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Billiger Strom: Südtiroler Landesregierung stimmt Abkommen zwischen MEMC, SEL und TIWAG zu

Südtirols Landeshauptmann Luis Durnwalder sprach von einer "Entscheidung mit größter politischer Bedeutung", als er von der Übereinkunft des kriselnden Siliziumherstellers MEMC mit den Landesenergiegesellschaften SEL und TIWAG berichtete. Die Südtiroler Landesregierung hat dieser Zusammenarbeit, die der MEMC durch die Lieferung von billigem europäischen Strom durch die SEL und TIWAG die Wiederaufnahme der Produktion im Mai 2014 ermöglichen soll, am 16. Dezember 2013 zugestimmt.

Seit fast zwei Jahren versucht die Landesregierung in Verhandlungen mit der MEMC-Konzernleitung und dem Wirtschaftsministerium in Rom die Arbeitsplätze im MEMC-Werk in Sinich zu retten. Der Schlüssel dazu ist billigerer Strom, weil der Siliziumproduzent sehr viel Energie für die Herstellung seiner Produkte benötigt. Solange die MEMC den Strom nicht zu konkurrenzfähigen Preisen einkaufen kann, steht die Produktion in den Werkshallen still und etwa 350 Mitarbeiter stehen ohne Arbeit da.

Mit der Verabschiedung des so genannten "Wachstums-Dekrets" hat die Regierung in Rom den ersten konkreten Schritt zur Sicherung des MEMC-Standortes in Meran-Sinich gesetzt, danach hat das Land die Schließung der Stromleitungslücke am Brenner in Angriff genommen, damit die MEMC Strom auf dem europäischen Markt und damit zu niedrigeren Preisen einkaufen kann. In den vergangenen Monaten ist zwischen Land, MEMC und dem staatlichen Stromnetzbetreiber Terna, der Tiroler TIWAG und der SEL verhandelt worden, wie der Strom in der Praxis über den Brenner importiert werden kann.

Diese Verhandlungen sind nun in einen Vertrag zwischen MEMC, SEL und TIWAG eingeflossen, dem die Landesregierung heute ihre grundsätzliche Zustimmung gegeben hat. „Die MEMC hat mit der SEL einen Vertrag abgeschlossen und diese ist mit der TIWAG eine Vereinbarung eingegangen, damit die Stromlücke am Brenner in zwei bis zweieinhalb Jahren geschlossen werden kann. Die TIWAG wird die Leitung von Gries bis zum Brenner, die SEL von Brenner bis Brixen ausbauen, so dass künftig 70 Megawatt Strom pro Stunde fließen können", erklärte Landeshauptmann Durnwalder.

Weil die Lücke aber erst in zwei Jahren geschlossen ist und die Wiederaufnahme der Produktion so bald wie möglich erfolgen soll, wird die SEL schon vor der Fertigstellung der Leitung der MEMC billigeren Strom bereit stellen. Die SEL wird die Arbeiten vorfinanzieren, die Gegenleistung erfolgt dann, wenn  die Leitung steht. Dann wird nämlich nicht die gesamte Kapazität für die Deckung des Strombedarfs der MEMC genutzt und so kann der verbleibende importierte Strom über die SEL auch anderen Nutzern zur Verfügung gestellt werden. An der zu gründenden Gesellschaft wird die SEL mit 18 Prozent, die TIWAG mit 33 und die MEMC mit 48 Prozent beteiligt sein. In 15 Jahren gehen die Leitung dann an die Terna über. "Die SEL übernimmt die Kosten der Investition in die Leitung und verpflichtet sich bereits jetzt, den Strom billiger anzubieten. Dies wird danach verrechnet. Die Schätzungen der Kosten für den Leitungsausbau reichen von 2,5 bis 7,5 Millionen. Diese wird die MEMC in Jahresraten zurückzahlen", erklärte der Landeshauptmann.

Für Durnwalder hat die Übereinkunft politische Signalwirkung: "Die Mitarbeiter der MEMC können auf die Rückkehr zum Arbeitsplatz hoffen und die Zusammenarbeit zwischen SEL und TIWAG ist ein wichtiger Impuls für die grenzüberschreitende Zusammenarbeit in einem Schlüsselsektor." Durnwalder wies auch darauf hin, dass die Übereinkunft nun in Rom genehmigt werden müsse, sodass mit der Wiederaufnahme der Produktion im MEMC-Werk im Mai 2014 zu rechnen sei.

Die Terna ihrerseits wird unabhängig vom MEMC-Abkommen 100 Millionen Euro in das Südtiroler Stromleitungsnetz investieren. "Der von den Wasserkraftwerken und der Photovoltaik-Anlagen erzeugte Strom kann teilweise nicht mehr abtransportiert werden, weil die Leitungen nicht mehr den notwendigen Kapazitäten gewachsen sind. 100 Millionen Euro sind eine Summe, mit denen das Stromnetz modern ausgebaut werden kann", ist Durnwalder überzeugt.

(DIKOM/ohn)


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