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Duale Ausbildung als Schlüssel für Jugendbeschäftigung

Die duale Ausbildung sei der Schlüssel zur Jugendbeschäftigung, das haben Fachleute aus Tirol, Südtirol und dem Trentino bei einer heute (9. Mai) im Bozner Palais Widmann zu Ende gegangenen zweitägigen Fachtagung betont. Im Mittelpunkt der von der Europaregion und dem Interregionalen Gewerkschaftsrat Zentralalpen veranstalteten Tagung standen der Vergleich der Lehrlingswesen und die Bedeutung der Berufsausbildung für die Jugendbeschäftigung.

Abteilungsleiter Sinn (li) und EVTZ-Generalsekretär Fink (r) unterstrichen die Bedeutung der dualen Ausbildung für die Jugendbeschäftigung (Foto: EVTZ/Aichner)
Zoomansicht Abteilungsleiter Sinn (li) und EVTZ-Generalsekretär Fink (r) unterstrichen die Bedeutung der dualen Ausbildung für die Jugendbeschäftigung (Foto: EVTZ/Aichner)

Die aktuellen Zahlen zur Jugendarbeitslosigkeit von 6 Prozent in Tirol, 12 Prozent in Südtirol und 23 Prozent im Trentino zeigen, dass es ein deutliches Nord-Süd-Gefälle gibt. Der Grund liegt im gut funktionierenden dualen Ausbildungsmodell, der Lehrausbildung. „Die Lehre ist ein hervorragendes Instrument, um Jugendliche auszubilden und für die Berufswelt fit zu machen. Der Austausch der Experten aus der Europaregion hat interessante Aspekte aufgezeigt, von der Weiterentwicklung der Berufsbildung bis hin zu Sonderprogrammen, um Jugendliche überhaupt erst zur Aufnahme einer Lehre zu motivieren“, so Euregio-Generalsekretär Matthias Fink.

Am 8. und 9. Mai fand in Bozen eine Tagung der Europaregion Tirol-Südtirol-Trentino zum Vergleich des Lehrlingswesens statt. Die Experten waren sich einig, dass es kein Zufall sei, dass die Jugendarbeitslosigkeit gerade in Ländern mit einer langen Tradition und weiten Verbreitung der dualen Ausbildung wie Deutschland (7,7%), Österreich (9,5%) und den Niederlanden (11,7%) besonders niedrig sind, während Italien unter einer Jugendarbeitslosigkeit von über 40 Prozent leidet. „Italien hat nicht zuletzt aufgrund des wirtschaftlichen Erfolgs der Bundesrepublik Deutschland ein großes Interesse, das duale System zu studieren und ein Modell zu entwickeln, das das Lehrlingssystem verbessert“, berichtete Sandra D’Agostino vom Institut für die Entwicklung der Berufsausbildung ISFOL in Rom.


Geht’s der Wirtschaft gut, geht es allen Altersgruppen gut

Der Direktor der Südtiroler Landesabteilung Arbeit Helmuth Sinn hat aufgezeigt, dass in Südtirol die Zahl der Lehrlinge unter 18 Jahren leicht zurückgeht (minus 2,3%), während die Zahl der bereits erwachsenen Lehrlinge um über 20 Prozent zugenommen hat. „Während die Beschäftigung in der traditionellen Lehre sinkt, hat die berufsspezialisierende Lehre voll eingeschlagen und erfreut sich großer Beliebtheit“, so Sinn, der auch als Präsident der grenzüberschreitenden Informationsplattform EURES Trans-Tirolia vorsteht. Der Arbeitsmarktexperte zeigte auf, dass die Arbeitslosigkeit in den letzten Jahren in allen Altersbereichen gestiegen ist und dass eine Verbesserung der Situation generationenübergreifend nur dann erfolgen kann, wenn sich die Wirtschaft erholt. „Geht’s der Wirtschaft gut, geht es allen Altersgruppen gut,“ bringt es Helmuth Sinn auf den Punkt.

Mit Praxisbeispielen wurde gezeigt, dass es auch nötig ist, mit verschiedenen, flankierenden Maßnahmen Jugendliche zu motivieren eine Lehre zu beginnen und diese auch abzuschließen. An den Südtiroler Berufsschulen gibt es beispielsweise innovative Projekte wie die Lehrlingspatenschaft und Schulsozialarbeit, die Jugendlichen helfen, in die Arbeitswelt einzusteigen. Im Trentino wird im Rahmen des Generationenvertrags ermöglicht, dass Jugendliche einen Arbeitsplatz bekommen, indem ältere Mitarbeiter freiwillig auf Teilzeit umsteigen. Dabei deckt die Provinz den Lohnverlust bis zur Höhe von 50 Prozent mit einem Maximum von 7.000 Euro für drei Jahre, darüber hinaus werden die Pensionsbeiträge (INPS) übernommen. In Tirol wiederum gibt es eine Ausbildungsgarantie, die überbetrieblich organisiert wird. Sozialpädagogen arbeiten mit Jugendlichen an ihren Schlüsselkompetenzen, damit sie sich an die Lehre heranwagen. „Es ist wunderbar zu sehen, wie Jugendliche, die sich zuerst nichts zugetraut haben, ihre Lehre mit Auszeichnung abschließen“, zeigte Sabine Platzer-Werlberger vom Arbeitsmarktservice Tirol die menschliche Dimension der Arbeit mit den Jugendlichen auf.

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