Euregio-JungforscherInnen-Preis 2015

Follow-up Projekt der Finalistinnen des Euregio-Jungforscherpreises 2015

Die Organisation der Aufnahme und Unterstützung von Flüchtlingen und AsylbewerberInnen in der Euregio Tirol – Südtirol – Trentino II

Update III- Flüchtlingsunterbringung in Tirol und Südtirol: Eine Gegenüberstellung

Manuela Luisa Meusberger, Claudia Lintner (April 2016)

Wie die Gegenüberstellung der Euregio Regionen Tirol und Südtirol bezüglich der Organisation von Flüchtlingsunterkünften und Aufgaben der Mitarbeiter zeigt, unterscheiden sich die beiden Regionen zunächst in der Anzahl der Asylanträger, die betreut werden. Während in Tirol im Jänner 2016 die 6000er Marke erreicht wurde, haben die Asylanträger in Südtirol die 1000er Marke noch nicht erreicht. Dieser große Unterschied schlägt sich unweigerlich auf die Betreuungs- und Unterbringungeinrichtungen für Asylanträger nieder, wie später noch gezeigt wird.

Ein weiterer Unterscheidungspunkt lässt sich bezüglich der unterschiedlichen Herkunftsländer aufzeigen: In Südtirol sind es vor allem junge Männer aus Zentralafrika (Gambia, Mali, Senegal, Nigeria, Ghana, u.a.) sowie einigen asiatischen Staaten wie Irak, Afghanistan, Pakistan und Bangladesch, die einen Antrag auf Asyl gestellt haben. In der Nachbarsregion Tirol hingegen sind es vergleichweise mehr Menschen aus Syrien, Afganistan und dem Irak. Dies ist darauf zurück zu führen, dass die Europa Region Euregio einen Schnittpunkt von zwei großen Flüchtlingsrouten darstellt: Auf der einen Seite die sogenannte Balkanroute (die mit Januar 2016 geschlossen wurde) und auf der anderen Seite die gefährliche Route über das Mittelmeer nach Italien und weiter Richung Deutschland.

Betrachtet man das Betreuungssystem der Asylanträger in beiden Regionen, so zeigen sich nicht nur strukturelle Unterschiede, sondern auch strukturelle Gemeinsamkeiten. In beiden Regionen, so die Auswertung der Daten, kann grundsätzlich zwischen Strukturen der Erstaufnahme und der Zweitaufnahme unterschieden werden. Die Tiroler Strukturen der Erstaufnahme gliedern sich in die Erstaufnahmestellen und den insgesamt sieben Verteilerquartiere. In Stüdtirol wird die Erstaufnahme von einer zentralen Einrichtung (Erstaufnahmezentrum) in Bozen geregelt. Die Zweitaufnahme wird auf unterschiedliche Unterbringungshäusern in den zwei Regionen verteilt.

Mit Beginn der rasant ansteigenden Flüchtlingszahlen seit August 2015 entstand in beiden Regionen, gerade bezüglich der Zweitunterbringung, die Notwendigkeit, neue Unterkünfte zu errichten. Innerhalb kürzester Zeit wurden in Tirol insgesamt 140 neue Unterbringungsmöglichkeiten geschaffen, in Südtirol  insgesamt 11 neuer Flüchtlingshäuser. Wie aus den Interviews hervorgeht, wurde dieser Prozess als äußerst rasch,  schnell und ungeplant interpretiert und die Initiativen als Feuerlöschaktionen beschrieben, denen meist keine längerfristige Planung vorausgegangen und nachgegangen wird. Die Dringlichkeit der Errichtung von neuen Unterkünften schlug sich in beiden Fällen auf den Zustand (baulichen und wohnlichen Zustand) einiger Häuser nieder, wie die folgenden Interviewausschnitte aus Südtirol und Tirol zeigen: „Als Struktur kannst du es vergessen. Erstens die Position, zweitens die Position im Land, es ist irgendwo. Das Haus ist in einem schlechten Zustand. Heizung funktioniert teilweise schon dann wieder nicht, es gibt einfach keinen Gemeinschaftsraum. Es sind alles Dreierzimmer, das ist gut, aber es ist zu eng und zu klein, Für die Kommunikation extrem schlecht, es gibt mehrere Eingänge. Ich finde es eine Frechheit, dass du so etwas aufmachst. Da kommt keiner gerne her. Das hat das Haus schon an sich“(Interview, südtirol, Jänner 2016); “Das Heim, in dem ich jetzt bin, ist glaube ich das älteste Heim in Innsbruck, dieses gibt es nun glaube ich schon länger als 10 Jahre. es ist ein ziemlich altes Gebäude und eine große Herausforderung dabei ist die Instandhaltung. […] Die ganze Baustruktur ist inzwischen mangelhaft, aufgrund vom Alter und von der Nutzung.“ (Interview, Tirol, Februar 2016).

Wie aus den Interviewdaten weiter hervorgeht, ist es in Tirol auch aufgrund der hohen Anzahl von Personen mehrheitlich nicht mehr möglich, eine qualitativ hochwertige Arbeit (weder hinsichtlich der Unterkünfte, noch hinsichtlich der Maßnahmen) zu leisten. Auch wenn in Südtirols Einrichtungen über Personalmangel geklagt wird, ist hier noch immer eine persönliche Betreuung der Bewohner meist möglich. Die Aufgaben der Mitarbeiter gestalten sich hinsichtlich der Erst- und Zweitaufnahme ähnlich. Während es in der Erstaufnahme vor allem um die Grundversorgung geht, so geht es in der Zweitunterbringung mehr um die strukturelle Integration der Flüchtlinge (Sprachkurse, Begleitung des Asylantrages, usw.). In Tirol liegt der Fokus primär auf der Unterbringung und Deckung der Grundbedürfnisse, alle Maßnahmen, die darüber hinaus gehen, können derzeit von den Mitarbeitern kaum gedeckt werden. Anders zeigt sich die Situation in Südtirol, hier liegt ein Schwerpunkt der Mitarbeiter ganz explizit auf der persönlichen Begleitung und Unterstützung der einzelnen Personen. Dennoch stützt man sich in beiden Regionen sehr stark auf das Engagement der Freiwilligen. So entstehen neben den Pflichtaufgaben Projekte und Initiativen, die vorwiegend von außen (freiwillige und Institutionen wie Schule) an die Unterbringungeinrichtungen herangetragen werden. Hieraus entstanden beispielsweise in Tirol ein Buddy-System um Deutsch zu lernen, eine Hausaufgabenbetreuung für Schulkinder und vereinzelte Angebote wie Mahltherapie, Ausflüge, Spielenachmittage und eine Peer-Learning Gruppe: „Dort kommt jeden Donnerstagnachmittag so eine SchülerInnengruppe und die lernen dann drüben in der Pfarre mit Jugendlichen von uns, die gerade Lust haben – Also das ist wirklich eine ganz offene Geschichte. Dort ist immer eine Lehrperson dabei und so drei bis fünf Schüler und Schülerinnen“ (Interview, Tirol, Jänner 2016). Auch in Südtirol können solche Initiativen gerade in der Sprach- und Informationsvermittlung beobachtet werden. Meist aus einem Mangel an finanziellen Ressourcen ist das Zurückgreifen auf freiwillige Helfer nicht nur eine Möglichkeit und solidarische Geste, sondern eine Notwendigkeit, zumal das Erlernen der lokalen Sprache(n) als Pflichtaufgabe für Asylanträger gilt.

 

Update Gracy Pelacani Februar 2016

I. Ein schwieriger Balanceakt zwischen nationalen Strategien und jenen der EU. Die jüngsten Entwicklungen Am 15.02.2016 drückten die Landeshauptleute der Autonomen Provinzen Trient und Bozen sowie des Bundeslandes Tirol im Rahmen einer gemeinsamen Willenserklärung die Absicht aus, im Rahmen der Euregio „Tirol – Südtirol – Trentino“ die aktuellen Flüchtlings- und Asylfragen gemeinsam und in koordinierter Absprache anzugehen.

Diese gemeinsame Willenserklärung der Euregio-Landeshauptleute folgte auf eine Reihe von unkoordinierten und unabgesprochenen Ankündigung insbesondere von Seiten der österreichischen Bundesregierung zur Neu-organisation der Aufnahme vor allem aber der Durchreise von Flüchtlingen und AsylbewerberInnen. Somit zeigt sich die zentrale Rolle des Brennerpass sowie des Prinzips des freien Personenverkehrs, das ja auch einer der Grundsätze der EU und des Schengen Abkommens ist, für die Euregio. Die österreichische Bundesregierung hatte zuvor die Wiedereinführung von Grenzkontrollen an zwölf Übergängen in den Bundesländern Tirol, Kärnten, Steiermark und Burgenland angekündigt, sowie die Einführung einer Obergrenze zur Bearbeitung von Asylanträgen (80 am Tag) und zur Durchreise von Flüchtlingen nach Deutschland (3.200 Personen täglich) am Grenzübergang Spielfeld, bzw. zur Aufnahme von nicht mehr als 37.500 AsylbewerberInnen im Jahr 2016. Zum Vergleich wurde 2015 ca. 90.000 Personen Asyl in Österreich gewährt. Diese Ankündigungen haben notgedrungen eine Auswirkung auf alle angrenzenden Staaten und auf die Fluchtrouten.

Auch die am 15.02.2016 verabschiedete Resolution der Euregio „Tirol – Südtirol – Trentino“ reagiert auf diese Ankündigungen, wobei insbesondere die Effizienz der Registrierungs- und Identifikationsprozesse an den Außengrenzen der EU angesprochen wird, sowie eine mögliche Verteilung aller AsylbewerberInnen zwischen den EU-Mitgliedsstaaten, um Situationen zu vermeiden, in denen einige EU-Staaten einer stärkeren Belastung ausgesetzt sind als andere.

II. Aufnahme von AsylbewerberInnen im Rahmen der Euregio Sowohl in Österreich als auch in Italien wurden jüngst Reformen der nationalen Gesetzgebung durchgeführt, die die Aufnahme von AsylbewerberInnen und das Verfahren für die Zu- bzw. Aberkennung des Status des internationalen Schutzes bzw. des Asyls regeln. Diese Änderungen sollen, die nationale Gesetzgebung an die europäische, und insbesondere die Aufnahmerichtlinie (2013/33/EU) sowie die Verfahrensrichtlinie(2013/32/EU) anpassen.

Bereits im Januar 2014 hat Österreich die eigene Asylpolitik reformiert, indem es dem Bundesamt für Fremdenwesen und Asyl - BFA die Zuständigkeiten bezüglich der Zuerkennung des internationalen Schutzes, der Aufnahme auf Bundesebene, der Ausstellung von Aufenthaltsgenehmigungen aus humanitären Gründen und weitere Zuständigkeiten, die vorher der Fremdenpolizei übernommen hatte, übertrug. Das Ziel dieser Reform war es, Entscheidungen schneller treffen zu können und die Aufnahme von AsylbewerberInnen besser zu regeln.

Gleichzeitig wurde ein Quotensystem (Umverteilung) entwickelt, auf dessen Basis jedes Bundesland eine bestimmte Anzahl von AntragstellerInnen im Verhältnis zur jeweiligen Bevölkerung aufnehmen sollte. Dies zielt darauf hin, die Verantwortung und die Belastung homogen und ausgeglichen auf das ganze Staatsgebiet zu verteilen und somit die Konzentration der AntragstellerInnen in großen Zentren und die Überfüllung derselben zu vermeiden.

Österreich ist jedoch nicht nur das Endziel für viele Personen, die internationalen Schutz beantragen, sondern auch ein Transitgebiet für jene, die ihren Antrag in Nordeuropa und in Deutschland, stellen wollen. Deshalb wurden auch ad hoc Zentren für Transitpersonen errichtet.

Italien hat seinerseits einen Teil der Asylpolitik mit dem Legislativdekret Nr. 142/2015 reformiert, um die oben angeführten europäischen Verordnungen umzusetzen. Das reformierte Asylsystem gliedert sich in drei Phasen. Eine einleitende Phase der Rettung, der Aufnahme und der Identifizierung der neu ankommenden Personen. Diese Phase konzentriert sich auf die Zentren zur Ersten Hilfe und Erstaufnahme (CPSA), die in jenen Orten mit der größten Anzahl an Ankünften/Ausschiffungen, errichtet wurden. Eine zweite Phase, bezeichnet als erste Aufnahme, findet in den „Staatlichen Aufnahmezentren für Asylbewerber“ (CARA) statt, wo mit der Identifikation fortgefahren wird, die Anfrage zum internationalen Schutz (Asyl) formalisiert wird und weitere medizinische Untersuchungen vorgenommen werden. Die letzte Phase ist die Aufnahme der AntragstellerInnen ohne eigene Existenzgrundlagen in Projekten, die Teil des Schutzsystems für AsylbewerberInnen und Flüchtlinge (SPRAR) sind. Neben dem ordentlichen Aufnahmesystem gibt es in Italien auch noch das außerordentliche, das eingerichtet wurde um auf die wachsende Zahl der Ankünfte an den italienischen Küsten seit Herbst 2013 zu reagieren.

Im Gegensatz zu den übrigen Regionen, haben die zwei Autonomen Provinzen Trient und Bozen aufgrund ihrer Kompetenzen im Bereich der Integration, jeweils ein Einvernehmensprotokoll mit dem Regierungskommissariat unterschrieben um die Aufnahme der AslybewerberInnen handzuhaben. Durch diese Vereinbarung verfügen die Autonomen Provinzen über eine große Autonomie bezüglich der Verteilung der AntragstellerInnen auf das jeweilige Gebiet, während in den übrigen Regionen der Präfekt direkt über die Aufteilung der Personen bestimmt.

Des Weiteren sind vor allem die Provinz Bozen und das Land Tirol nicht nur Ziel-, sondern auch Transitgebiete für AsylbewerberInnen, die keinen Antrag für internationalen Schutz in Italien beantragen wollen. Für diese wurden Unterstützungszentren in den Bahnhöfen Bozen und Brenner eingerichtet, um ein Minimum an Aufnahme für die kurze Zeit ihres dortigen Aufenthaltes zu gewährleisten. Die Schwierigkeiten beider Länder die Aufnahme der stetig steigenden Anzahl von Asylantragstellern und Transitpersonen zu bewältigen, sind offensichtlich. Ebenso die erfolgten Anstrengungen sind sich an die nationalen Systeme anzupassen, die nicht konzipiert wurden um eine Situation dieser Größenordnung und Komplexität zu bewältigen. Der Willenserklärung der Euregio eine gemeinsame Position und Strategie einzunehmen, um einem Phänomen entgegenzutreten, das sich als langfristig erweist und deren unkoordinierte Handhabung - wie es die aktuelle Situation auf europäischer Ebene beweist - absolut zu vermeiden ist, kann nur als positiv aufgenommen werden.

Nächstes update: März 2016

• Dr. Claudia Lintner (Freie Universität Bozen)

• BA Manuela Luisa Meusburger (Management Center Innsbruck)

Kontakt und weitere Informationen: gracy.pelacani@upf.edu oder gracy.pelacani@unitn.it

AsylbewerberInnen und Flüchltinge in der Euregio Tirol – Südtrol – Trentino.

 

Flüchtlinge und AslybewerberInnen wurden 2015 zu einem der zentralen Themen nicht nur innerhalb Europäischen Union sondern auch in den Gebieten der Euregio „Tirol – Südtirol – Trentino“. Flüchtlinge, die über das Mittelmeer nach Europa kommen, streben vermehrt in den Norden, sodass der Brennerpass und somit auch die Euregio seit Ende 2014, vor allem aber seit dem Frühjahr 2015 zu einem zentralen „Nadelöhr“ für Menschen auf der Flucht wurden. Doch sowohl die Autonomen Provinzen Trentino und Bozen als auch das Bundesland Tirol hatten bereits in den 1990er Jahren Flüchtlinge aus Albanien und nach dem Kosovokonflikt 1998/1999 Flüchtlingen aus dieser Region aufgenommen. Auch nach dem sogenannten „Notstand Nord-Afrika“, der nach dem Kriegsausbruch in Libyen 2011 ausgerufen wurde, kamen Menschen auf der Flucht aus verschiedenen afrikanischen Staaten in die Europaregion.

Die aktuelle Situation unterscheidet sich jedoch von den bisherigen Momenten, in denen sich Flüchtlinge und AsylbewerberInnen in der Euregio aufhielten bzw. durchreisten nicht nur zahlenmäßig: 2011 lebten 1.231 AsylbewerberInnen, die ein Anrecht auf Grundversorgung hatten[1] im Bundesland Tirol, während dies am 01.12.2015 5.000 AsylbewerberInnen waren, und bis Ende des Jahres noch ca. 2.000 dazu kommen dürften.[2] Südtirol und das Trentino nahmen bis Dezember 2012 452 bzw. 430 Flüchtlinge auf, 2015 ca. doppelt so viele.[3]

Unterschieden werden muss zwischen jenen Menschen, die auf der Flucht in mittel- und nordeuropäische Länder durch die Euregio reisen (den sog. Transitflüchtlingen) und AsylbewerberInnen, die sich mindestens bis zum Abschluss des Asylverfahrens in der Euregio niederlassen, bzw. aufgrund des jeweiligen nationalen Verteilungsschlüssels den Gebieten in der Euregio zugewiesen wurden.

Die Verwaltung des Bundeslandes Tirol geht davon aus, dass in den Wintermonaten ca. 200 – 300 und in den Sommermonaten 300 – 600 Personen täglich und größtenteils mit dem Zug über den Brenner zu reisen versuchten. Obwohl das Ziel der meisten dieser Transitflüchtlinge Deutschland oder andere Länder im Norden der EU sind, ist vor allem Italien, aber auch Österreich aufgrund der Dublin III – Verordnung für die Registrierung und Aufnahme dieser Personen zuständig; ein Weiterreisen nach Deutschland sollte durch eine trilaterale Zusammenarbeit zwischen der deutschen, österreichischen und italienischen Polizei verhindert werden. Dadurch wurden vor allem an der Bahnhof Brenner, aber auch die Bahnhöfe in Bozen, Trient und Innsbruck zu zentralen Knotenpunkten für Menschen auf der Flucht.

Zeitgleich, 2015, wurden den Autonomen Provinzen sowie dem Bundesland Tirol AsylbewerberInnen gemäß nationalen Verteilungsschlüsselzugewiesen. Tabelle 1 gibt einen Überblick über die derzeit in der Euregio ansässigen AslybewerberInnen.

Tabelle 1: Aktueller Stand an Asylbewerbern in der Euregio „Tirol – Südtirol – Trentino“ (01.12.2015).

 

 

Trentino

Südtirol

Tirol

Euregio insgesamt

Gesamte Bevölkerung (Stand 2015)

537.416

(ISPAT, 01.01.2015)

519.145

(30.06.2015 – ASTAT)

728.500

(Wirtschaftskammer Österreich)

1.785.061

Ansässige AsylbewerberInnen (01.12.2015)

905

875

5.000

6.780

Anteil an AsylbewerberInnen (Gesamtbevölkerung der Provinz/Bundesland

(01.12.2015)

0.17%

0.17%

0.69%

0.38%

 

(Daten: Abteilung Innerer Dienst Tirol; Abteilung für Soziales Autonome Provinz Bozen; Cinformi Trient)

Die Durchreise von Transitflüchtlingen sowie die Aufnahme von AsylbewerberInnen stellen die Autonomen Provinzen Trient und Bozen sowie das Bundesland Tirol vor neue Herausforderungen. Der Brennerpass als Grenze zwischen zwei Staaten wurde dabei zu einem zentralen Element, und die Zusammenarbeit der zwei Autonomen Provinzen mit dem Bundesland Tirol gewinnt an zusätzlicher Bedeutung.

In einem Forschungsprojekt, durchgeführt von vier Jungforscherinnen der Euregio (und finanziert von der Euregio), wird deshalb die Gestaltung und Verwaltung der Aufnahme und Durchreise von AsylbewerberInnen und Flüchtlinge in der Euregio „Tirol – Südtirol – Trentino“ aufgezeigt und untersucht.

 

Das Euregio – Forschungsprojekt: AsylbewerberInnen und Flüchtlinge in der Euregio „Tirol – Südtirol – Trentino“.

 

Ziel des Projektes ist es, zuerst den rechtlichen Rahmen für die Aufnahme von Asylbewerbern in den drei Gebieten der Euregio aufzuzeigen, sowie zu untersuchen, inwiefern der EVTZ „Euregio Tirol – Südtirol – Trentino“ eine gemeinsame Gestaltung der Aufnahme sowie der Durchreise ermöglicht. Daneben untersucht das Projekt auch die institutionelle Zusammenarbeit sowie den Austausch zwischen den zuständigen Stellen in den drei Gebieten der Euregio. Schlussendlich zeigt das Projekt anhand ausgewählter Gemeinden, Vereine oder Aufnahmeeinrichtungen in den drei Ländern die aktuell bestehenden Herausforderungen und Schwierigkeiten, sowie die Unterschiede in der Gestaltung und Verwaltung der Aufnahme von Asylbewerbern in der Euregio auf.

Das Projekt richtet sich gleichermaßen an die Bevölkerung der Euregio, wie auch an die in diesem Bereich tätigen Akteure, und möchte nicht nur informieren, sondern auch zum grenzüberschreitenden Handeln anregen.

Über den Fortschritt in der Erforschung der Gestaltung und Verwaltung von Asylbewerbern und Flüchtlingen in der Euregio Tirol – Südtirol – Trentino berichten wir in monatlichen Abständen auf dieser Homepage.

Am 21.04.2015 stellen wir die ersten Ergebnisse im Rahmen des Dreier-Landtages in Trient vor, bevor die endgültigen Ergebnisse im Juni 2016 an den zentralen Forschungzentren der Euregio präsentiert werden.

Projektteilnehmerinnen

Vier der sechs Finalistinnen des Euregio-Jungforscherpreises 2015:

  • Dr. Gracy Pelacani (Universitat Pompeu Fabra, Barcelona und Universität Trient)
  • Verena Wisthaler (EURAC, Bozen und Universität Leicester)
  • Dr. Claudia Lintner (Universität Bozen)
  • BA Manuela Luisa Meusburger (Management Center Innsbruck)

Ausblick –nächstes Update Ende Januar 2015:

Die rechtlichen Möglichkeiten der Autonomen Provinzen Trient und Bozen des Bundesland Tirol, sowie der Euregio Tirol – Südtirol – Trentino in der der Gestaltung der Aufnahme und Betreuung von Asylwerbern sowie von Transitflüchtlingen.

Kontakt und weitere Informationen: verena.wisthaler@eurac.edu



[1] Daten Asylkoordination Österreich, 31.12.2011.

[2] Dietmar Schennach, stellvertretender Landesamtsdirektor „Innerer Dienst“, 30.11.2015.

[3] Elisabeth Tauber, „Sehen und Gesehen werden“, Begleitheft zur gleichnamigen Ausstellung, Bozen 2013, S. 16.

 

Euregio-JungforscherInnen-Preis 2015

gestiftet von den Wirtschafts- und Handelskammern der Europaregion Tirol - Südtirol -Trentino

Der Tiroltag des Europäischen Forums Alpbach hat sich in den vergangenen Jahren zum Treffpunkt und Schaufenster der Forschungslandschaft der Europaregion Tirol-Südtirol-Trentino entwickelt. Der Tiroltag 2015 „Neue Heimat Europaregion Tirol-Südtirol-Trentino - Integration statt Ausgrenzung“ widmete sich einer Schlüsselfrage für unsere Gesellschaft, der Fähigkeit zur Integration.

Integrationsfragen begleiten gerade die Europaregion Tirol-Südtirol-Trentino schon seit langer Zeit. Die Zuwanderung von Menschen aus unterschiedlichen Ländern bedeutet Veränderung – für alle Beteiligten. Das Zusammenleben von Menschen verschiedener Sprachen, Religionen, Lebensorientierungen, Kulturen und Identitäten birgt Risiken, bringt aber auch große Chancen mit sich. Beim diesjährigen Tiroltag ging es darum, diese Chancen und Risiken zu identifizieren und zu klären, welche Strukturen und Einrichtungen vorhanden sein müssen, damit Integration gelingt. Es geht um unsere gesellschaftlichen Grundpfeiler, um Toleranz, Menschenrechte und Wohlfahrt für alle. Ganz besonders sollte die Rolle der Bildung in Integrationsprozessen beleuchtet werden.

Beim diesjährigen Tiroltag wurden bereits zum vierten Mal NachwuchsforscherInnen aus der Europaregion Tirol-Südtirol-Trentino nach Alpbach eingeladen, ihre Arbeiten vorzustellen und sich mit renommierten Wissenschaftern und politischen Verantwortungsträgern direkt auszutauschen.

Die PreisträgerInnen:

1. Platz ex aeqo (2.000 Euro Preisgeld):

dott.ssa Gracy Pelacani, Scuola di dottorato in Studi giuridici comparati edeuropei, Facoltà di Giurisprudenza, Università degli Studi di Trento

“Learning from experience: from minority protection to integration”

The research project adopts a concentric approach and analyses the challenge of integration considering three - complementary - aspects. First, it engages in a comparison between the concept of old historical minorities and new minorities. Second, it analyses the recent revival of the integration requirement within naturalisation policies in Belgium. Third, it analyses the role of language within the context of migration.

 

Verena Wisthaler, M.A., Institute for Minority Rights, EURAC Bozen-Bolzano/University of Leicester

“Whose heimat? Inclusive and exclusive approaches to immigration in South Tyrol, Corsica, the Basque Country, Wales and Scotland”

The research project proposes a theoretical framework to study how perceptions of heimat change in sub-state territories once confronted with immigration. The research argues that the relations between the sub-state territory and the wider state determine to a large extent whether the collective identity of a minority evolves into an opening or a closure vis-à-vis newcomers. It raises the hypothesis that the smoother and better the relations between minority and majority or between minority region and state, the more open and inclusive heimat is defined and empirically validates this hypothesis through a qualitative comparison of party manifestos, thematic documents on immigration, integration policies and laws in South Tyrol, Corsica, Basque, Scotland and Wales from 1992-2012.

Euregio JungforscherInnenpreis 2015

Heuer wurden in Alpbach Verena Wisthaler (li., Europäische Akademie Bozen) und Gracy Pelacani (re., Universität Trient) mit dem Euregio-JungforscherInnen-Preis ausgezeichnet. Foto: Land Tirol

Die Ausschreibung:

 

Tiroltag 2015 „Neue Heimat Europaregion Tirol-Südtirol-Trentino – Integration statt Ausgrenzung“ / 22. - 23. August 2015 / Congresszentrum Alpbach
Preis:



1. Platz: 2.000,00 Euro

2.-6. Platz: je einen Gutschein für die Teilnahme am Europäischen Forum Alpbach 2016.

Zielgruppe:







JungforscherInnen bis zum vollendeten 35. Lebensjahr (Stichtag: 23.08.1980), die zum einschlägigen Thema „Neue Heimat Europaregion Tirol-Südtirol-Trentino - Integration statt Ausgrenzung“ wissenschaftlich arbeiten und entweder

  • an den Universitäten, Hochschulen und Forschungseinrichtungen in der Europaregion oder
  • aus der Europaregion stammen und an Universitäten, Hochschulen und Forschungseinrichtungen weltweit tätig sind.
Kategorien:




Einreichungen sind zu folgenden Themen möglich:

  • UnGleichheit: Integration und Sprache
  • UnGleichheit: Integration und Kultur/Gesellschaft
  • UnGleichheit: Integration und Wirtschaft

 

Ablauf:

 

Phase 1:

Einreichung einer englischsprachigen Kurzfassung (maximal 1 Seite DIN-A4) bis zum 10. Juni 2015.

Auswahl:

Der wissenschaftliche Beirat (Jury), bestehend aus je zwei Experten pro Themenbereich, lädt je Thema zwei JungforscherInnen zur Phase 2 ein.

Phase 2:

Einreichung eines englischsprachigen Abstracts der wissenschaftlichen Arbeit (max. 4 DIN-A4-Seiten) bis zum 19. Juli 2015.

Prämierung:








Vorstellung und Verteidigung der wissenschaftlichen Arbeit beim JungforscherInnenarbeitskreis des Tiroltags im Rahmen des Europäischen Forums Alpbach am 22. August 2015, 11:00 – 18:00 Uhr (in englischer Sprache). Den FinalistInnen wird die Anreise nach Alpbach sowie 1 Nacht Aufenthalt in Alpbach erstattet.

Die Bewertung der Arbeiten in Phase 2 erfolgt durch den wissenschaftlichen Beirat unter Berücksichtigung des Abstracts (50%) sowie des Vortrags und der Diskussion beim JungfoscherInnenarbeitskreis (50%).

Einreichung: research@europaregion.info

 

 

Kontakt für Rückfragen:

Mag. Matthias Fink
Gemeinsames Büro der Europraegion
Generalsekretär des EVTZ "Europaregion Tirol-Südtirol-Trentino“ 
Drususallee 1, I-39100 Bozen
Tel.: +39 0471 402026
Fax: +39 0471 405016 
E-Mail: matthias.fink@europaregion.info
Web: http://www.europaregion.info/youngresearcher

 

Download:

>> AUSSCHREIBUNGSBEDINGUNGEN & ABLAUF JUNGFORSCHERINNENPREIS 2015 [PDF]

 

Links:

>> Finale des Euregio JungforscherInnenpreises 2014


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