2013: wer MACHT meinung - Medien und Integration

Wenn es um die Berichterstattung über Migranten und Migrantinnen geht, so ist Fingerspitzengefühl gefragt. Darüber waren sich die Teilnehmenden der 3. Euregio Integrationstagung einig.

Die Tagung, die gleichzeitig als 4. Tiroler Integrationsenquete veranstaltet wurde fand am 19. November 2013 in Innsbruck statt."wer MACHT meinung - Medien und Integration" war das Thema, zu dem sich Vertreterinnen und Vertreter aus dem Integrationsbereich, der Politik und Verwaltung mit Journalisten aus Tirol, Südtirol und Trentino austauschten, um über die Wirkung der medialen Berichterstattung zum oft emotionalisierten Thema Integration zu diskutieren.

 

Sachliche Diskussion notwendig

"Medien sind wichtige Multiplikatoren in der Bewusstseinsbildung. Sprache ist ein Herrschaftsinstrument, und wie über ein Thema gesprochen wird, welche Begriffe verwendet werden und ob gewaltfrei kommuniziert wird, beeinflusst die Stimmung innerhalb einer Gesellschaft", hatte zum Tagungsauftakt die gastgebende Tiroler Integrationslandesrätin Christine Baur betont. Journalisten stünden tagtäglich im Spannungsfeld zwischen dem Anspruch, spannende Geschichten zu erzählen, dabei aber sachlich genau zu bleiben und Klischees zu vermeiden. Gerade beim Thema Integration bedürfe es daher einer besonderen Sensibilität - Grundsätze wie 'Only bad news are good news' sollten in diesem Zusammenhang nicht zur Anwendung kommen, forderte Baur. Denn werde in den Medien das Bild der gefährlichen und bedrohlichen "Fremden" gezeichnet, so trage dies zu rassistischen Vorurteilen und Intoleranz innerhalb der Gesellschaft bei.

Die 'anonyme Masse' der Asylwerbenden und Migranten rufe bei vielen Leuten Ängste hervor. Würden jedoch den Bürgern die einzelnen Menschen, ihre Schicksale und ihre Migrationsgeschichten näher gebracht, könne dies Verständnis, Mitgefühl, Neugier und Hilfsbereitschaft auslösen, so Johann Gstir, Leiter des Referats Integration im Amt der Tiroler Landesregierung. Moralische Appelle seien deshalb eher kontraproduktiv. Allgemein könne gesagt werden, dass die Diskussion über die Medien sachlicher, klarer und weniger aufgeregt geführt werden müsse.

Gesprochen wurde auch über den redaktionellen Umgang mit problematischen und rassistischen Leserbriefen, Kommentaren oder Online-Postingsn. Dass Migration eine Realität sei, der man sich zu stellen habe, darüber war man sich einig. Migration sollte aber nicht nur im Zusammenhang mit gesellschaftlichen Problemen oder Kriminalitätsberichterstattung ein Thema sein, denn die Medien dürften das Potential einer Gemeinschaft von Lesenden und Zusehenden mit Migrationshintergrund nicht verkennen. "Das Publikum wandelt sich. Wenn wir uns diesem Publikumswandel nicht stellen und die Personal- und Programmpolitik nicht ändern, dann verlieren wir das Publikum", meinte dazu Gualtiero Zambonini, Integrationsbeauftragter des Westdeutschen Rundfunks.


Länderübergreifender Vergleich
Die Tagung bot auch die Möglichkeit eines Vergleichs der journalistischen Arbeit in Österreich und Italien: So gelten in Italien seit 2008 mit der Charta von Rom ethische Spielregeln für die Berichterstattung im Zusammenhang mit Migranten, diese sollten auch in Österreich Verbreitung finden, so eine Anregung von Seiten  Enrico Paissans, vom Rat der italienischen Journalistenkammer.

 

Video

 

Links:

Abteilung JUFF - Fachbereich Integration

 

Downloads:

Dokumentation [PDF]

Programm [PDF]

 

Podcasts:

Teil 1: Begrüßung und Einleitung

Teil 2: Vortrag von Jens Zimmermann und Regina Wamper

Teil 3: Vorträge von Paul Vécsei, Simon Tonini und Enrico Paissan

Teil 4: Vortrag von Gualtiero Zambonini

Teil 5: Podiumsdiskussion mit LRin Christine Baur, Gerhard Fritz, Christoph Sailer, Luis Vahrner, Sieghard Krabichler, Enrico Paissan und Köksal Baltaci

Bildergalerie


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