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Südtirol: "Aufnahme von Asylbewerbern ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe"

Die aktuelle Situation der Asylbewerber, ihrer Unterbringung und ihrer Begleitung in Südtirol war Thema einer Pressekonferenz am heutigen Montag (19. Dezember).

Die Situation der Asylbewerber in Südtirol stand im Mittelpunkt einer Pressekonferenz mit LRin Stocker, LH Kompatscher, Unternehmer Frasnelli und Abteilungsdirektor Critelli (v.r.n.l.) am Montag
Zoomansicht Die Situation der Asylbewerber in Südtirol stand im Mittelpunkt einer Pressekonferenz mit LRin Stocker, LH Kompatscher, Unternehmer Frasnelli und Abteilungsdirektor Critelli (v.r.n.l.) am Montag
"Wir wollen helfen", unterstrich Landeshauptmann Kompatscher. Foto: LPA/Barbara Franzelin
Zoomansicht "Wir wollen helfen", unterstrich Landeshauptmann Kompatscher. Foto: LPA/Barbara Franzelin

Die Südtirol zugewiesenen Asylbewerber sind aktuell in 23 verschiedenen Aufnahmeeinrichtungen in Südtirol untergebracht. Eine dieser Unterkünfte ist der Zeilerhof in Bozen/Gries, in dem Südtirols Landeshauptmann Arno Kompatscher, Landesrätin Martha Stocker und Volontarius-Präsident Claude Rotelli am heutigen Montagvormittag einen Überblick über die aktuelle Situation in Südtirol gaben und Bilanz über das zu Ende gehende Jahr 2016 zogen.

Südtirols Landeshauptmann Arno Kompatscher: "Wir wollen helfen"

"Es ist kein Zufall, dass diese Pressekonferenz in einem Gebäude in Privateigentum stattfindet: Die Aufnahme von Asylbewerbern in Südtirol ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe", unterstrich Landeshauptmann Kompatscher die Bedeutung der Unterstützung seitens privater Bürger neben den Einrichtungen und Organisationen in diesem Bereich. Südtirol habe die Pflicht, Menschen auf der Flucht zu helfen – im Sinne "unserer christlich-humanistischen Werte", so der Landeshauptmann. "Und wir wollen helfen." Für die Bewältigung dieser Aufgabe brauche es allerdings auch klare Regeln und Bedingungen, im Rahmen welcher die Aufnahme von Asylbewerbern stattfinden könne. Für das neue Jahr wünschte sich der Landeshauptmann dabei, dass die internationale Staatengemeinschaft Wege findet, um diese humanitäre Herausforderung zu bewältigen.

Asylbewerber in Südtirol: Daten und Fakten

"Wir haben Wert darauf gelegt, dass bei dieser Pressekonferenz auch Anrainer, Stadtviertelräte und Gemeindevertreter anwesend sind", betonte Soziallandesrätin Stocker die Bedeutung deren Engagements. Stocker dankte auch Hausbesitzer Hellmuth Frasnelli für seinen Einsatz, denn "wir haben nicht so viele Frasnellis in diesem Land, die sich trotz großen Druckes aus dem Umfeld zu diesem sozialen Auftrag stehen", so Stocker, die auf die Zahlen, Daten und Fakten zur Aufnahme von Asylbewerbern in Südtirol einging.

In Südtirol gibt es aktuell 23 Aufnahmeeinrichtungen für Asylbewerber: neun in Bozen, zwei in Meran und je eine Unterkunft in Eppan, St. Ulrich, Riffian, Kastelruth, Vintl, Wiesen, Brixen, Tisens, Mals, Villnöss und Pfatten. Zwölf dieser Einrichtungen werden vom Verein Volontarius geführt, zehn von der Caritas und eine in Zusammenarbeit zwischen Weißem Kreuz, Rotem Kreuz und Volontarius.

In den Aufnahmeeinrichtungen sind aktuell 1284 Menschen in Flüchtlingseinrichtungen untergebracht, etwa 70 in Pensionen. Zu diesen kommen sukzessive die von der Quästur zugewiesenen Asylbewerber bis zur staatlich vorgesehenen Quote von 1470.

Die aufgenommenen Menschen stammen aus Nigeria (25 Prozent), Pakistan (17 Prozent) und Gambia (10 Prozent). 56,6 Prozent haben ihren Antrag auf Asyl gestellt und warten auf eine Antwort, 31,5 Prozent haben Rekurs gegen eine Ablehnung eingereicht, 5,1 Prozent haben einen Schutzstatus oder eine Aufenthaltsgenehmigung erhalten und 3,8 Prozent haben eine Mitteilung über eine Ablehnung bekommen. 14,1 Prozent der Asylbewerber (190 Menschen) haben derzeit einen Arbeitsvertrag, 60 bis 80 Menschen sind an gemeinnützigen Projekten in Gemeinden beteiligt. Es handelt sich hierbei um Werte, die mit den Erfahrungen in Österreich und in Deutschland vergleichbar sind.

Kompetenzencheck für Eingliederung am Arbeitsmarkt

Sprachkurse (mehr als 3000 Stunden in 90 Kursen pro Monat) sind nur eines der Mittel zur Förderung der Integration von Asylbewerbern. In Zusammenarbeit mit der Sozialgenossenschaft AKRAT soll künftig ein Pilotprojekt zur Abklärung praktischer und sozialer Kompetenzen gestartet werden, damit die Asylbewerber gezielter an bestimmte Berufsfelder, Berufsvorbereitungen und Arbeitsbereiche herangeführt werden können. "Die Kompetenzen sind nicht immer die höchsten: Alphabetisierungs- und Sprachkurse sowie der Kompetenzencheck eröffnen den Weg in die richtige Ausbildung, damit Asylbewerber dann das leisten können, was sich Arbeitgeber erwarten", unterstrich Landesrätin Stocker.

Menschen auf Flucht: Hilfe in den Einrichtungen und an den Bahnhöfen

Volontarius-Präsident Claude Rotelli gab abschließend einen Überblick über die Tätigkeit seines Vereines, der im Auftrag des Landes mit 106 Mitarbeitern und vielen freiwilligen Helfern die Menschen in 13 Aufnahmeeinrichtungen, auf der Straße und entlang der Brennerroute betreut. "Wir sollen die Menschen nicht zu einem Weg zwingen oder überreden, wenn sie ihre Wünsche wo anders hinführen, wir können sie aber in ihren Grundbedürfnissen unterstützen", ging Rotelli auch auf die Hilfestellungen an Menschen auf der Flucht entlang der Brennerachse ein.

Dankbarkeit drückte abschließend ein im Zeilerhof untergebrachter Asylbewerber aus – dafür, dass er ein Dach über den Kopf habe und seine Familie in Frieden und Sicherheit sei.

mp


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