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Öffentlicher Nahverkehr: Südtiroler Landesregierung passt Ticket-Preise an

Eine Anpassung der Ticket- und Abo-Preise im öffentlichen Nahverkehr hat die Südtiroler Landesregierung heute (11. November) vorgenommen, und zwar unter Beibehaltung des Südtirol-Pass-Mottos: Wer mehr fährt, zahlt weniger. Demnach wirken sich die Anpassungen vor allem auf jene aus, die ihre Abos kaum nutzen, während Vielfahrer nicht mehr zahlen als zuvor. Für Schüler und Senioren gilt künftig eine Pauschale.

Die Anpassungen der Tarife sollen sporadische Nutzer dazu motivieren, ihre Abos öfter in die Hand zu nehmen
Zoomansicht Die Anpassungen der Tarife sollen sporadische Nutzer dazu motivieren, ihre Abos öfter in die Hand zu nehmen

Mobilitätslandesrat Florian Mussner stellte seinen Erläuterungen zum neuen Tarifsystem zunächst die Gründe für die Anpassung voran. Demnach hätten Staat und EU als Ziel vorgegeben, dass öffentliche Nahverkehrssysteme mindestens 35 Prozent ihrer Betriebskosten selbst tragen müssten. "In Südtirol sind wir bei gerade einmal 24 Prozent", so Mussner: 24 Prozent auf Kosten von jährlich rund 50 Millionen Euro für die lokale Bahn und noch einmal rund 80 Millionen Euro für den Linienbusbetrieb. Der öffentliche Nahverkehr werde demnach heute schon vom Bürger bezahlt, nur eben zu einem sehr hohen Prozentsatz indirekt. Mit der Anpassung der Tarife verteile man die Kosten besser auf jene, die das Angebot effektiv nutzten.

Nachdem die Abos ein Mittel seien, um die Bürger verstärkt zum Umstieg auf die Öffis zu bewegen, träfen die Anpassungen in erster Linie jene, die die öffentlichen Verkehrsmittel nur sporadisch nutzten, so der Landesrat. Die Daten dazu liefert das Mobilitätsressort des Landes: Von über 80.000 Abo+-Besitzern nutzten 36.000 das Abo weniger als einmal in der Woche, von über 75.000 Abo-65+-Abos würden knapp 41.000 weniger als einmal in der Woche entwertet und von rund 130.000 Südtirol-Pass-Nutzern würden 66.000 weniger als 1000 Kilometer jährlich fahren. "Wir versuchen deshalb, mit den Preisanpassungen auch eine zusätzliche Motivation zu geben, auf Busse und Bahn umzusteigen", so Mussner.

Konkret sehen die Anpassungen vor, dass es keine Gratis-Abos mehr geben wird. "Trotzdem aber bleibt der öffentliche Nahverkehr für die bisher kostenlos bedienten Gruppen extrem kostengünstig", so der Landesrat. So zahlen ab dem Schuljahr 2015/16 Schüler bis zur Matura und Vollzeitberufsschüler für ihr Abo+ eine Jahrespauschale von 20 Euro. Auch Senioren zahlen ab Anfang 2015 eine Jahrespauschale. Sie beträgt für Über-75-Jährige 20 Euro, für 70- bis 75-Jährige 75 Euro. Für letztere gibt's eine Übergangsregelung: Wer also 2015 70 wird, zahlt 75 Euro, 2016 zahlen die 70- und 71-Jährigen. Wer 2014 70 geworden ist, zahlt dagegen immer nur 20 Euro.

Angepasst werden mit 1. September 2015 zudem die Tarifstufen des Südtirol-Pass, wobei - ganz im Sinne des Südtirol-Pass-Mottos, wer mehr fährt, zahlt weniger - die Erhöhungen bei steigender Kilometerzahl sogar in Preissenkungen umschlagen. So werden die ersten 1000 Kilometer teurer als bisher (12 statt acht Cent pro Kilometer), von 1000 bis 2000 Kilometer steigt der Kilometerpreis von vier auf acht Cent. Ab 2000 Kilometer (bis 10.000) sinkt der Kilometerpreis von vier auf drei Cent, danach werden - wie bisher - zwei Cent pro Kilometer verrechnet. Ab 20.000 km fährt man auch weiterhin kostenlos.

"Vielfahrer zahlen demnach unverändert maximal 640 Euro im Jahr, für sie ändert sich auch nach der Anpassung nichts", so Mussner. Berufspendler auf mittleren Strecken hätten dagegen Preiserhöhungen bis zu 18 Prozent in Kauf zu nehmen (bei Strecken bis 12 Kilometer), ab einer Strecke von 16 Kilometer seien die Erhöhungen wieder kaum noch spürbar. Ähnliche Anpassungen erfolgen beim Südtirol-Pass family mit zehn statt sechs Cent für die ersten 1000 Kilometer, sieben statt drei Cent bis 2000 Kilometer, danach aber zwei statt drei Cent bis 10.000 Kilometer. Auch für Familien bleibt die Höchstgrenze pro Jahr bei 530 Euro unverändert.

"Neu eingeführt wird eine Bestpreis-Garantie", betonte heute der Mobilitätslandesrat. Heißt konkret: Mehr als 15 Euro pro Tag zahlt niemand, der mit seinem Südtirol-Pass im Land unterwegs ist. "Dies, weil die Ein-Tages-Mobilcard 15 Euro kostet und Südtiroler nicht gegenüber Touristen benachteiligt werden sollen", so Mussner, der abschließend betont hat, dass die Tarife - auch wenn sie mit dem heutigen Beschluss für die meisten Nutzer angehoben worden seien - immer noch weit unter jenen in den Nachbarländern lägen. So zahle ein Schüler in Tirol für ein Jahresabo 96 Euro, Senioren über 75 zahlten 120 Euro.

chr


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