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Plädoyer für den Frieden: Jugendliche reisen nach Auschwitz

Das Projekt "Promemoria_Auschwitz" bietet 17- bis 25-Jährigen die Möglichkeit, sich mit der Geschichte auseinanderzusetzen und daraus für die Zukunft zu lernen.

Landesrat Philipp Achammer begrüßte die Teilnehmer der Reise nach Auschwitz. Foto: LPA/Ingo Dejaco
Zoomansicht Landesrat Philipp Achammer begrüßte die Teilnehmer der Reise nach Auschwitz. Foto: LPA/Ingo Dejaco

Seit 2011 ermöglicht das Land Südtirol gemeinsam mit der Arbeitsgemeinschaft der Jugenddienste (AGJD), Deina Alto Adige Südtirol und Arciragazzi jährlich jungen Menschen im Alter von 17 bis 25 Jahren eine Reise in die Konzentrationslager von Auschwitz und Birkenau. In diesem Jahr wird die Reise wieder auf Euregio-Ebene organisiert.

Heute (2. Februar) haben sich die 170 Südtiroler Teilnehmer des Projekts "Promemoria_Auschwitz. Die Reise der Erinnerung" zusammen mit Gleichaltrigen aus dem Trentino und Tirol auf den Weg gemacht. Im Mittelpunkt des Bildungsprojektes steht eine einwöchige Fahrt nach Polen, wo die Jugendlichen unter anderem das Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau und die Fabrik von Oskar Schindler besichtigen werden. Die Landesräte Philipp Achammer und Florian Mussner haben die Gruppe am Nachmittag im Haus der Kultur in Bozen verabschiedet.

Landesrat Achammer sprach von einer "besonderen" Reise, die die Jugendlichen jetzt antreten werden. "Man kann nicht begreifen, wozu Menschen fähig waren", sagte Achammer, "sobald es keine Zeitzeugen mehr geben wird, die diese Hölle durchgemacht haben, wird es Aufgabe der jungen Generation sein, als Zeugen aufzutreten." Und daraus ergibt sich, so Achammer, "die Verantwortung, Nein zu sagen gegen die Mauern, die auch in der Gegenwert mancherorts wieder aufgebaut werden, und gegen die Ausgrenzung, damit sich die Vergangenheit nicht wiederholen kann." Daher bedankte sich der Landesrat bei den Teilnehmern für ihre Bereitschaft, an dieser Reise teilzunehmen.

"Persönliche Erfahrungen sind für die Erinnerungskultur unserer Jugend besonders wichtig, um die Errungenschaft des Friedens zu untermaueren und um nicht zu vergessen, dass die Demokratie und freundschaftliche Verbindungen zu anderen Volksgruppen und Staaten keine Selbstverständlichkeit sind, sondern die grundlegende Basis für ein gelungenes Zusammenleben", so Landesrat Florian Mussner. Mit auf dem Weg geben will der ladinische Landesrat den Schülern eine besondere Botschaft von Mahatma Gandhi, und zwar "Sei Du selbst die Veränderung, die Du Dir wünschst für diese Welt."

Die Grußworte von Landesrat Christian Tommasini, der an der heutigen Veranstaltung nicht teilnehmen konnte, überbrachte Michele Della Serra von Deina Südtirol. Tommasini drückte sein Bedauern darüber aus, dass er erstmals nicht persönlich anwesend sein konnte, da er aufgrund einer ärztlichen Visite verhindert war. Er unterstrich, wie sehr er das Projekt von Anfang an unterstützt hat. "In den letzten Jahren haben mehr als 900 Jugendliche aller Sprachgruppen gemeinsam die Konzentrationslager von Auschwitz und Birkenau besucht und sind verändert nach Hause zurückgekehrt. Außerdem haben sie das Durchgangslager in der Reschenstraße besichtigt, Freundschaften geschlossen und sind zu 'Leuchttürmen', Zeugen sowie wachen, aktiven und bewussten Bürgern geworden, die nicht vergessen, was die Shoah und der Holocaust als größte Tragödie der Menschheitsgeschichte bedeutet haben", stellte Tommasini fest. Dies versetze die Teilnehmer in die Lage, kritisch auch das zu hinterfragen, was derzeit in der Welt passiert. Aufgabe der jungen Generation sei es, den Kampf für eine bessere Gesellschaft fortzusetzen, sich nicht mit der Ungerechtigkeit abzufinden und der Logik der Gewalt entgegenzutreten, erklärte Tommasini und bezeichnete Freiheit, Willkommenskultur, Toleranz und Demokratie als Werte, die es mit Nachdruck zu verteidigen gelte. Abschließend drückte er seine Hoffnung aus, alle Teilnehmer bei der Abschlussveranstaltung in Toblach treffen zu können, wo sie sich über ihre Erfahrungen austauschen können.

Begleitet werden die Jugendlichen von Fachkräften und Teilnehmern vorhergehender Reisen, die vom Verein Deina mit der Unterstützung von Historikern darauf vorbereitet wurden. Bereits im Januar stand zudem ein Besuch im Dokumentationszentrum in Bozen und in der Synagoge in Meran auf dem Programm.

Die Arbeitsgemeinschaft der Jugenddienste (AGJD) und Arciragazzi haben zusammen mit Arci Trentino und Juff Tirol eine starke Partnerschaft aufgebaut, die den Jugendlichen mit der Reise die Gelegenheit bietet, einzigartige Erfahrungen und prägende Eindrücke zu sammeln. Gerade die aktive Auseinandersetzung junger Menschen mit lokaler und regionaler Geschichte und der Austausch zwischen den Sprachgruppen ist der große Mehrwert dieses Projektes. Abgerundet wird das Projekt von einem zweitägigen Nachtreffen in Toblach im März 2017, bei dem das Erlebte, verbunden mit einem Ausblick in die Zukunft, im Mittelpunkt stehen wird.

me


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