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15. Alpines Kolloquium für Sicherheit und Gesundheit auf Baustellen

Im Oktober fand in Bozen die 15. Ausgabe des Alpinen Kolloquiums statt. Es handelt sich um ein jährliches Treffen mit Arbeitssicherheitsexperten aus der Schweiz, Österreich, Deutschland, Liechtenstein und Südtirol. Im Rahmen einer Pressekonferenz wurden heute (20. November) die Ergebnisse des diesjährigen Kolloquiums vorgestellt.

Stefano Parrichini, Vizepräsident des Paritätischen Komitees im Bauwesen, Arbeitslandesrätin Martha Stocker, Helmuth Sinn, Direktor der Landesabteilung für Arbeit, und Claudio Corrarati, Präsident des Paritätischen Komitees
Zoomansicht Stefano Parrichini, Vizepräsident des Paritätischen Komitees im Bauwesen, Arbeitslandesrätin Martha Stocker, Helmuth Sinn, Direktor der Landesabteilung für Arbeit, und Claudio Corrarati, Präsident des Paritätischen Komitees

Das Schwerpunktthema des diesjährigen Alpinen Kolloquiums, das am 8. und 9. Oktober in Bozen stattfand, war der Einsatz von vorgefertigten Bauteilen in den verschiedenen Ländern und die dadurch entstehenden Herausforderungen auf dem Gebiet der Arbeitssicherheit. Außerdem wurden aktuelle Informationen über die Situation in den einzelnen Ländern ausgetauscht.

"Die unterschiedliche Umsetzung der EU-Richtlinien bereitet gerade in einer Grenzregion wie der unseren einige Schwierigkeiten", berichtete Arbeitslandesrätin Martha Stocker, "denn Unternehmen aus Südtirol, die im benachbarten Ausland Aufträge annehmen, müssen die dortigen Bestimmungen kennen und umgekehrt. Zudem bringen die italienischen Gesetze oft einen erheblichen bürokratischen Aufwand mit sich, der es für einheimische wie ausländische Unternehmen schwierig macht, die Übersicht zu behalten."

Claudio Corrarati, Präsident des Paritätischen Komitees im Bauwesen, wies darauf hin, dass das Alpine Kolloquium einen wichtigen Beitrag zum Erfahrungsaustausch zwischen den beteiligten Ländern leiste, aber vor allem auch, die jeweiligen Erfolgsmethoden (Best practices) kennenzulernen. Zwar können die bestehenden rechtlichen Bestimmungen nicht geändert werden, aber zu begreifen, wie die Unternehmen vor Ort damit umgehen, sei sehr wichtig. In diesem Zusammenhang bilde Südtirol eine wichtige Brücke zwischen dem Norden und dem Süden Europas. Er verwies auch auf die gemeinsame Internetplattform http://www.praeventionsforum-plus.info/, die eine gezielte Suche nach den gesetzlichen Bestimmungen in Deutschland, Österreich, der Schweiz und Italien zu zahlreichen, für die Baubranche wichtigen Bereichen ermögliche. "Die Sicherheit auf den Baustellen darf nicht als lästige gesetzliche Verpflichtung verstanden werden, sondern muss als ein Aushängeschild für jedes Südtiroler Unternehmen gelten", unterstrich Corrarati.

Auch der Vizepräsident des Paritätischen Komitees, Stefano Parrichini, hob hervor, dass es wichtig sei, voneinander zu lernen. "Wer in die Gesundheit und Sicherheit investiert, vermeidet dadurch langfristig viel höhere Kosten für die Gesellschaft", erklärte Parrichini, der in seinen Ausführungen auch auf das jüngste Urteil des Obersten Kassationsgerichtshofs im Asbest-Prozess einging und darauf hinwies, dass auch in Südtirol bei zahlreichen Gebäuden und Infrastrukturen noch Asbest vorhanden sei. Außerdem verwies er darauf, dass bei Ausschreibungen zwar auf die Kosten für die Arbeitssicherheit kein Abschlag gemacht werden dürfe, dass aber die Auswahl nach dem Kriterium des billigsten Angebotes oft dazu führe, dass die Sicherheit vernachlässigt werde.

Helmuth Sinn, Direktor der Landesabteilung für Arbeit, stellte die nun vorliegende deutsche Übersetzung des "Einheitstextes zum Arbeitsschutz" vor, die es auch Unternehmen aus Südtirol und aus dem deutschsprachigen Ausland erleichtern soll, sich in der komplexen Materie besser zurechtzufinden. Die Gesetzessammlung ist in digitaler Form auf der Homepage der Landesabteilung für Arbeit abrufbar, und zwar unter www.provinz.bz.it/arbeit/gesetze-kollektivvertraege/arbeitssicherheit-gesetzestexte.asp. "Die Alpinen Kolloquien sind jedes Jahr eine Bereicherung", sagte Direktor Sinn, "und die Zusammenarbeit mit dem Paritätischen Komitee ist auch für uns als Landesabteilung sehr wichtig, um einen besseren Einblick in die konkreten Schwierigkeiten bei der Umsetzung der zahlreichen und sich leider auch ständig ändernden Bestimmungen im Bereich der Arbeitssicherheit im Bauwesen zu erhalten."

Das 16. Alpine Kolloquium wird am 7. und 8. Oktober 2015 in Österreich - voraussichtlich in Innsbruck - stattfinden. Vorgesehen ist, dass dabei vor allem die Themen der Auftragsvergabe nach dem Kriterium des höchsten Abschlags sowie der demographischen Entwicklung besprochen werden.

me


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