Euregio-Akademie

Euregio-Akademie: gemeinsame Wurzeln, Herausforderungen und Zukunft

Follow-up-Seminar 2018:

Die Euregio-Akademie ist eine Initiative, um ca. 40-60 jungen Menschen zwischen 18 und 35 die Chance zu geben, im Laufe eines Ausbildungslehrgangs in drei Seminarwochenenden und einer Exkursion zu den europäischen Institutionen zu lernen und zu verstehen, wie die Europaregion funktioniert.
Bei der Euregio-Akademie treffen 40-60 junge Menschen zwischen 18 und 35 Jahren auf Experten aus Wissenschaft, Wirtschaft, Gesellschaft und Verwaltung sowie politische Verantwortungsträger, um zum einen die Basics zu den europäischen Institutionen und zur Europaregion zu lernen und zu verstehen, und zum anderen dieses Erlernte in Gesprächen und Diskussionen vertiefen zu können.
Die ersten beiden Grunddurchgänge der Euregio-Akademie fanden 2015 und 2017 statt, sozusagen stets in den ungeraden Jahren. In den geraden Jahren, wiederum, sind die Absolventen eingeladen, sich zu einem jahrgangsübergreifenden Follow-up-Seminar einzufinden.
Die abschließenden Etappen der Grunddurchgänge sowie der Follow-up-Seminare fanden stets in Alpbach statt, um eingebettet in das Tiroltag-Programm im Rahmen ergänzender Programmpunkte euregio-spezifische Themen vertiefen zu können. Bei der Begegnung mit EFA-Präsident Franz Fischler wurde besonders spürbar, wie sehr die TeilnehmerInnen die Einbindung in das Europäische Forum Alpbach wertschätzen.
Das Vertiefungsthema der diesjährigen Euregio-Akademie war „100 Jahre Erster Weltkrieg – von den Grenzen von 1918 zu den Netzwerken von 2018“. Der Fokus lag auf der Fragestellung, wie die Grenzen von 1918, die in ganz Europa massiv neu gezogen wurden, durch den europäischen Einigungsprozess von grenzüberschreitenden Netzwerken „überwunden“ werden können. Dazu wurde u.a. auch einen Vergleich mit Irland anstellt, wo die Gründung der Republik Irland eine neue Grenze zu Nordirland mit sich brachte, die zuletzt - bis zum Brexit - als überwunden galt. Aufgrund der Tagesaktualität wurde bei diesem Programmpunkt besonders intensiv diskutiert. Besonders befremdet, dass der Brexit die Spannungen im  inneririschen Friedensprozess, der seit dem Freitagsabkommen von 1998 sehr große Fortschritte gemacht hat, ernsthaft erhöhen könnte. Überwunden geglaubte antibritische Ressentiments sind in Dublin seit der Brexit-Referendum wieder gang und gäbe.
Die Vertiefungen in den Kleingruppen zu den Schwerpunkt-Themen ergaben folgende Kernaussagen:

  • Politik und Recht: der EVTZ und EUSALP sind die beiden zentralen Instrumente, um unsere Europaregion weiter zu vertiefen und zu entwickeln. Dabei kommt der EUSALP eine strategische Schlüsselrolle zu, da dort alpenweit gemeinsame Strategien zu Schlüsselthemen wie Verkehr, Energie und Beschäftigung abgestimmt werden. Die Stärke des EVTZ liegt in der Umsetzung ganz konkreter Projekte, bei denen wie z.B. beim Euregio-Lawinenlagebericht die Expertise und die Strukturen der Landesverwaltungen gebündelt, koordiniert und als Mehrwert für die BürgerInnen umgesetzt werden.
  • Soziologie: Gesellschaften sind stets einem Wandel unterworfen, Migrationsbewegungen hat es in der Geschichte stets gegeben. Ein Schlüssel liegt darin, die Vielfalt in der Europaregion als Bereicherung zu erfassen, vor allem zwischen deutsch- und italienischsprachigen, aber auch darüber hinaus.
  • Identität: Die Europaregion muss als „Geschichte“ erzählt werden. Story telling nimmt eine Schlüsselrolle in der Festigung einer euroregionalen (Zusatz)Identität ein. Dazu wäre zum Beispiel ein der Film ein brauchbares Instrument, wie der Tiroler Filmregisseur am Beispiel seines Films „Der stille Berg“ gezeigt hat. Es war dies erste Spielfilm, der in allen Landesteilen gedreht und von allen Filmförderstellen der drei Länder gefördert wurde.
  • Geschichte: Die Erinnerungskultur nimmt ein eine zentrale Rolle in der Europaregion ein. Sie ist regional unterschiedlich ausgeprägt, wie am Beispiel Südtirols und des Trentino gezeigt werden konnte. Dabei ist es wichtig, die handelnden Personen, errichteten Monumente und Ereignisse aus ihrer Zeit heraus zu verstehen und mithilfe der Methoden der modernen Geschichtsforschung zu kontextualisieren bzw. zu bewerten und zu entschärfen.

Das Follow-up-Wochenende der Euregio-Akademie wurde heuer wieder von der Gruppe des „Euregio-Ateliers“ vorbereitet und entwickelt sich damit immer mehr zu einem „Philosophicum“ der Europaregion.

 

Rückblick 2017:

2017 organisierten der EVTZ Europaregion Tirol-Südtirol-Trentino und die Fondazione Trentina Alcide De Gasperi die Euregio-Akademie zum zweiten Mal. An drei Seminarwochenenden hatten 45 Studierende und Interessierte unter 35 die Gelegenheit, intensiv in die Grundlagen und Kernthemen der Europaregion einzutauchen.

Vom 19.-21. Juni 2017 fand eine mehrtägige Exkursion zu europäischen Einrichtungen in Brüssel statt. Sie wurde in Zusammenarbeit mit der Vertretung der Europaregion Tirol-Südtirol-Trentino in Brüssel organisiert. Grundvoraussetzung für die Teilnahme waren Kenntnisse der deutschen und italienischen Sprache (empfohlene Sprachebene B1) und eine Kurzbeschreibung der Motivation zur Teilnahme.

Video zum 2. Seminarwochenende auf Schloss Tirol vom 21.-22.04.2017:

 

Organisationen:

2011 wurde die Europaregion Tirol-Südtirol-Trentino als Europäischer Verbund für territoriale Zusammenarbeit (EVTZ) gegründet, um die Zusammenarbeit der drei Teile des historischen Tirol in den verschiedensten Bereichen des täglichen Lebens auszubauen und zu stärken. Damit hat die Zusammenarbeit der drei Länder eine neue institutionelle Qualität erreicht.

Die Fondazione Trentina Alcide De Gasperi wurde 2007 gegründet. Sie betreibt das Museo Casa De Gasperi in Pieve Tesino. Eine weitere Aufgabe der Stiftung ist die Vertiefung und Bewertung der Trentiner Leitfigur De Gasperi, der sich als einer der ersten Politiker des 20. Jahrhunderts dem Problem des Zusammenlebens zwischen verschiedenen Kulturen in diesen Grenzgebieten stellte, im zeitgenössischen Kontext.

Rückfragen und Information:

Mag. Matthias Fink
Gemeinsames Büro der Europaregion Tirol – Südtirol – Trentino
Drususallee 1, I-39100 Bozen
Tel.: +39 0471 40 20 26
matthias.fink@europaregion.info

>> "Gemeinsame Wurzeln, Herausforderungen und Zukunft" (Bericht der Teilnehmerin der 2. Ausgabe Giulia Grisch, Uni Innsbruck)

>> Datenschutzhinweis

Download:

Fotogalerie zur Euregio-Akademie (1. Seminarwochenende, 13.-14.12.2014, Trient)


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