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Abwasserreinigung: erster grenzübergreifender Kanalanschluss in Betrieb

Erstmals wurde in Südtirol eine Gemeinde außerhalb der Landesgrenzen an das eigene Kanalisationsnetz angeschlossen: Umweltlandesrat Richard Theiner hat heute nachmittag (29. April) den Kanalanschluss der eidgenössischen Gemeinde Val Müstair an die Kläranlage Obervinschgau in Glurns offiziell in Betrieb genommen.

Die Kläranlage Obervinschgau in Glurns reinigt nun auch die Abwässer der Bündner Gemeinde Val Müstair.
Zoomansicht Die Kläranlage Obervinschgau in Glurns reinigt nun auch die Abwässer der Bündner Gemeinde Val Müstair.

Im Oberen Vinschgau ist im Bereich der Abwasserreinigung eine praktische, grenzüberschreitende Lösung getroffen worden: Die Gemeinde Val Müstair in Graubünden wurde an die Kläranlage Obervinschgau in Glurns angeschlossen. Zur symbolischen Eröffnung des Kanalanschlusses luden heute (29. April) die Bezirksgemeinschaft Vinschgau, die Gemeinde Val Müstair und das Amt für Gewässerschutz der Landesumweltagentur zunächst in die Kläranlage Sot Rivas in Val Müstair und danach in die Kläranlage Obervinschgau in Glurns.

"Südtirol hat in den vergangenen 25 Jahren viel in seine Kläranlagen und in sein Kanalisationsnetz investiert: Über 922 Millionen Euro sind seit 1989 seitens des Landes in diesen Bereich geflossen", wies Umweltlandesrat Richard Theiner bei der Inbetriebnahmefeier auf den hohen Standard Südtirols in der Abwasserreinigung hin. Dadurch sei es auch möglich, einen effizienten Schutz des Oberflächen- und Grundwassers im Land zu gewährleisten.

Bei dem Projekt im Obervinschgau handelt es sich um kein "übliches" Projekt im Bereich Gewässerschutz, sondern erstmals wurde eine grenzüberschreitende Lösung umgesetzt. "Der Anschluss der Gemeinde Val Müstair an die Kläranlage Obervinschgau hat Beispielwirkung", betont Landesrat Theiner. "Dadurch können Investitions- und Betriebskosten gespart und gleichzeitig die Umwelt geschont werden."

Die Kläranlage Obervinschgau in Glurns ist für die Abwasserreinigung der Gemeinden Graun, Mals, Schluderns, Glurns und Taufers im Münstertal (10.700 Einwohner) verantwortlich und auf 30.000 EW (Einwohnerwerte) ausgelegt. Mit dem nun erfolgten Anschluss ist die Gemeinde Val Müstair (1.545 Einwohner) dazugekommen, deren Anschlusswert bei 4.000 EW (Einwohnerwerten) liegt. Die Einwohnerwerte berücksichtigen dabei neben der ansässigen Bevölkerung auch die Touristen, industrielle Abwässer sowie andere Benutzer (wie Kasernen, Krankenhäuser, Pendler).

Konkret verläuft die neue Hauptkanalisation Val Müstair von der Kläranlage Sot Rivas in Val Müstair über die Grenze bis zum Anschluss bei Taufers im Münstertal. Sie erstreckt sich über eine Länge von 673 Metern, davon 350 Meter auf Südtiroler Seite, und wurde zur Gänze von der Gemeinde Val Müstair realisiert. Auf dem Areal der alten Kläranlage auf Schweizer Seite erfolgt die Messung der Abwassermengen und - falls nötig - deren Begrenzung durch einen Durchflussregler, wobei eventuell höhere Mengen als die maximal zulässige Abwassermenge von 36 Litern pro Sekunde aus der Schweiz in einem Regenrückhaltebecken zurückgehalten werden.

Wie der Präsident der Bezirksgemeinschaft Vinschgau, Andreas Tappeiner, betonte, seien für die Bezirksgemeinschaft keine zusätzlichen Investitionen notwendig gewesen. Auch er lobte die gute grenzübergreifende Zusammenarbeit. Von Schweizer Seite waren unter anderen der Gemeindepräsident der Gemeinde Val Müstair, Arno Lamprecht, sowie Enrico Bott, zuständig für die Abwasserentsorgung im Gemeindevorstand Val Müstair, anwesend.

Unter fachkundiger Führung durch die Klärfacharbeiter konnte die Kläranlage in Glurns im Anschluss an die offizielle Feier von allen Interessierten besichtigt werden.

Chronologie des Kanalanschlusses

Ende 2009 hatte sich die Bündner Gemeinde Val Müstair bei der Bezirksgemeinschaft Vinschgau um einen Anschluss an die Kläranlage Obervinschgau in Glurns angefragt. Die seit 1977 bestehende Kläranlage Val Müstair (Sarinera Sot Rivas) hätte umfangreich erneuert bzw. erweitert werden müssen.

Es folgte eine Reihe von Aussprachen und Verhandlungen über Machbarkeit, technische Details sowie Kostenbeteiligung, bei denen die Landesumweltagentur eine koordinierende Rolle spielte. Nach der positiven Entscheidung der Gemeinde Val Müstair mittels Gemeindeversammlung erfolgte im September 2012 die Unterzeichnung einer Vereinbarung über die Zusammenarbeit für die Dauer von 30 Jahren durch die Gemeinde Val Müstair und die Bezirksgemeinschaft Vinschgau.

Im Anschluss wurde das Projekt für die Hauptkanalisation ausgearbeitet. Während der Grabungsarbeiten wurden bei der St. Rochuskirche in Puntweil (Taufers im Münstertal) Reste einer Römersiedlung (1. bis 4. Jahrhundert n. Chr.) gefunden - die entsprechenden Ausgrabungen wurden im vergangenen Jahr durchgeführt. Ende 2013 konnten die Bauarbeiten abgeschlossen und der Probebetrieb aufgenommen werden. Seit Februar 2014 läuft der Normalbetrieb.

Abwasserreinigung in Südtirol

Derzeit sind in Südtirol 49 Kläranlagen mit einer Gesamtkapazität von über 1,9 Millionen Einwohnerwerten in Betrieb. Ganze 97,2 Prozent der gesamten Einwohnerwerte des Landes sind an das Kanalisations­netz und an eine öffentliche Kläranlage angeschlossen. Konkret handelt es sich um über 1,6 Millionen Einwohnerwerte. Weitere ein Prozent befinden sich am Rand der Siedlungsgebiete und können in Zukunft angeschlossen werden; nur 1,8 Prozent sind hingegen als Streusiedlungen eingestuft und können nicht an die Kanalisation angeschlossen werden, weshalb die Abwässer mittels eigener Kleinkläranlagen vor Ort gereinigt werden.

(mpi)


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