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Euregio: Seniorenwohnheime setzen auf Einbeziehung und Netzwerkarbeit

Im Bereich von Altenpflege und Seniorenheimen strebt die Europaregion den Aufbau eines Netzwerkes und einen verstärkten Wissensaustausch an. Vor diesem Hintergrund lud sie heute (6. 11.) Führungskräfte und Verantwortliche der Seniorenwohnheime Tirols, Südtirols und des Trentino zum fünften Euregio-Symposium nach San Michele ein, bei dem es um Beteiligung und Empowerment ging.

(von r - l) Arge Tirol Karl Thurnbichler, UPIPA Andrea Giacomelli, Landesrätin Autonome Provinz Trient Donata Borgonovo Re, VdS Norbert Bertignoll, Land Tirol Johann Wiedemair
Zoomansicht (von r - l) Arge Tirol Karl Thurnbichler, UPIPA Andrea Giacomelli, Landesrätin Autonome Provinz Trient Donata Borgonovo Re, VdS Norbert Bertignoll, Land Tirol Johann Wiedemair
(von r - l) Vortrag von Ennio Ripamonti “Was versteht man unter Empowerment und wie wird es begünstigt?”
Zoomansicht (von r - l) Vortrag von Ennio Ripamonti “Was versteht man unter Empowerment und wie wird es begünstigt?”
Eröffnung der Ausstellung „MiMeRicordo“ – Storie di vita – Memoria di Comunità (Ausstellung in Zusammenarbeit mit dem “Museo degli Usi e Costumi della Gente Trentina”)
Zoomansicht Eröffnung der Ausstellung „MiMeRicordo“ – Storie di vita – Memoria di Comunità (Ausstellung in Zusammenarbeit mit dem “Museo degli Usi e Costumi della Gente Trentina”)


 "Aktive Teilnahme und EMPOWERMENT zur Stärkung der NETZWERKE - Warum sprecht ihr über mich und nicht mit mir?" - Unter diesem Motto haben sich heute im Bildungszentrum der Stiftung "Edmund Mach" in San Michele all'Adige rund 150 Tagungsteilnehmende aus allen drei Teilen der Europaregion den ganzen Tag über mit der aktiven Beteiligung und Einbeziehung von Heimbewohnenden und deren Familienangehörigen auseinandergesetzt. Wichtiger Bestandteil ist dabei das so genannte Empowerment, also die Selbstbestimmung oder Selbstkompetenz. Die Veranstaltung soll einen Denkprozess anstoßen, der die Entwicklung immer stärker personalisierter Dienstleistungen zum Ziel hat.

Auf die unterschiedlichen Bedürfnisse der Heimnutzenden sollte verstärkt eingegangen werden. Dabei seien die Lebensqualitätsstandards stets im Auge zu behalten. Dafür sprach sich Ennio Ripamonti von der Mailänder Universität Bicocca aus. In seinem Vortrag "Was versteht man unter Empowerment und wie wird es begünstigt?" lieferte er die theoretischen Grundlagen zum Tagungsthema.

Massimo Giordani, der Direktor des Trentiner Landesverbandes der Trentiner Seniorenwohnheime (UPIPA), stellte das Ausstellungsprojekt "MiMeRicordo" vor. Dieses baut auf eine Sammlung buntgemischter Erinnerungsfragmente aus dem Leben hunderter älterer Menschen im Trentino auf, die damit zu Protagonisten im Pflegewohnheim werden. Anhand von Wettbewerben zur Erinnerung der Senioren könne das Netzwerk zwischen Heimen, den Nutzenden und den Familienangehörigen belebt und gestärkt werden.

Thomas Zöttl vom Wohn- und Pflegeheim Unterperfuss in Tirol stellte die Vernetzung zwischen den Tiroler Heimen in den Mittelpunkt seiner Ausführungen, nach dem Motto "Gemeinsam sind wir stark! - Fünf Tiroler Einrichtungen setzen gemeinsame Schwerpunkte in der Mitarbeiterausbildung".

An die Heimangestellten und die Dienstleitenden richtete sich anschließend Oswald Mair, der Direktor des Verbandes der Seniorenwohnheime Südtirols: In seinem Vortrag ging er auf die Vernetzung zwischen Ausbildungsstätte und Arbeitswelt und das damit zusammenhängende Empowerment der Mitarbeitenden und Auszubildenden ein.

Beste-Praxis-Beispiele aus den drei Ländern der Europaregion wurden am Nachmittag präsentiert. Georg Berger, der Geschäftsführer der Heime von Hall in Tirol, berichtete von positiven Erfahrungen mit der institutionsübergreifenden Zusammenarbeit, die den betreuten Menschen mit seinem Umfeld in den Mittelpunkt stelle.

Rita Obkircher, Pflegedienstleiterin der Sarner Stiftung in Sarnthein, schilderte den Freiraum für alternative Beschäftigungsfelder für Heimbewohnende am Beispiel der 89-jährigen Malerin Anna Spieß. "Zweck und Ziel unserer Organisation muss es sein, die Stärken der Menschen produktiv und ihre Schwächen unwesentlich zu machen", unterstrich Obkircher.

Gianfranco Maino, Leiter des Senioren- und Pflegeheimes in Riva del Garda, erzählte zum Abschluss die Geschichte des Rollstuhlfahrers und Spitzensportlers Mauro Tomasi. Sein Eintritt ins Heim habe dessen Struktur von Grund auf verändert. "Mauro hat uns gezeigt, dass moderne Pflegeheime sich viel stärker an die individuellen Bedürfnisse ihrer Bewohnenden anpassen müssen", so Maino. Mittlerweile werde kostenloses Internet angeboten, Öffnungszeiten würden flexibel gehandhabt und das autonome Handeln der Heimbewohnenden werde aktiv und oftmals auf unkonventionelle Art gefördert. Die Anwesenheit von Mauro Tomasi selbst und sein Statement bestätigten eindrücklich die Trentiner Strategien des Empowerments im Seniorenwohnheim von Riva. 

Veranstaltet wurde das 5. Euregio-Symposium der Seniorenwohnheime von der Europaregion Tirol-Südtirol-Trentino in Zusammenarbeit mit dem zuständigen Trentiner Landesverband, der "Unione Provinciale Per l'Assistenza/UPIPA".

jw


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