Land Tirol im Doppelbudget 2015/16 mehr Geld in den öffentlichen Verkehr als in den Straßenbau. Das schlägt sich in deutlich wachsenden Zahlen bei den BenutzerInnen öffentlicher Verkehrsmittel nieder: Der Halbstundentakt im Tiroler Unterland bis Jenbach hat 50 Prozent Fahrgastzuwachs auf der S-Bahn gebracht. 90.000 TirolerInnen sind mittlerweile mit Öffi-Jahreskarten unterwegs.

* Die Strafen aus dem Luft-100er werden umweltfreundlich verwendet: 800.000 Euro sind für Heizungstausch in Privathaushalten vorgesehen. Wer eine alte Heizung hat und gerne teure und schmutzige Energie sparen möchte, kann für den Umbau bis zu 1.500 Euro Förderung vom Land bekommen. Wird die Förderung ausgeschöpft, können damit über 530 Tiroler Haushalte etwas zur besseren Luft beitragen. Informationen dazu gibt es unter www.tirol.gv.at/richtigheizen oder bei der Energie Tirol unter 0512/589913-20

* Mit 1,5 Millionen Euro fördert das Land Tirol die Umrüstung von Lkw: Damit sollen UnternehmerInnen dabei unterstützt werden, alte schadstoffreiche Lkw gegen neuere Modelle mit deutlich geringerem Schadstoffaustausch zu tauschen.

Links:
Die aus Gründen der Transparenz veröffentlichte Studie zur Lufterholung durch den Luft-100er finden Sie hier: https://www.tirol.gv.at/fileadmin/themen/umwelt/umweltrecht/Luftseiten/Be_EvalPermT100_Tirol_Nov2014-Jan2015.pdf

Das von den Landeshauptleuten und den zuständigen MobilitätslandesrätInnen unterzeichnete „Brenner Memorandum" finden Sie hier: https://wwwstatic.tirol.gv.at/t3tiro/uploads/media/Schreiben_Bulc_Deutsch.pdf


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