Gemeinsame Gesundheitsinitiativen im Bereich der Strahlentherapie

Euregio will Krebsbehandlung verbessern

Vorausblickend auf eine Übereinkunft unter den Landesräten für Gesundheitswesen zur Festlegung der strategischen Prioritäten, die innerhalb des EVTZ Europaregion gemeinsam behandelt werden, soll ein technologisch sehr komplexes Thema mit möglichen Auswirkungen im Bereich der Forschung im Rahmen einer grenzüberschreitenden Zusammenarbeit angegangen werden.

Deshalb haben sich anlässlich der Euregio-Fachtagung "Radioonkologie in der Europaregion" am 7. Dezember 2013 an die 40 Fachleute der Abteilungen für Strahlentherapie und Strahlenphysik der Europaregion an der Europäischen Akademie in Bozen ein Stelldichein gegeben.

40 Fachärzte aus der gesamten Europaregion waren am Aufbau eines grenzüberschreitenden Netzwerkes interessiert

Die Krebsbehandlung stellt nach wie vor eine große medizinische und gesundheitspolitische Herausforderung dar. Die Erkrankung steht an vorgereihter Stelle der Todesursachenstatistik, insgesamt erkranken allein in Südtirol jährlich rund 2000 Menschen an Krebs.

Erstmals konnten sich nun Fachleute aller drei Euregio-Länder gemeinsam mit Fragen rund um das komplexe Thema Radioonkologie auseinandersetzen sowie Erfahrungen und Know-how austauschen. "Unser Ziel ist es", so Birgit Oberkofler und Siiri Eydner vom Generalsekretariat der Europaregion, "den derzeit letzten Stand der Technologien und der damit verbundenen besten Behandlung bei Krebspatienten grenzüberschreitend zu etablieren."

Nach einem Überblick über die bereits bestehenden, grenzüberschreitenden Formen der Zusammenarbeit im Bereich Radiologie bot die Tagung Gelegenheit zum Austausch über die Funktionsweise der verschiedenen Strahlenabteilungen der drei Länder und über neue Ansatzpunkte für Synergien. Auf der Tagesordnung standen auch konkrete Anknüpfungspunkte für die tägliche Arbeit, darunter der gemeinsame Zugang zu Therapieplänen, die Definition von Kriterien für die Patientenlisten, Behandlungsprotokolle und pathologische Vorzugslinien. Weitere mögliche Arbeitsansätze wurden in der Vereinheitlichung des Therapieangebotes in der Europaregion und in der Behandlung der Patienten in der jeweils am besten geeigneten Struktur innerhalb der Europaregion ausfindig gemacht. Vereinbart wurde, gleich im Neuen Jahr mit Unterstützung des Gemeinsamen Büros der Europaregion eine  Fragebogenaktion unter den Fachärzten in der Europaregion zu starten, um speziell den Wissensstand über seltene Krebserkrankungen und deren Behandlungsmöglichkeiten zu verbessern.

Die Euregio-Tagung "Radioonkologie in der Europaregion" stand deshalb ganz im Zeichen der neuesten Erkenntnisse insbesondere in der Strahlentherapie. In diesem Zusammenhang hoben die beiden Fachärzte Maurizio Amichetti und Marco Cianchetti von der neuen Abteilung für Protontherapie in Trient die Errungenschaften von technologischen Innovationen hervor, die wesentlich dazu beitragen, das Wohlbefinden und damit die Lebensqualität der Patienten zu steigern. Außerdem ging es bei den Fachreferaten auch um die territoriale Organisation und den Zugang zu den Leistungen.

Gruppenfoto der Referenten: v.l. Peter Lukas, Johannes Schöch, Emanuele Torri, Maurizio Amichetti, Karin S. Kapp, Ulrich Seitz, Giovanni Mandoliti

"Als wesentliches Ergebnis der Tagung konnte festgehalten werden, dass durch die monatelange und aufwendige Vermittlungs- und Koordinationsfunktion des EVTZ Europaregion deutschsprachige Fachärzte aus Südtirol und Tirol gleichermaßen wie ihre italienischen Kollegen aus dem Trentino von den neuesten Erkenntnissen rund um die Radioonkologie-Forschung profitieren konnten und diese nun in die Praxis umsetzen können", so die Euregio-Vertreterinnen Oberkofler und Eydner.

Die Strahlentherapie wird im Bereich der onkologischen Behandlungen eingesetzt. Anhand hochtechnischer, sehr kostenintensiver Geräte werden ionisierende Strahlungen (hochenergetische Röntgenstrahlen) eingesetzt, um Krebsgeschwüre verschiedener Art gezielt zu zerstören. Die Strahlentherapie ist zusammen mit Chirurgie und Chemotherapie Teil der multidisziplinären Krebsbehandlung.

Im Gebiet der Europaregion bestehen drei Abteilungen für onkologische Strahlentherapie. Angesichts der komplexen Organisation dieser Abteilungen, ihrer hochtechnischen Geräte, der Kosten für den Betrieb und die notwendige Aktualisierung, um immer auf dem neuesten Stand zu sein, sowie der ständigen Fortschritte in diesem Bereich wäre es von Vorteil, dass die Gesundheitssysteme der jeweiligen Länder Kontakte unter den drei Abteilungen herstellen. Ziel ist der gemeinsame Zugang zu Therapieplänen,  zu Behandlungsprotokollen und die Definition der spezifischen Eingriffe für jede Pathologie und die Auswahl der geeignetsten Behandlung eines jeden Patienten. Damit sollen die therapeutischen Möglichkeiten in den drei Ländern vereinheitlicht werden. Außerdem können die Patienten in die jeweils geeignetsten Einrichtungen überwiesen werden um die für die Therapie besten Geräte in Anspruch nehmen zu können.

 

Weitere Links:

>> Tagungsprogramm

>> Fotoalbum auf Facebook

Vorträge der Referenten:

>> Karin S. Kapp

>> Eichberger/Lukas

>> Giovanni Mandoliti

>> Markus Haller

>> Luigi Tomio

>> Aldo Valentini

>> Meinhard Nevinny-Stickel

>> Marco Cianchetti

>> Marco Schwarz

 

(Foto oben: MUI/Lackner)


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