Euregio-Seminar im Rahmen der Tage der Nachhaltigkeit

Tage der Nachhaltigkeit

20 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus der Öffentlichen Verwaltung, der Privatwirtschaft und der Zivilgesellschaft kamen am Samstag (17.05.2014) zu einem länderübergreifenden Euregio-Seminar zusammen, welches erstmals im Rahmen der Tage der Nachhaltigkeit „think more about“ in Zusammenarbeit vom EVTZ „Europaregion Tirol-Südtirol-Trentino“ und dem Ökoinstitut Südtirol-Alto Adige organisiert wurde.

Nachhaltigkeit ist nicht mehr nur ein Trend sondern wird immer mehr zum Wettbewerbsfaktor. Es gehe darum, genauer hinzuschauen, wirklich Verantwortung zu übernehmen und in ein neues wirtschaftliches Paradigma einzusteigen. Menschen, Ressourcen und geschlossene Kreisläufe stünden im Mittelpunkt, nicht mehr nur Gewinn und Wachstum. Was von Seiten internationaler Expertinnen und Experten im Rahmen der vierten Auflage der Tage der Nachhaltigkeit „think more about“ zum Thema „Die Kunst des Wandels“, die vom 15. bis 17. Mai von den Initiatoren Terra Institute, Bildungshaus Kloster Neustift und Freie Universität Bozen in Brixen und Neustift organisiert wurde, als neues Paradigma der Privatwirtschaft verkündet wurde, gilt in der Öffentlichen Verwaltung genauso.

Wie sehr die Öffentliche Verwaltung selbst gefordert ist Nachhaltigkeit zu leben und als Fackelläufer für die Etablierung eines ökologisch, sozial und ökonomisch ausbalancierten Handelns aufzutreten, verdeutlichte das Eingangsreferat Thomas Steiners, Nachhaltigkeitskoordinator des Landes Niederösterreich. Allein für das Bundesland Niederösterreich werden Jahr für Jahr 5 Mrd. Euro an Aufträgen für Waren und Dienstleistungen öffentlich ausgeschrieben. Die konsequente Umsetzung von strukturierten, prozessorientierten Instrumenten der nachhaltigen Beschaffungslogistik unter Einbeziehung aller Beteiligten könne einerseits einen Markt für nachhaltige Produkte schaffen und andererseits dem Steuerzahler dabei helfen Geld zu sparen, betont Thomas Steiner und nennt als Beispiel die sogenannten „Ncheck-Tools“ des Landes Niederösterreich. Mit deren Hilfe konnten in der Vergangenheit etwa die Ausgaben für Straßenmarkierungen in Niederösterreich um die Hälfte gesenkt werden, 5 Millionen Euro können so Jahr für Jahr eingespart werden.

Matteo Bonazza veranschaulichte in seinem Referat zum Thema „Der zugängliche Berg“, dass nachhaltige Planung bedeutet sich den spezifischen Bedürfnissen aller Menschen zu öffnen, vor allem auch jenen mit besonderen Bedürfnissen. Dadurch könne auf kostspielige nachträgliche Adaptierungsmaßnahmen verzichtet werden und ein wesentlicher Mehrwert für die Gesellschaft geschaffen werden. Durch die Zertifizierung von Gastronomiebetrieben, Herbergsbetrieben, Sportstätten etc. könne Menschen mit besonderen Bedürfnissen bereits vor Antritt ihrer Reise Planungssicherheit gegeben werden und böse Überraschungen und Enttäuschungen die auftreten wenn zum Beispiel kein barrierefreier Zugang vorhanden ist gehören so der Vergangenheit an. Mit den „Marchi Open“-Zertifizierungen der „Accademia della Montagna“ stellte Matteo Bonazza einen innovativen Ansatz vor, der einerseits hilft neue Zielgruppen im Tourismusmarketing zu erschließen und andererseits auch vielen Einheimischen einen großen Zusatznutzen bringt.

Dass Spaß und Festkultur mit Umweltschutz unter einen Hut zu bringen sind zeigten Dagmar Rubatscher vom Klimabündnis Tirol und Sonja Abrate vom Ökoinstitut Südtirol-Alto Adige. Veranstalter aus Tirol und Südtirol denen die nachhaltige Gestaltung ihrer Veranstaltungen ein Anliegen ist planen ihren Event als „Green Event“.

Für diesen Weg entschied sich beispielsweise die Gemeinde Brixen, welche bereits 2013 für die konsequente Umsetzung des „Green Event“-Ansatzes mit dem Euregio-Umweltpreis ausgezeichnet wurde. Wie sehr die erfolgreiche Umsetzung einer solchen Idee von einer breiten Partizipation aller Interessensgruppen abhängt und wie man im Fall Brixen dies erfolgreich umzusetzen wusste zeigten Brixens Umweltstadträtin Elda Letrari Cimadom und Roberto Spazzini, Vizepräsident des Kulturvereines Don Bosco Brixen, auf.

Eine weitere Vorreitergemeinde im Bereich der Nachhaltigkeit ist die Gemeinde Naturns im Vinschgau. Gemeinderat Zeno Christanell berichtete wie die Gemeinde Naturns in Zusammenarbeit mit dem Ökoinstitut Südtirol-Alto Adige die kommunale Energienutzung optimieren und ihren CO2-Ausstoß verringern konnte und dafür mit dem prestigeträchtigen „European Energy Award“ ausgezeichnet wurde. Ein wichtiger Bestandteil des Projektes stellte die Umsetzung von bewusstseinsbildenden Maßnahmen dar, so Zeno Christanell. Mittels Stromsparwettbewerben konnten die Naturner Gemeindebürger hinsichtlich der Einsparungspotentiale in ihrem privaten Energieverbrauch sensibilisiert werden. Zeno Christanell betonte, dass bewusstseinsbildende Initiativen vor allem auch von Kindern getragen werden können, die im Fall von Naturns mit großer Begeisterung an das Thema Energiesparen herangingen und so zu wichtigen Multiplikatoren der Initiative wurden.

Bewusstseinsbildende und für den einzelnen Gemeindebürger positiv erlebbare und erfahrbare Maßnahmen stehen auch im Zentrum des Tiroler Gemeindekataloges, berichtete Emanuel Aichner, Mitarbeiter des EVTZ „Europaregion Tirol-Südtirol-Trentino“. Der Tiroler Gemeindekatalog ist die zentrale Säule der Umsetzungsstrategie für den Global Marshall Plan in Tirol auf lokaler Ebene. Mittels „Biofairer Frühstücke und Jaus`n“, beim „Tiroler Wok“, einem gemeinsamen Kochabend, Workshops und Spieleaktionen für Kinder werden gemeinsam in der Gruppe Konsumstile und deren Auswirkungen auf die Umwelt und die globalen Zusammenhänge in den globalen Produktionsketten reflektiert und diskutiert.

Nach Abschluss des ganztägigen Seminars das von Andreas Pichler, Geschäftsführer des Ökoinstituts Südtirol-Alto Adige, moderiert wurde, gingen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit zahlreichen spannenden Erkenntnissen und neuen Gedankenanstößen nach Hause und mit dem Bewusstsein, dass es nun an ihnen liegt zu Botschafterinnen und Botschaftern des im Seminar Gehörten zu werden und vielleicht die ein oder andere Initiative auch in ihrem Wirkungsbereich zu starten.

 

Download:

Seminarprogramm

 

Vorträge:

Präsentation Thomas Steiner – Zukunftsfähigkeit und nachhaltige Landesentwicklung

Präsentation Matteo Bonazza – Der zugängliche Berg

Präsentation Dagmar Rubatscher – Green Events in Tirol

Präsentation Sonja Abrate – Green Events in Südtirol

Präsentation Karin Hartl-Hubmann – Tiroler Gemeindekatalog

Präsentation Zeno Christanell – Energiebewusste Gemeinde Naturns

Präsentation Elda Letrari Climadom & Roberto Spazzini –Brixen als Pilotgemeinde für Green Events

 

Links:

Ökoinstitut Südtirol-Alto Adige

Terra Institut

Tage der Nachhaltigkeit "think more about"

Fotogalerie

  • DI Thomas Steiner, Nachhaltigkeitskoordinator Land Niederösterreich // DI Thomas Steiner, Nachhaltigkeitskoordinator Land Niederösterreich
  • dott. Matteo Bonazza // dott. Matteo Bonazza
  • Mag. Dagmar Rubatscher, Klimabündnis Tirol // Mag. Dagmar Rubatscher, Klimabündnis Tirol
  • Mag. Sonja Abrate, Ökoinstitut Südtirol // Mag. Sonja Abrate, Ökoinstitut Südtirol
  • Dr. Zeno Christanell, Gemeinde Naturns // Dr. Zeno Christanell, Gemeinde Naturns
  • Andreas Pichler, Ökoinstitut Südtirol // Andreas Pichler, Ökoinstitut Südtirol
  • Elda Letrari Cimadom, Gemeinde Brixen (rechts) und Roberto Spazzini (links), Vizepräsident des Kulturvereines Don Bosco Brixen // Elda Letrari Cimadom, Gemeinde Brixen (rechts) und Roberto Spazzini (links), Vizepräsident des Kulturvereines Don Bosco Brixen
  • Erkenntnisse I
  • Erkenntnisse II
  • Erkentnisse III


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