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Neue Informationsbroschüre zur Flüchtlingshilfe in Südtirol vorgestellt

25.900 flüchtende Menschen wurden auf ihrer Durchreise im zu Ende gehenden Jahr 2015 am Bahnhof Brenner unterstützt, 16.100 Flüchtlinge waren es in Bozen. Aktuell leben 900 Asylantragsteller in 14 Einrichtungen des Landes Südtirol. Bei einer Medienkonferenz am Montag (21. Dezember) wurde Bilanz über Flüchtlingshilfe in Südtirol gezogen und eine neue Informationsbroschüre vorgestellt.

Abteilungsdirektor Critelli, Landesrätin Stocker und EURAC-Forscherin Mitterhofer (v.l.n.r.) zogen am heutigen Montag Bilanz über die Flüchtlingshilfe in Südtirol. Foto: LPA/Barbara Franzelin
Zoomansicht Abteilungsdirektor Critelli, Landesrätin Stocker und EURAC-Forscherin Mitterhofer (v.l.n.r.) zogen am heutigen Montag Bilanz über die Flüchtlingshilfe in Südtirol. Foto: LPA/Barbara Franzelin

Soziallandesrätin Martha Stocker und der Direktor der Landesabteilung Soziales Luca Critelli haben am heutigen Montag auf die Flüchtlingshilfe 2015 in Südtirol zurückgeblickt, die Schwerpunkte für das kommende Jahr erläutert und gemeinsam mit der Forscherin am Institut für Minderheitenrecht der Europäischen Akademie (EURAC) Johanna Mitterhofer eine neue Informationsbroschüre "Asyl und Flüchtlinge in Südtirol" vorgestellt. "Im zu Ende gehenden Jahr gilt unsere besondere Anerkennung all jenen, die sich in den Flüchtlingseinrichtungen in Südtirol und in der Unterstützung der durchreisenden flüchtenden Menschen an den Bahnhöfen von Bozen und Brenner ehrenamtlich engagieren", wiederholte Landesrätin Stocker den bereits bei einem Weihnachtsempfang am vergangenen Samstag ausgesprochenen Dank an die vielen freiwilligen Helfer und Unterstützer in Südtirol.

Abteilungsdirektor Critelli zeichnete anlässlich der Medienkonferenz den Weg der Flüchtlinge nach, die zum größten Teil über die Mittelmeerroute nach Italien kommen. Zwischen 40 und 60 Prozent der Flüchtlinge reisen unmittelbar nach ihrer Ankunft in andere Länder Europas weiter, ohne einen Asylantrag in Italien zu stellen. "Wer einen Antrag auf Asyl stellt, wird gemäß einer im Verhältnis zur Bevölkerung stehenden Quote den verschiedenen Regionen und Provinzen zugewiesen", so Critelli, "im Falle von Südtirol sind es 0,9 Prozent." Ein Teil davon begibt sich nach ihrem Ansuchen auf die Weiterreise. "Aufgrund der Lage Südtirols gibt es auch Menschen, die über die Grenze in unser Land kommen und direkt in Südtirol einen Antrag auf Asyl stellen", so Critelli, der erklärte, dass auch nach einer positiven Entscheidung zum Asylantrag nicht alle Flüchtlinge im Land bleiben, sondern teilweise in andere europäische Staaten oder andere italienische Regionen weiterreisen.

"Grundsätzlich gilt es in der Südtiroler Flüchtlingshilfe zwischen zwei unterschiedlichen Situationen zu unterscheiden", ging Landesrätin Stocker auf die aktuellen Zahlen ein. Zum einen geht es um die Aufnahme der zugewiesenen Asylantragsteller: Derzeit warten insgesamt 900 Flüchtlinge in 14 Südtiroler Einrichtungen auf Behandlung ihres Asylantrages, zu Beginn des Jahres waren es 303. Insgesamt wurden Südtirol im Laufe des vergangenen Jahres 1152 Asylantragsteller zugewiesen. Diese gilt es in der 15- bis 20-monatigen Wartezeit auf eine Entscheidung zu betreuen und auf ein möglichst selbständiges Leben vorzubereiten. Die betroffenen Flüchtlinge besuchen deshalb Sprachkurse, lernen die Gepflogenheiten des Landes kennen und verrichten Arbeitseinsätze.

Zum anderen geht es um die flüchtenden Menschen auf der Durchreise. Am Bahnhof Brenner wurden im Jahr 2015 insgesamt 25.900 Menschen betreut, durchschnittlich 75 pro Tag. Am Bahnhof Bozen wurden seit Einrichtung der Anlaufstelle im Mai 2015 insgesamt 16.100 Menschen unterstützt, durchschnittlich 70 pro Tag. Erfahrungsgemäß haben an beiden Bahnhöfen teilweise dieselben Menschen die gebotene Hilfe angenommen und wurden somit doppelt gezählt.   

Im zu Ende gehenden Jahr 2015 standen der organisatorische Aufbau der Flüchtlingshilfe, das Ausfindigmachen und die Einrichtung neuer Aufnahmestellen für die Asylantragsteller und die Bewältigung der Situation der Menschen auf der Durchreise zu den größten Herausforderungen in Südtirol. Im kommenden Jahr gilt es, weitere Aufnahmestellen zu finden und vorzubereiten. "Wir werden zudem auch weiterhin Flüchtlinge auf der Durchreise betreuen, auch wenn wir ihre zukünftigen Routen heute noch nicht kennen", so Stocker. Zu den Schwerpunkten des neuen Jahres zählen für die Landesrätin die Information und Sensibilisierung der Bevölkerung sowie die Bereitschaft, bei Notwendigkeit flexibel zu reagieren und Ad-hoc-Lösungen zu finden.

Die neue Broschüre, die bei der Medienkonferenz vorgestellt wurde, soll  in kurzer Form und mit einfachen Worten die breite Öffentlichkeit zum Thema Flüchtlinge aufklären. Sie steht in digitaler Form zu Verfügung und kann somit ohne großen Aufwand laufend aktualisiert und angepasst werden. "Die Menschen sollen sich auf der Grundlage von wissenschaftlich belegten Fakten eine Meinung bilden", so die Forscherin am EURAC-Institut für Minderheitenrecht Mitterhofer. Mitterhofer stellte den Aufbau der zehnseitigen Informationsbroschüre vor, die Auskunft über die Rechtsgrundlagen, die Begriffsdefinition und den Ablauf des Asylverfahrens in Italien gibt, die Zahlen und Fakten der Flüchtligen in der Welt, in Europa, in Italien und in Südtirol zusammenfasst und auf die gängigsten Fragen der Bevölkerung antwortet.

Die digitale Informationsbroschüre wird auf der Internetseite der Landesabteilung Soziales und der Europä​ischen Akademie Bozen (EURAC) veröffentlicht.

mp


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