Historegio

>> UPDATE Pressemitteilung: Das Euregio-Projekt "Historegio" wurde am 28. Juni 2018 in Bozen erstmals vorgestellt

„Historegio“ soll ein von den drei Euregio-Universitäten Bozen, Innsbruck und Trient und dem EVTZ Euregio gemeinschaftlich betriebenes, regionalgeschichtliches Forschungs- und Vermittlungsprojekt werden. Es setzt sich zum Ziel, die regionalgeschichtliche Forschung der drei Universitäten aufzuwerten und auf eine kooperative Grundlage zu stellen.

Ziel von Historegio ist es, die regionale universitäre Geschichtsforschung zwischen den drei Universitäten zu festigen, um gegenseitig von den geschichtlichen Kompetenzen zu profitieren und diese zusammenzuführen. Dies soll eine noch intensivere wissenschaftliche Zusammenarbeit ermöglichen. Ein weiteres Ziel ist es junge Historiker auszubilden, indem die Zusammenarbeit bei Projekten gefördert wird, welche erstmals gemeinsam von die drei Universitäten gestiftet werden. Historegio ist somit auch ein Anstoß mehrsprachige, transnationale und interregionale Forschung in einer Grenzregion und einem zunehmend multikulturellen Umfeld zu betreiben. „Auf lange Sicht könnte Historegio eine Art ‚Raum des Ausgleichs‘ für die regionale Geschichtsforschung im alpinen Raum werden, sozusagen ein Treffpunkt und Ort des Dialoges für Forscher aus Italien, Österreich und Deutschland“, unterstrich Euregio Präsident Kompatscher.

Die Forschungsprojekte und deren Verbreitung, welche im Rahmen von Historegio realisiert werden, behandeln hauptsächlich drei verschiedene Themen. Für jedes der drei Projekte wird durch ein Selektionsverfahren ein wissenschaftlicher Mitarbeiter ausgewählt.

1) Italien und die Südtirolfrage bei der Friedenskonferenz von Saint Germain, Koordinator Oswald Überegger der Universität Bozen

Im September 2019 jährt sich die Unterzeichnung des Friedensvertrages von Saint Germain zum 100. Mal. Daher will sich das Forschungsteam mit den Verhandlungen, welche damals in Paris zwischen den Siegermächten stattfanden, beschäftigen. Dabei wird vor allem die Position Italiens in Bezug auf die Südtirolfrage mit Hilfe von neuem Archivmaterial analysiert. Die sozialen und internen politischen Diskussionen, welche rund um die Themen der Friedenskonferenz abgehalten wurden, werden dabei im Detail analysiert. Verschiedene Positionen und Ansichten der politischen Gruppen werden dann skizziert um ihr jeweiliges Gewicht zu verstehen.

2) Nation Building im regionalen Kontext: Deutsch-Tirol – Trentino – Südtirol (1815 – 1946), Koordinator Brigitte Mazohl der Universität Innsbruck

Das 19. Jahrhundert zeichnet sich durch eine zunehmende Polarisierung nationaler Zugehörigkeiten aus, welche schlussendlich im ersten Weltkrieg seinen Höhepunkt findet. Auch Tirol war dagegen nicht immun und das Zusammenleben verschiedener „ethnischer Gruppen“ nach dem Weltkrieg verschärfte den Konflikt noch weiter.  Erst mit dem Gruber-De Gasperi Abkommen im Jahr 1946 wurde der Weg für die Versöhnung freigemacht. Das Forschungsprojekt bietet sich an, den konfliktvollen Prozess des „nation building“ des Tiroler Gebiets vom 19. Jahrhundert bis zum Großen Krieg genau zu untersuchen. Die Frage des Zusammenlebens der zwei ethnischen Gruppen, Seite an Seite mit einer dritten Gruppe, den Ladinern, ist auch heute noch von großer Aktualität.

3) Die Technischen Veränderungen und ihre Auswirkungen im Alpinen Raum: 19.-20. Jahrhundert, Koordinator Andrea Leonardi der Universität Trient

Das Projekt untersucht den Zusammenhang zwischen technologischem Wissen und wirtschaftlicher Entwicklung bezugnehmend auf die Rolle der Technologie bei der Verwandlung des Alpinen Raumes. Die Untersuchung umfasst drei Bereiche: die Verwandlung der Straßennetze, das heißt wie sich der Transport in den letzten 150 Jahren verändert hat und sein Verhältnis zum Tourismus; die Veränderungen bei der Produktion und dem Gebrauch von elektrischer Energie im alpinen Raum verbunden mit der sich ausbreitenden Industrialisierung; schlussendlich die technologischen Veränderungen in der alpinen Landwirtschaft, mit Fokus auf die Mechanisierung der Landwirtschaft, um zu verstehen, wie sich eine spezialisierte Landwirtschaft in morphologisch komplexen Gebieten behaupten konnte.

Historegio wird von den drei Universitäten Trient, Bozen und Innsbruck geführt und durch das Kompetenzzentrum für Regionalgeschichte der Universität Bozen koordiniert.

Die Euregio, als vierter Projektpartner neben den Universitäten, hat die Aufgabe die Forschungsergebnisse über Bekanntmachungen, welche die Bildungs- und Kultureinrichtungen miteinbeziehen, zu verbreiten. Daneben wird auch die dem Ersten Weltkrieg gewidmete Euregio-Website www.14-18.europaregion.info für die Verbreitung der Forschungsergebnisse zur Verfügung gestellt.


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