Historegio

>> UPDATE Pressemitteilung vom 28. Juni 2019

„Historegio“ ist ein von den drei Euregio-Universitäten Bozen, Innsbruck und Trient und dem EVTZ Euregio gemeinschaftlich betriebenes, regionalgeschichtliches Forschungs- und Vermittlungsprojekt. Es setzt sich zum Ziel, die regionalgeschichtliche Forschung der drei Universitäten zum Historischen Tirol aufzuwerten und auf eine kooperative Grundlage zu stellen.

Im Palazzo Roccabruna in Trient hat sich am 28. Juni 2019 alles um die geschichtlichen Grundlagen des historischen Tirol aus der Sicht der heutigen Europaregion gedreht und insbesondere um die Zwischenergebnisse nach einem Jahr historischer Forschungsarbeit.

 

Historegio - Regionale Geschichtsforschung von Grund auf neu erarbeiten. Foto: Armin Gluderer

Renommierte Historiker der Universitäten von Trient, Bozen und Innsbruck haben im Beisein der politischen Euregio-Vertreter, Claudio Cia, Regionalassessor aus dem Trentino, LH a.D. Herwig van Staa aus Tirol und LHStv. Arnold Schuler aus Südtirol sowie des Rektors der Universität Trient, Paolo Collini und des Präsidenten der Handelskammer Trient, Giovanni Bort, einen Einblick in ihre Forschungsarbeiten zum Projekt „Historegio“ geben, während der Generalsekretär der Europaregion, Christoph von Ach, die neue Homepage zum Thema vorgestellt hat.

Das grenzüberschreitende Forschungsprojekt Historegio fußt auf einem Abkommen zwischen der Euregio und den Universitäten Bozen, Innsbruck und Trient. Wie der Rektor der Universität Trient, Paolo Collini, betonte, "gibt uns Historegio die Möglichkeit, gemeinsam zurückzublicken und damit unsere Zukunft besser zu planen".

Bei der heutigen Tagung in Trient haben die renommierten Historiker und ProjektkoordinatorInnen Brigitte Mazohl und Gunda Barth Scalmani (Universität Innsbruck), Andrea Leonardi (Universität Trient) und Oswald Überegger (Universität Bozen) über den laufenden Fortgang von Historegio berichtet. Die über das Projekt angestellten wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben der Öffentlichkeit erstmals die Zwischenergebnisse der Forschungsarbeit vorgestellt. Wie die Historiker während der Konferenz einstimmig bekräftigten, "reicht es nicht aus, im Rahmen des Projekts miteinander unter Experten zu sprechen, sondern die Früchte dieser historischen Forschung der gesamten Gemeinschaft zugänglich zu machen".

 

Geballtes Historiker-Wissen aus der Europaregion an einem Tisch vereint. Foto: Armin Gluderer

HISTOREGIO ist ein von den drei EUREGIO-Universitäten (Bozen, Innsbruck, Trento) und der EVTZ gemeinschaftlich betriebenes regionalgeschichtliches Forschungs- und Vermittlungsprojekt. Es setzt sich zum Ziel, die regionalgeschichtliche Forschung der drei Universitäten aufzuwerten und auf eine kooperative Grundlage zu stellen. Als eine Art mehrsprachiges und grenzüberschreitendes universitäres Modellprojekt trägt das Projekt dazu bei, die universitäre regional­geschichtliche Forschung im EUREGIO-Raum zu intensivieren, spezialisieren und im mehrsprachigen und grenzüberschreitenden Kontext besser zu vernetzen.

Neue Historegio-Homepage mit „Quelle des Monats“ und „Die Woche vor 100 Jahren“

Die neue Homepage zu Historegio https://historegio.europaregion.info wurde von Euregio-Generalsekretär Christoph von Ach präsentiert. Die wissenschaftlich aufbereiteten Inhalte werden dort in drei Schwerpunktthemen präsentiert: 1.) Technologietransformationen und ihre Folgen, 2) Die italienische Wahrnehmung Südtirols von Kriegsende bis zur Annexion, 3.) Regionales Nation-Building in Tirol. Aus diesen Themenbereichen wird eine monatlich wechselnde Quelle („Quelle des Monats“) präsentiert und für ein breiteres, historisch interessiertes Publikum erklärt.

 

Neue Euregio-Homepage HISTOREGIO freigeschaltet. Foto: Armin Gluderer

Zudem wurde die wöchentliche Rubrik " Die Woche vor 100 Jahren" vorgestellt, welche in einer wöchentlichen Regelmäßigkeit ein Thema aufgreift, das sich vor exakt 100 Jahren in einem der Landesteile des historischen Tirol ereignet hat. Dabei werden abwechselnd Berichte aus dem heutigen Bundesland Tirol, dem Trentino und Südtirol eingebracht, so dass jeder Teil der Europaregion berücksichtigt wird. Der Fokus liegt hier auf den Lebensumständen der Zivilbevölkerung und weniger auf den Frontereignissen.

Und hier geht's zum Video:

 

RÜCKBLICK 2018:

>> Pressemitteilung: Das Euregio-Projekt "Historegio" wurde am 28. Juni 2018 in Bozen erstmals vorgestellt

Ziel von Historegio ist es, die regionale universitäre Geschichtsforschung zwischen den drei Universitäten zu festigen, um gegenseitig von den geschichtlichen Kompetenzen zu profitieren und diese zusammenzuführen. Dies soll eine noch intensivere wissenschaftliche Zusammenarbeit ermöglichen. Ein weiteres Ziel ist es junge Historiker auszubilden, indem die Zusammenarbeit bei Projekten gefördert wird, welche erstmals gemeinsam von die drei Universitäten gestiftet werden. Historegio ist somit auch ein Anstoß mehrsprachige, transnationale und interregionale Forschung in einer Grenzregion und einem zunehmend multikulturellen Umfeld zu betreiben. „Auf lange Sicht könnte Historegio eine Art ‚Raum des Ausgleichs‘ für die regionale Geschichtsforschung im alpinen Raum werden, sozusagen ein Treffpunkt und Ort des Dialoges für Forscher aus Italien, Österreich und Deutschland“, unterstrich Euregio Präsident Kompatscher.

Die Forschungsprojekte und deren Verbreitung, welche im Rahmen von Historegio realisiert werden, behandeln hauptsächlich drei verschiedene Themen. Für jedes der drei Projekte wird durch ein Selektionsverfahren ein wissenschaftlicher Mitarbeiter ausgewählt.

1) Italien und die Südtirolfrage bei der Friedenskonferenz von Saint Germain, Koordinator Oswald Überegger der Universität Bozen

Im September 2019 jährt sich die Unterzeichnung des Friedensvertrages von Saint Germain zum 100. Mal. Daher will sich das Forschungsteam mit den Verhandlungen, welche damals in Paris zwischen den Siegermächten stattfanden, beschäftigen. Dabei wird vor allem die Position Italiens in Bezug auf die Südtirolfrage mit Hilfe von neuem Archivmaterial analysiert. Die sozialen und internen politischen Diskussionen, welche rund um die Themen der Friedenskonferenz abgehalten wurden, werden dabei im Detail analysiert. Verschiedene Positionen und Ansichten der politischen Gruppen werden dann skizziert um ihr jeweiliges Gewicht zu verstehen.

2) Nation Building im regionalen Kontext: Deutsch-Tirol – Trentino – Südtirol (1815 – 1946), Koordinator Brigitte Mazohl der Universität Innsbruck

Das 19. Jahrhundert zeichnet sich durch eine zunehmende Polarisierung nationaler Zugehörigkeiten aus, welche schlussendlich im ersten Weltkrieg seinen Höhepunkt findet. Auch Tirol war dagegen nicht immun und das Zusammenleben verschiedener „ethnischer Gruppen“ nach dem Weltkrieg verschärfte den Konflikt noch weiter.  Erst mit dem Gruber-De Gasperi Abkommen im Jahr 1946 wurde der Weg für die Versöhnung freigemacht. Das Forschungsprojekt bietet sich an, den konfliktvollen Prozess des „nation building“ des Tiroler Gebiets vom 19. Jahrhundert bis zum Großen Krieg genau zu untersuchen. Die Frage des Zusammenlebens der zwei ethnischen Gruppen, Seite an Seite mit einer dritten Gruppe, den Ladinern, ist auch heute noch von großer Aktualität.

3) Die Technischen Veränderungen und ihre Auswirkungen im Alpinen Raum: 19.-20. Jahrhundert, Koordinator Andrea Leonardi der Universität Trient

Das Projekt untersucht den Zusammenhang zwischen technologischem Wissen und wirtschaftlicher Entwicklung bezugnehmend auf die Rolle der Technologie bei der Verwandlung des Alpinen Raumes. Die Untersuchung umfasst drei Bereiche: die Verwandlung der Straßennetze, das heißt wie sich der Transport in den letzten 150 Jahren verändert hat und sein Verhältnis zum Tourismus; die Veränderungen bei der Produktion und dem Gebrauch von elektrischer Energie im alpinen Raum verbunden mit der sich ausbreitenden Industrialisierung; schlussendlich die technologischen Veränderungen in der alpinen Landwirtschaft, mit Fokus auf die Mechanisierung der Landwirtschaft, um zu verstehen, wie sich eine spezialisierte Landwirtschaft in morphologisch komplexen Gebieten behaupten konnte.

Historegio wird von den drei Universitäten Trient, Bozen und Innsbruck geführt und durch das Kompetenzzentrum für Regionalgeschichte der Universität Bozen koordiniert.

Die Euregio, als vierter Projektpartner neben den Universitäten, hat die Aufgabe die Forschungsergebnisse über Bekanntmachungen, welche die Bildungs- und Kultureinrichtungen miteinbeziehen, zu verbreiten. Daneben wird auch die dem Ersten Weltkrieg gewidmete Euregio-Website www.14-18.europaregion.info für die Verbreitung der Forschungsergebnisse zur Verfügung gestellt.


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